Traumhafte & leichte Schneeschuhtour in der Ostschweiz
Der Hüenerchopf darf mittlerweile als Klassiker gelten – nicht nur für Skitouren, auch für Schneeschuhtouren. Wobei Skitourengänger noch immer klar in der Überzahl sind. Die Tour zum Hüenerchopf ist nach Schneefällen schon bald wieder gespurt. Die Orientierung ist daher bei guter Sicht überhaupt kein Problem. Bei normalen Verhältnissen ist die Tour auch relativ lawinensicher. Wobei der Hang in den Sattel unterhalb des Gipfels ein paar Stellen mit 30° aufweist. Zudem ist die Grathöhe mitunter verwechtet. Im Zweifelsfall nimmt man den Umweg über die Broch (siehe Abstiegsvariante unten) und steigt von dort über den Grat zum Hüenerchopf. So ist die Route auch bei Swisstopo eingetragen: Der Grat wird knapp östlich von P. 2080 erreicht, nicht westlich davon! Auf diese Weise wird jegliche Passage über 30° vermieden. Fast alle Tourengänger wählen hingegen den direkten Anstieg. Bei guten Verhältnissen spricht nichts dagegen. Ab der Lawinenwarnstufe 3 würde ich in jedem Fall östlich von P. 2080 ansteigen. Zur Lawinengefahr auf Schneeschuhtouren empfehle ich euch den Beitrag Lawinengefahr beim Schneeschuhwandern.

Aus manchen Richtungen zeigt sich der Hüenerchopf als abgeflachter Turm. So wie auf dem Bild oben. Vom Tal aus bekommt man den Gipfel nur selten zu Gesicht. Einzig aus der Umgebung von Sargans sieht man ihn. Die Einheimischen nennen den kleinen Berg liebevoll »Hüeneri« oder einfach »Hüenri«. So steht es auch auf dem Gipfelbuchbehälter.
Der Name Hüenerchopf deutet auf ein (gehäuftes) Vorkommen von Schneehühnern hin. Daher bitte nur die ausgewiesenen Routen und Spuren benutzen. Wildtiere gewöhnen sich daran, wenn Menschen immer in den selben Räumen unterwegs sind. Verlasst ihr hingegen die üblichen Routen, führt das bei den Tieren zu Stress.
In den Flumser Bergen gibt es noch weitere Gipfel, die perfekt für Schneeschuhtouren geeignet sind. Die Swisstopo-Karte 237 S zeigt euch die Möglichkeiten. Vor allem aber sind darin die Hänge über 30° rot eingefärbt. Auf der anderen Seite des Weißtannentals steht mit dem Garmil ein anderer einfacher und bis in den Frühling schneesicherer Gipfel. Zwar ein eher unscheinbarer Gupf, aber mit wunderschönem Anstieg! Auf einem der Bilder unten ist der Garmil zu sehen.

Erinnerungen, Erlebnisse und Geschichten
Zwei Mal war ich im Winter auf dem Hüenerchopf. Es waren zwei grundverschiedene Touren & Tage.
Beim ersten Mal war ich sehr spät dran. Mal wieder nicht rechtzeitig aus den Federn gekommen und deshalb (viel) zu spät losgefahren. Dann waren die Straßen am Flumser Kleinberg aufgrund der nordseitigen Ausrichtung ziemlich vereist und ich musste das Auto einiges tiefer parken als erhofft. Es war schon nach 10 Uhr, als ich ein gutes Stück unterhalb des Chapfensees startete. Und das Ganze Anfang Februar, wenn es gegen 18 Uhr schon wieder dunkel wird. Dazu eine unbekannte, lange Tour mit gut 1200 Hm in unbekanntem Gelände, weglos, mit Schnee oder Eis. Vielfach ließ sich der Schnee vermeiden, aber es war eben doch sehr mühsam.
An diesem Tag war am Hüenerchopf fast nichts los. Erst kurz unter dem Gipfel kamen mir zwei Skitourengänger entgegen. Sie suchten ebenso wie ich die beste Linie – mit dem Unterschied, dass sie den Schnee suchten, während ich ihn vermeiden wollte. Es war schon weit nach 14 Uhr, als ich endlich oben war. Ganz allein durfte ich den Moment genießen. Meine Gipfelrast dauerte nur etwa eine halbe Stunde, denn auch der Rückweg würde ob der vielen Flachstrecken sehr lang werden. Es war schon längst Nacht, als ich wieder zu Hause war. Die Tour ist nun bereits fast 35 Jahre her, aber ich kann mich noch an Vieles erinnern.

Beim zweiten Mal stellte ich es cleverer an … Es war ein wunderschöner Tag, sonnig, warm, die Landschaft war noch frisch verschneit. Perfekt. Das dachten sich aber auch viele andere und der Parkplatz in Vermol war schon fast komplett ausgebucht, als ich dort eintraf. Auf der ganzen Route war viel los, manche Einheimische waren bei meinem Aufstieg bereits in der Abfahrt.
Am Gipfel war ich zunächst der einzige Schneeschuhwanderer, erst später kamen wenige andere hinzu. An diesem Traumtag waren es sicher an die 100 Tourengänger am Hüenerchopf. Kein Vergleich zu meinem ersten Besuch. Aber am frühen Nachmittag hatte ich den Gipfel kurzzeitig für mich allein. Später saß ich dann noch eine Zeit lang auf der Broch und durfte dort eine wunderbare Stille genießen.

