Steineberg – Wandern im Osten der Nagelfluhkette

Auf dem Bild geht der Blick vom Grat am Steineberg, einem Gipfel in der Nagelfluhkette, Richtung Osten zum Gipfelkreuz. Rechts vom Gipfelkreuz stehen ein paar Nadelbäume. Im Vordergrund sind der Gratweg und links davon Felsen aus Nagelfluh (Konglomerat) zu sehen. Der Gipfel bricht auf der linken Seite nach Norden senkrecht ab, auf der rechten Seite nach Süden dacht er sich hingegen sanfter ab. Dort ist im Bildmittelgrund noch ein Schneefeld zu erkennen. Rechts sieht man die Gipfel rund um Oberjoch und dahinter die Tannheimer Berge. Links erkennt man in der Tiefe Immenstadt im Allgäu und dahinter die bayerisch-schwäbische Ebene. Hinter dem bewaldeten Rücken des Rottachberges sieht man noch den Rottachsee. Der Himmel ist blau und mit Schleierwolken verziert. Die Fernsicht scheint endlos zu sein.
Nagelfluhkette – Ausblick vom Steineberg

Im Frühling auf die Nagelfluhkette

Der Steineberg im Allgäu ist von Osten gesehen der erste »richtige« und auffällige Gipfel der Nagelfluhkette. Die zwei vorgelagerten Erhebungen Mittagberg und Bärenkopf, fallen hingegen kaum auf. Der Bärenkopf ist besonders im Frühling ein lohnendes und einfaches Ziel ab Gunzesried.

Wie die anderen Gipfel der Nagelfluhkette, ist auch der Steineberg Teil des Naturpark Nagelfluhkette. Der Naturpark ist ein Großschutzgebiet zwischen Allgäu und Bregenzerwald und der erste grenzüberschreitende Naturpark zwischen Deutschland und Österreich.

Im Frühling ist der Steineberg meist der erste schneefreie Gipfel in der Nagelfluhkette. Die Webcam am Ofterschwanger Horn zeigt euch die aktuellen Verhältnisse. Eine ähnliche Sicht zum Steineberg bietet der Gipfel des Rangiswanger Horns in der Hörnergruppe.

Auf dem Bild geht der Blick vom Rangiswanger Horn im Allgäu Richtung Norden zu den Gipfeln der Nagelfluhkette. Man sieht im Bild den östlichen Abschnitt, von links nach rechts: Sedererstuiben, Stuiben, Steinköpfle, Steineberg, Bärenkopf und Mittagberg. Rechts am Bildrand sieht man noch ein wenig hinaus ins Flachland. Die Gipfel sind auf den Südseiten Mitte April fast schon komplett schneefrei. Man erkennt auch, dass unterhalb von 1500 m Wälder dominieren. Auch im Vordergrund am Rangiswanger Horn hat es viele Bäume und ganz vorne liegt noch ein Schneefeld. Der Himmel ist blau und zum Teil mit Schleierwolken bedeckt.
Südansicht – Östliche Nagelfluhkette vom Rangiswanger Horn

Wer von euch schon früher auf dem Steineberg war und das Beitragsbild ganz oben betrachtet, erkennt, dass die Bäume am Gipfel deutlich größer geworden sind. Früher ragte das Gipfelkreuz fast allein in den Himmel.

Der Anstieg über die Leiter

Von Immenstadt im Allgäu führt eine Seilbahn zum Mittagberg. Bei der Bergstation der Mittagbahn beginnt der kürzeste Anstieg zum Gipfel. Der Weg steigt meist knapp unterhalb der Kammhöhe zwischen Mittagberg und Steineberg zum Gipfelaufbau. Zuletzt wartet eine 17 m hohe Leiter.

Aber Vorsicht: Dieser Weg ist längst nicht so früh im Jahr begehbar wie der südseitige Anstieg von Gunzesried! Während bereits im April in den Südhängen die Krokusse um die Wette blühen, liegt auf den Bändern nördlich unter dem Gipfel noch reichlich Schnee. Eine Begehung kann für Ungeübte gefährlich werden und tragisch enden. Vor ein paar Jahren rutschte eine Bergwanderin Anfang April auf einem vereisten Schneefeld aus und stürzte 150 m in die Tiefe. Sie verstarb im Krankenhaus.

