Turne – Schneeschuhtour im Berner Oberland

Von der Gipfel Gipfelhochfläche am Turne geht der Blick Richtung Westen zu den Bergen der Berner, Waadtländer und Freiburger Alpen. Im Vordergrund sieht man auf dem Schnee Spuren vom Wind. Oben scheint noch die Sonne ins Bild. Der Himmel ist blau mit wenigen Wolken, die Luft ist durch Saharastaub getrübt.
Weite – Gipfelhochfläche am Turne mit Berner, Waadtländer und Freiburger Alpen

Schneeschuhwanderung zur Turne zwischen Diemtigtal & Simmental

Im westlichen Berner Oberland sind die Berge längst nicht so hoch wie rund um Grindelwald oder Lauterbrunnen. Dafür ist hier auch nicht so viel los. Die Berge um das Simmental, das sich in einem Bogen zwischen Wildstrubel und Wimmis in der Nähe des Thunersees erstreckt, bieten ein reiches Betätigungsfeld für Schneeschuhtouren.

Im unteren Simmental zweigt bei der Ortschaft Oey in südwestlicher Richtung das Diemtigtal ab. Abgesehen von Diemtigen, das auf einer Terrasse über dem Simmental liegt, sind die Siedlungen im Tal von überschaubarer Größe. Das Diemtigtal hat sich seine Ursprünglichkeit weitestgehend bewahrt und ist eine kleine Welt für sich. Um einerseits die Landschaft zu erhalten und aufzuwerten und gleichzeitig die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern und einen nachhaltigen Tourismus zu fördern, stellte die Gemeinde Diemtigen 2005 einen Projektantrag für einen regionalen Naturpark. In 2011 erhielt das Diemtigtal vom Bundesamt für Umwelt BAFU das Label »Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung«.

Dunstschleier – Wiriehorn links & Männliflue in der Bildmitte vom Anstieg zum Turne

Im Sommerhalbjahr ist das Diemtigtal perfekt für einen Wanderurlaub abseits des Massentourismus geeignet. Nicht nur, aber besonders Gipfelsammler haben hier einiges zu tun: Auf mehr als ein Dutzend Gipfel führen markierte Anstiege. Höchster Punkt im Diemtigtal ist die 2652 m hohe Männliflue. Der vielleicht schönste Aussichtsberg und so etwas wie der Mittelpunkt im Tal ist das Wiriehore (früher Wiriehorn). Beide Gipfel sind mit einem Bergwanderweg erschlossen.

Schneeschuhtouren zwischen Diemtigtal & Simmental

Auch für Schneeschuhwanderer eröffnen sich im Diemtigtal viele Tourenmöglichkeiten. Die zwei vielleicht populärsten Ziele sind Turne und Abendberg. Vor allem der Turne (früher Turnen) ist ein bekanntes und in der Regel lawinensicheres Ziel für Skitourengänger & Schneeschuhwanderer. Der Anstieg verlangt etwas Erfahrung im Schneeschuhwandern und eine solide Kondition. Immerhin sind knapp 1050 Hm zu bewältigen.

Felsig – Turne von Süden

Eine leichtere Alternative ist der benachbarte Abendberg. Hier sind es nur 810 Hm. Nicht von dem relativ geringen Höhenunterschied täuschen lassen: Auch die Tour zum Abendberg verlangt eine gute Kondition. Zwischen den Hütten von Obers Blaachli und dem Sattel der Rinderalp gibt es eine längere, etwas mühsame Flachstrecke.

Gegenlicht – Unterwegs zum Abendberg

Weitere Ideen für Schneeschuhwanderer: Meniggrat & Stand, Niderhore, Rauflihore, Mäggisserehore … Diese Touren sind jedoch ebenfalls mit großen Höhenunterschieden verbunden und zum Teil auch technisch anspruchsvoller.

Wer keine langen Schneeschuhtouren unternehmen möchte, findet im Bereich der Wiriehornbahn zwei ausgewiesene Schneeschuhtrails. Analog zu den Winterwanderwegen in der Schweiz sind auch die Schneeschuhtrails mit Wegweisern und Stangen in pink markiert. Einer der Trails führt von der Bergstation Nüegg auf die Homad, einen Vorgipfel des Wiriehorns. Der bei Swisstopo eingezeichnete Skilift existiert laut den aktuellen Prospekten nicht mehr. Es dürfte also am Gipfel angenehm ruhig sein. Falls ihr keine Schneeschuhe habt, könnt ihr bei der Talstation der Wiriehornbahn welche mieten. Auch im Talende auf der Grimmialp und bei der Bergbahn auf Springenboden gibt es jeweils einen Schneeschuhtrail.

Es sei noch gesagt, dass ihr diese Trails in Eigenverantwortung begeht. Es ist unerlässlich, sich vorher beim SLF über die aktuelle Lawinensituation zu informieren. Im Beitrag Lawinengefahr beim Schneeschuhwandern gibt es weitere Informationen.