Schneeschuhtour von Vermol zum Hüenerchopf
Von Vermol, 1098 m, zunächst kurz auf der Straße. Bei den letzten Häusern zweigt links ein Fahrweg ab, dem die Spuren der Skitourengänger- und Schneeschuhwanderer folgen. Diese führen in einem Linksbogen auf die Lichtung von Lutzboden. Die Spuren führen dann in westlicher Richtung durch lichten Wald mit einer kurzen etwas steileren Passage hinauf auf das freie Alpgelände und weiter nach Tamonsvorsäss, 1739 m.

Die Alphütten sind der perfekte Platz, um eine Pause einzulegen und sich zu stärken. Das macht Sinn, denn noch immer sind es über 400 Hm und die Tour weist viele Flachstücke auf. Das Ganze zieht sich also ziemlich …
Die Route führt nun in einem großen Bogen um die Steilflanke der Broch herum in die Mulde unter dem Hüenerchopf. Von hier steigen die meisten etwas links ausholend und mit einer Querung in den Sattel unter dem Gipfel, ca. 2070 m. Abschließend über den breiten Grat, zuletzt ziemlich steil über die Südseite zum Gipfelkreuz auf dem Hüenerchopf, 2171 m. Die Schneeschuhe muss man für den Schlussanstieg evtl. ablegen und den Gipfelkopf zu Fuß ersteigen.
Rundsicht vom Hüenerchopf
Trotz der eher geringen Höhe bietet der Hüenerchopf eine schöne Rundsicht. Tiefblicke gibt es so gut wie keine, vom Rheintal sieht man nur einen kleinen Ausschnitt bei Sargans.
Im Südhalbrund erheben sich jenseits des Weißtannentals die Gipfel der Glarner Alpen (beim SAC Taminagebirge): Graue Hörner (Pizol), Ringelgebirge (Ringelspitz) und Sardona-Massiv (Trinserhorn, Piz Sardona). Der Ringelspitz ist der höchste Gipfel im Kanton St. Gallen, der Pizol wiederum ist der höchste Gipfel, der komplett auf St. Galler Boden liegt.

Nach Südwesten zieht ein schöner Grat über den Rundchopf zum Madchopf. Dieser Übergang wird oft von Skitourengängern gemacht. Im Westen schränkt das mächtige und steile Massiv des Hochfinslers mit seinen Trabanten die Rundsicht etwas ein.

Im Nordhalbrund ist der Blick völlig frei: Churfirsten & Alviergruppe, in der zum Rheintal hin das deutlich niedrigere, aber felsige Duo Tschuggen & Gonzen besonders auffällt. In dieser Richtung sieht man in der Ferne am Horizont den Säntis im Alpstein. Im Nordosten beherrschen die Gipfel des Rätikons mit der Schesaplana das Panorama. Rechts davon sind am Horizont noch die Gipfel der Silvretta zu erkennen.

Abstiegsvariante über die Broch
Für den Abstieg bietet sich eine kleine Zusatzschlaufe über die flache Kuppe der Broch an. Der aussichtsreiche Übergang ist sehr schön und eher einfacher als der direkte Abstieg.

Vom Sattel unter dem Hüenerchopf folgt man einfach dem Gratrücken in südöstlicher Richtung, rechts vorbei an P. 2080, bis in den nächsten Sattel. Zuletzt über den breiten Rücken mit einem kleinen Gegenanstieg zur flachen Kuppe der Broch, 2064 m. Von hier schöner Blick über das Weißtannental. Vom Gipfel über flache Hänge in nordwestlicher Richtung hinab zur Aufstiegsroute. Ein direkter Abstieg von der Broch nach Norden ist nicht zu empfehlen – die Hänge sind sehr steil und zum Teil von Wechten bedroht!
Ausgangs- und Endpunkt
Vermol, aktuell kein ÖV (Stand Winter 2025/2026). Gut ausgebaute Straße von Mels, Parkplätze (gebührenpflichtig).
Zeiten & Höhenmeter Vermol – Hüenerchopf 3 Std.
Hüenerchopf – Broch 20 Min.
Broch – Vermol 2 Std.
1080 Hm, minimale Gegensteigung zur Broch
Anforderungen & Jahreszeit WT3
Januar bis März
Swisstopo 50, 237 S Walenstadt, wasserfest, in Zusammenarbeit mit dem SAC und Swiss-Ski.
Swisstopo-App für Smartphone und Tablet.
Infos und Blattschnitte bei Swisstopo.
Aktuell gibt es keinen Schneeschuhtourenführer, der den Hüenerchopf beinhaltet.
Unterwegs keine Einkehrmöglichkeit.
Vermol ist aktuell nicht mit dem ÖV erreichbar. Der Schneetourenbus wurde eingestellt, wie die Sektion Piz Sol des SAC schreibt. Es bliebe also nur ein Taxi ab Mels oder die Hoffnung, dass sich hier wie in anderen Tälern der Schweiz Bus alpin engagiert.
Die Schweiz hat das beste System des öffentlichen Verkehrs – zumindest im Alpenraum. Ich habe selbst ein Halbtax-Abo (»Schweizer Bahncard«). Das Halbtax ist nicht nur in den Zügen, sondern auch in Bussen und vielen Bergbahnen gültig. Die Bahntickets sind nicht gerade preiswert, Parkplätze und Parkhäuser aber auch nicht.
Infos zu Preisen und Verbindungen:
Der Beitrag hat dir gefallen? Du hast Fragen? Du möchtest Feedback geben? Schreib mir gerne an peter@montolando.com. Ich freue mich über deine Nachricht.