Ihr solltet daher die nordseitigen Anstiege nicht zu früh im Jahr angehen. Das gilt nicht nur für den Weg über die Leiter, sondern auch für den Weg, der die Leiter auf abschüssigen Bändern in westlicher Richtung unter der Gipfelwand umgeht.

Auf dem Bild sieht man vom Bärenkopf zum Steineberg, mit seiner steilen, zum Teil bewaldeten Nordostflanke. Über diese verläuft der so genannte Anstieg über die Leiter. Diese ist im Bild eingezeichnet. Das Bild entstand Ende März, daher liegt noch sehr viel Schnee. Aber auch im April liegt auf den Bändern rund um den Gipfelkopf meist noch Schnee, der für Ungeübte gefährlich werden kann, vor allem wenn er vereist ist. Der Himmel ist blau und mit Schleierwolken bedeckt.
Heikel im Frühling – Leiteranstieg zum Steineberg

Als ich kürzlich oben war, erzählte mir ein anderer Wanderer am Gipfel, dass die Leiter eigentlich kein Problem wäre, sondern eher die Querung darunter. Sie war noch verschneit und zum Teil vereist. Auf dem Bild oben sieht man, wie steil die Hänge unterhalb der Leiter sind. Wer von euch diesen Anstieg machen möchte, sollte also unbedingt warten, bis der Schnee in den Nordhängen des Steinebergs verschwunden ist. Je nach Verhältnissen kann es bis Ende Mai oder gar Anfang Juni dauern.

Der Anstieg von Gunzesried

Jetzt im Frühling ist der nordseitige Anstieg also kein Thema. Umso schöner ist der abwechslungsreiche Weg, der von Gunzesried über Alpweiden und durch Bergwälder einfach zum Steineberg führt. Unterwegs und am Gipfel blühen bereits im April viele Krokusse.

Auf dem Bild sieht man Krokusse im Frühjahr. Sie stehen am Gipfel des Steinebergs auf über 1600m. Der Großteil der Krokusse sind weiß, ein paar lila.
Frühling – Krokusse am Steineberg

Der Weg ist weder lang, noch müssen viele Höhenmeter bewältigt werden. Dennoch solltet ihr die Tour keinesfalls unterschätzen. Der Anstieg erfordert Trittsicherheit und wenn ihr zu Beginn der Saison Schneefelder quert oder mit nassen Sohlen über Nagelfluhfelsen steigt, kann aus dem T2 durchaus ein T3 werden! Was aber definitiv nicht stimmt, ist der aktuelle Eintrag in der OSM bei Bergfex mit T1!

Im Abstieg könnt ihr von der Dürrehornalpe auch via Winkelwiesenalpe nach Gunzesried absteigen. Der zusätzliche Aufwand beträgt 20-30 Min.

Steineberg von Gunzesried

In Gunzesried, 889 m, zweigt der Anstieg zum Steineberg kurz nach der Kirche rechts ab. Zunächst noch auf Hartbelag, geht’s bald über Weiden bis zu einer Verzweigung, P. 1019 m. Hier beginnt links haltend die so genannte »Hohlgasse«, einer der ältesten Vieh- und Transportwege zu den oberhalb der Waldgrenze gelegen Alpen.

Wenig später informiert euch eine Tafel über die Artenvielfalt, die sich hier auf kleinstem Raum ausbreitet. Kurz darauf fädelt der Weg in einen Wirtschaftsweg ein, der mehrere Alpen auf den Sonnenhängen oberhalb von Gunzesried erschließt. An diesem liegt die Dürrehornalpe, 1157 m. Achtung: Der in manchen Karten eingetragene Weg von der unterhalb gelegenen Winkelwiesenalpe zur Unterkirchealpe existiert nicht!