Mit Schneeschuhen zum Turne

Der Turne ist ein mächtiger Grasbuckel, über den Maurice Brandt, legendärer Autor vieler SAC-Führer, im Band Berner Voralpen (1. Auflage 1981) schrieb: »Aber den erstaunlichsten Anblick bietet der Turnen von N. Das Chörbli, der Grosse Chorb und der Chlyne Chorb sind tief in den Berg eingegraben. In einer urtümlichen Umgebung finden sich Wände, Nadeln, Grätlein, Gendarmen und Couloirs. Diese einmaligen, einzelne Züge amerikanischer Nationalpärke aufweisenden Naturgebilde sollten vollständig geschützt werden.« Leider lassen sich diese Naturschönheiten im Winter maximal erahnen, da man nur sehr eingeschränkt vom Gipfel in diese Welt schauen kann – die Wechten auf der Nordseite versperren den Blick. Das Bild zeigt einen kleinen Einblick in den obersten Abschnitt des Chörbli.

Besonders – Oberstes Chörbli & Bergwelt jenseits des Simmentals vom Turne

Anfang März 2026 war ich eine Woche in Einigen zwischen Thun & Spiez am Thunersee. Es war gut eine Woche nach dem Ende der ergiebigen Schneefälle im Februar. An den ersten drei Tagen war ich mit den Schneeschuhen unterwegs: Laseberg – Abendberg – Turne. Morgens waren die Schneeverhältnisse immer top, der Schnee war fest und griffig, es ließ sich wunderbar steigen. Nachmittags machte es nur wenig Spaß, es hatte viele Luftlöcher im Schnee, weil sich dieser noch nicht richtig gesetzt hatte. Nach den drei Touren hatte ich genug. Die folgenden drei Tage wanderte ich durch zumeist schneefreie Südflanken auf kleinere Gipfel, die ich gerne als »Gupf« bezeichne. Auch auf solchen Gipfelchen kann man Höhenmeter machen. So beispielsweise am Heitihubel über Simmental & Thunersee. Nebenbei: Dort oben ist es wunderschön, der Gupf ist ein lohnendes Ziel für die Zwischensaison im März/April und November/Dezember, wenn noch kein Schnee liegt und es keine Zäune hat … Der Heitihubel ist auf dem Bild unten eingetragen.

Voralpen – Gipfel zwischen Stockhorn, Hohgant und Niesen vom Turne mit Simmental & Thunersee

In dieser Woche war ich jeden Tag mit dem ÖV unterwegs. In Sachen ÖV ist das Berner Oberland selbst in der Schweiz nochmals eine Klasse für sich! Die Touren zum Turne und Abendberg eignen sich perfekt für eine Anreise mit dem ÖV.

Insgesamt lag diesen Winter weniger Schnee als im langjährigen Mittel. Der Neuschnee im Februar konnte das nicht mehr kompensieren, denn schon bald sorgten einige warme Tage dafür, dass es dem Schnee wieder an der Kragen ging. Auf manchen Bildern sieht man die zum Teil bereits aperen Verhältnisse, selbst am Turne auf über 2000 m. Und das Anfang März! Die Südhänge waren in diesen Tagen bis auf 1500 m wieder fast komplett schneefrei, steilere Flanken (Hardergrat bei Interlaken) sogar bis über 1700 m und höher. Auf meinen Touren zum Turne und zum Abendberg musste die ich Schneeschuhe lange Zeit tragen. Ob es noch genügend Schnee hat und wie das aktuelle Wetter ist, zeigen euch die Webcams der Wiriehornbahn.

Schneeschuhtour aus dem Diemtigtal zum Turne

Von der Haltestelle Zwischenflüh Seebergstrasse, 1042 m, nicht den Wegweisern folgen, sondern der Straße, die in Kehren sanft am Hang entlang verläuft. Beim Hof Hasli zweigt die bei Swisstopo eingezeichnete Route rechts ab, weiterhin auf der Straße. Eine langwierige Angelegenheit! Ich wählte eine Abkürzung: Bei P. 1177 rechts ab auf einem steilen Ziehweg und weglos über eine steile Wiese zur Hütte von Lusseweid. Hier rechts haltend auf einem Fahrweg zur Hautroute.

Steil – Gipfelhang zum Turne

Nun gemeinsam weiter bis nach einem Bacheinschnitt. Dahinter rechts ab von der Straße und über steilere Hänge hinauf zur Straße bei P. 1530 (Unders Blaachli). Weiter auf der Straße, vorbei an einer Alphütte und durch einen Bachgraben auf einen breiten Rücken. Nun stets über den Rücken nach Hindertärfete, 1804 m (Alphütte) Weiter geradewegs hinauf zum Südwesthang des Turne. Es wird kurzzeitig steil. Das Bild oben ist perspektivisch etwas verzerrt, der Hang wirkt hier flacher als er ist. Die Route biegt nach rechts in die Südflanke ein und quert unterhalb von Schrofen hinaus auf das weite Gipfeldach und über die Hochfläche zum Wegweiser am Turne, 2079 m.