Auf dem Bild sieht man links die Hütte der Grathöflealpe am Steineberg. In den amtlichen Karten wird sie als Steinebergalpe bezeichnet. Im Hintergrund sieht man die noch schneebedeckten Gipfel der Allgäuer Alpen zwischen Gaishorn und Höfats mit der Daumengruppe im Zentrum. Darunter das Illertal zwischen Sonthofen und Oberstdorf. Rechts sieht man unten das Gunzesrieder Tal. Der Himmel ist blau und nur am Horizont mit Schleierwolken bedeckt.
Aussichtsreich – Grathöflealpe am Steineberg

Kurz nach der Dürrehornalpe wird ein Bach gequert, in der amtlichen Karte »Furt« genannt. Der Wirtschaftsweg steigt in Kehren bis fast zur Unterkirchealpe, 1359 m. Noch vor den Hütten zweigt der Weg rechts ab und steigt einen Wiesenhang hinauf. Eine Stufe aus Nagelfluh wird leicht durchstiegen und nach einer Bachquerung erreicht ihr die Grathöflealpe, 1546 m (Steinebergalpe auf der aktuellen amtlichen Karte).

Oberhalb ist in einer Felsstufe ist nochmals Trittsicherheit nötig, bevor der Steig wieder steiler, aber problemlos in Kehren zum Steineberg führt. An einer Stelle gibt es einen schönen Blick zwischen den Nagelfluhfelsen hindurch zum Grünten und zum tiefer gelegenen Bärenkopf.

Das Gipfelkreuz steht am östlichen Gipfelpunkt, 1660 m. Der mit 1683 m höchste Punkt des Steinebergs liegt etwas weiter südwestlich und bildet ein kleines Plateau. Erst von hier seht ihr den Gratverlauf zum Stuiben, der bislang verborgen war.

Rundsicht vom Steineberg

Die Berge der Allgäuer Alpen stehen Parade, vom Grünten im Osten über die Tannheimer Berge und die mächtigen Gipfel im Allgäuer Hauptkamm, bis zu den Gipfeln über dem Kleinwalsertal im Süden.

Im Südwesten das Bregenzerwaldgebirge, dahinter Lechquellengebirge und Rätikon (Schesaplana). Im Westen erkennt ihr am Horizont viele Schweizer Berge (Glarner Alpen, Churfirsten, Säntis).

Auf dem Bild geht der Blick vom Steineberg Westgipfel Richtung Süden zu den Gipfeln der Allgäuer Alpen zwischen Hochvogel links und Widderstein rechts. Am Horizont erkennt man die höchsten Berge der Allgäuer Alpen wie Großer Krottenkopf, Mädelegabel, Hohes Licht und Biberkopf. Rechts davor stehen die deutlich niedrigeren Berge der Hörnergruppe. Links sieht man das Illertal zwischen Sonthofen und Oberstdorf. Im Vordergrund liegen noch zwei kleine Schneefelder auf der Gipfelwiese. Der Himmel ist blau und mit Schleierwolken verziert.
Panorama – Allgäuer Alpen vom Steineberg

Im Nordosten liegt in der Tiefe Immenstadt, dahinter breitet sich die bayerisch-schwäbische Ebene aus. Richtung Norden sinken hinter dem Prodelkamm die bewaldeten Vorberge zwischen Lindau und Kempten ins württembergische Allgäu ab.

Wer einen Blick auf die Fortsetzung der Nagelfluhkette werfen möchte, muss noch den etwas höheren Westgipfel aufsuchen. Der fünfminütige Übergang lohnt sich unbedingt. Besonders im Frühling wenn in den nordseitigen Mulden noch Schnee liegt, hinterlässt der Stuiben einen alpinen Eindruck. Von hier sieht man auch den Pfänder am Bodensee.

Auf dem Bild geht der Blick Richtung Südwesten zum Stuiben, dem nächsten bedeutenden Gipfel in der Nagelfluhkette. Dazwischen erhebt sich auf der Grathöhe das unbekannte Steinköpfle. Die beiden Gipfeln sind auf den Nordseiten noch tief verschneit. Die Nagelfluhfelsen, die herausschauen, wirken dadurch fast schwarz. Dies verleiht dem Stuiben ein alpines Ambiente. Links sind im Hintergrund die Berge rund um den Sipplingerkopf zu sehen, in der Ferne am Horizont die Schweizer Berge. Rechts vom Stuiben sieht man den Imbergkamm bei Steibis und dahinter den Pfänder am Bodensee. Im Vordergrund breitet sich eine Wiese aus, auf der noch ein paar kleine Schneefelder liegen. Das Gras wird langsam grün und es sind viele Krokusse zu erkennen. Der Himmel ist blau, in der linken Bildhälfte hat es eine große Schleierwolke.
Alpin im Frühling – Stuiben vom Steineberg

Gratwanderung über die Nagelfluhkette

Der Steineberg ist je nach Startpunkt der erste oder letzte Gipfel in der Überschreitung der Nagelfluhkette. Dort wird der Verlauf von West nach Ost empfohlen. Die Tour ist in dieser Richtung aufgrund des höheren Ausgangspunktes (Bergstation der Hochgratbahn) weniger anstrengend.

Sie bleibt aber in jedem Fall eine anspruchsvolle Bergwanderung im Bereich T3. Insgesamt habt ihr eine tagesfüllende Gratwanderung mit viel Auf und Ab über mehrere Gipfel vor euch. Sicher begehbar ist die Tour normal nicht vor Ende Mai.

Die Tour ist zwar nicht wirklich schwierig, verlangt aber Trittsicherheit und auf einigen schmalen Gratabschnitten auch Schwindelfreiheit. Mehrere Passagen sind versichert: zwischen Steineberg und Stuiben, der Ostgrat auf den Stuiben sowie ein kurzer Abschnitt zwischen Buralpkopf und Gündleskopf

Falls Ihr in Ost-West-Richtung unterwegs seid, bietet es sich an, im Staufner Haus am Hochgrat zu übernachten. Von hier könnt ihr am nächsten Tag noch über »Luftigen Grat« zur Falkenhütte wandern.

Ausgangs- und Endpunkt
Gunzesried, Bus ab Sonthofen (Mo-Sa), mit dem Auto von Blaichach im Illertal, gebührenpflichtiger Parkplatz am Ortseingang.

Zeiten & Höhenmeter
Gunzesried – Dürrehornalpe 45 Min.
Dürrehornalpe – Steineberg 1¾ Std.
Steineberg – Dürrehornalpe 1¼ Std.
Dürrehornalpe – Gunzesried 30 Min.
800 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
T2, Trittsicherheit, besonders im Frühjahr bei Nässe (Schneefelder!)
Mitte April – Wintereinbruch

Alpenvereinskarte: BY1 Allgäuer Voralpen West, 1:25 000. Die weitaus beste und schönste Karte der Nagelfluhkette! Basiert auf der Karte des Bayerischen Landesvermessungsamtes.

Bayerisches Landesvermessungsamt: UK50-47 Allgäuer Alpen, 1:50 000. Ebenfalls eine sehr schöne und exakte Karte, aber kleinerer Maßstab.

Kompass: 02 Oberstaufen, Immenstadt im Allgäu,1:25 000. Weniger schön, dafür gut lesbar, wasser- und reißfest.

Seibert, Dieter: Alpenvereinsführer Allgäuer und Ammergauer Alpen, Bergverlag Rother, München, 18. Auflage 2013. Der Klassiker vom vielleicht besten Gebietskenner. Beschreibt alle Gipfel beider Gebirgsgruppen, oft in Form von Rundtouren. Eine echte Fundgrube, topp! Nur noch antiquarisch erhältlich, evtl. bei Alpen-Antiquariat Ingrid Koch oder digital (gescannte Bibliotheksausgaben).

Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten!

Alpe Vorder Krumbach (nur Einkehr, keine Unterkunft, mit kurzem Gegenanstieg Richtung Mittagberg erreichbar)

ÖV

Gunzesried ist nur an Werktagen (Mo-Sa) mit dem Bus, Linie 20, ab Sonthofen erreichbar. Sonn- und feiertags nur über AST (Anruf-Sammel-Taxi), 08:55 Uhr ab Bahnhof Sonthofen, Voranmeldung bis 60 Minuten vor Abfahrt, Tel. 08321-4040. Abfahrtszeiten & Anschlüsse über die Homepage der DB oder über die Fahrplanauskunft Allgäu (Linienfahrpläne auch als PDF).

ÖPNV-Angebote im Allgäu.

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