Rundsicht vom Turne

Die breite Gipfelhochfläche bietet eine weite und umfassende Aussicht. Leider war die Fernsicht ziemlich durch Saharastaub getrübt – die Bilder sprechen eine klare Sprache. Es lohnt sich, über die gesamte Hochfläche zu wandern.

Auf dem Bild geht der Blick vom Turne über die Niesenkette zu den Berner Hochalpen zwischen Schreckhorn und Doldenhorn. Die bedeutendsten Gipfel sind auf dem Bild beschriftet. Die Berge sind noch winterlich verschneit. Der Himmel ist blau und wolkenlos, die Luft ist durch Saharastaub getrübt.
Gestaffelt – Zentrale Berner Alpen & Niesenkette vom Turne

Vom östlichen Gipfelpunkt mit Wegweiser ist ein kleiner Ausschnitt des Thunersees zu sehen, darüber Sigriswilgrat, Güggisgrat und Brienzer Rothorn. Weiter nach rechts die markante Pyramide des Niesen und der daran anschließende Niesengrat. Dahinter und im Südhalbrund reihen sich die Gipfel der Berner Alpen: Schreckhorn, Eiger, Mönch, Jungfrau, Blüemlisalp, Balmhorn, Wildstrubel, Wildhorn. Davor die Berge über dem Diemtigtal.

Aper – Gipfelhochfläche am Turne mit Berner Alpen zwischen Doldenhorn & Wildstrubel

Vom westlichen Gipfeleck hat man hingegen den schöneren Blick auf die Zacken der Waadtländer und Freiburger Alpen, mit Gummfluh, Tour de Mayen, den Vanils, den Gastlosen und der Hochmatt.

Zacken & Zähne – Freiburger Alpen vom Turne

Im Nordhalbrund reihen sich die Gipfel vom Schopfenspitz bei Jaun, über Bäderhorn, Schafberg, Kaiseregg, Schafharnisch, Ochsen, Gantrisch zum Stockhorn und zur Simmenflue über dem Thunersee.

Leichte Schneeschuhwanderung zum Abendberg

Zunächst wie beim Turne bis zur Straße bei P. 1530. Hier rechts ab und über die Hänge zur Kammhöhe oberhalb von Obers Blaachli ansteigen. Hier wird im Vorfeld der Abendberg sichtbar. Man erreicht einen Fahrweg, der nur wenig ansteigend in den Sattel der Rinderalp, 1685 m, quert. Von hier in direkter Linie über den breiten Gipfelhang zum höchsten Punt des Abendbergs, 1851 m, WT2, 810 Hm.

Die vielen Bäume am Gipfel lassen kaum Durchblicke. Vom höchsten Punkt kann man bei guten Verhältnissen noch auf der Südseite durch lichten Wald zum Aussichtspunkt absteigen. Vorsicht!

Ausgangs- und Endpunkt
Zwischenflüh im Diemtigtal, Bahn von Spiez nach Oey-Diemtigen (320), Bus nach Zwischenflüh, Haltestelle Seebergstrasse (31.250). Mit dem Pkw von Latterbach im Simmental via Oey, Parkplätze am Ausgangspunkt (gebührenpflichtig).

Zeiten & Höhenmeter
Zwischenflüh – Hindertärfete 2½ Std.
Hindertärfete – Turne 45 Min.
Turne – Hindertärfete 30 Min.
Hindertärfete – Zwischenflüh 1½ Std.
1050 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
WT3
Januar bis März

Swisstopo 50, 253 S Gantrisch, wasserfest, in Zusammenarbeit mit dem SAC und Swiss-Ski.

Swisstopo-App für Smartphone und Tablet.

Infos und Blattschnitte bei Swisstopo.

Ackermann, Ewald & Wandfluh, Albrecht: Schneeschuhtouren Westschweiz – Waadt/Freiburg/Bern West, SAC-Verlag, Bern, 3. Auflage 2013. Mit vielen lohnenden Schneeschuhtouren zwischen Genfersee & Thunersee.

Unterwegs keine Möglichkeit.

ÖV

Zwischenflüh im Diemtigtal, ist mit dem Bus ab Oey-Diemtigen (31.250) erreichbar. Bahn von Spiez nach Oey-Diemtigen (320).

Tarifverbund Libero

Die Schweiz hat das beste System des öffentlichen Verkehrs – zumindest im Alpenraum. Ich habe selbst ein Halbtax-Abo (»Schweizer Bahncard«). Das Halbtax ist nicht nur in den Zügen, sondern auch in Bussen und vielen Bergbahnen gültig. Die Bahntickets sind nicht gerade preiswert, Parkplätze und Parkhäuser aber auch nicht.

Infos zu Preisen und Verbindungen:

Schweizerische Bundesbahnen SBB

PostAuto Schweiz

Fahrplanauskunft ÖV Schweiz

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