Leichte Wanderung zwischen Simmental & Thunersee
Heitihubel? Nie gehört? Vermutlich kennen fast nur Einheimische aus dem Berner Oberland diesen kleinen, unscheinbaren »Gupf« zwischen Simmental & Thunersee. Die bescheidene Erhebung gehört nun sicher nicht zu den Gipfeln, die man angeblich mal gemacht haben muss.
Der Heitihubel ist eine der letzten Erhebungen der langen Stockhorn-Kette, bevor diese mit der Simmenflue abrupt bei Wimmis endet. Ein Blick auf die Karte lässt vermuten, dass man von hier oben eine schöne Sicht auf das Berner Oberland mit Thunersee, Niesen und Simmental hat.

Darf man einen Hügel wie den Heitihubel als Gipfel oder gar als Berg bezeichnen? Warum eigentlich nicht? Geht man von der Definition der UIAA (Union Internationale des Associations d’Alpinisme, Internationale Vereinigung der Alpinverbände) aus, gilt eine Erhebung dann als selbständig, wenn die Schartenhöhe zum nächsthöheren Gipfel mindestens 30 Hm beträgt.
Beim Heitihubel kommen wir auf ca. 70 Hm. Der Sattel nordwestlich unter dem Gipfel ist ca. 1485 m hoch. Zum Vergleich: Das nicht weit entfernte Solhore zwischen Stockhorn und Laseberg bringt es auf fast exakt dieselbe Schartenhöhe. Die mächtige Nüschlete, die den Heitihubel direkt um fast 450 Hm überragt, kommt hingegen nur auf 66 Hm. Natürlich sind Solhore und Nüschlete markanter, eindrucksvoller und aus alpinistischer Sichtweise viel eher als Gipfel zu bezeichnen. Eigenständiger als der bescheidene Heitihubel sind sie hingegen nicht.

Es ließen sich zahlreiche weitere Beispiele von unscheinbaren Hügeln finden, die selbständiger sind als manch markante Spitze. Wie so oft kommt es auch hier auf die Perspektive an. Auf solch bescheidenen Gipfeln durfte ich viele schöne Momente erleben. Wie am Heitihubel.
Im Beitrag Die 20 prominentesten Berge in den Alpen gibt es weitere Infos zu dieser Thematik.
Vom Winter in den Frühling
Auf dem Beitragsbild vom Laseberg sieht man den Heitihubel am rechten Bildrand, knapp unterhalb des Montolando-Logos: die linke Flanke ist noch tief verschneit, rechts hingegen fast schneefrei.
Der Schneeschuhtourenführer Westschweiz des SAC, stellt eine interessante Überschreitung des Heitihubels von Oey-Diemtigen nach Reutigen vor. Ich hatte den Heitihubel eigentlich als Schneeschuhtour eingeplant. Nach den kräftigen Schneefällen vom Februar 2026 dachte ich, dass genügend Schnee liegen müsste. Aber schon auf der ersten Tour zum Laseberg war klar, dass dies nicht der Fall war.

Die steile Südflanke über dem Simmental war völlig schneefrei und nur im Bereich rund um den Heitihubel lag noch Schnee. Perfekt für eine erste Frühlingswanderung, vor allem auch weil die Schneeverhältnisse für Schneeschuhtouren nicht gerade berauschend waren. Abgesehen von der ab mittags ziemlich starken Sichttrübung durch Saharastaub, hatte ich einen wunderschönen Wandertag. Mit der Überschreitung via Spittelnacki wurde daraus noch eine nette Rundtour.
Eine Wanderung über den Heitihubel eignet sich perfekt für die Zwischensaison, im März und April (Mai) oder Oktober und November, bei wenig Schnee auch im Dezember. Im Sommer würde ich die Wanderung aus zwei Gründen nicht empfehlen: Erstens ist es hier dann vermutlich zu heiß und zweitens verhindern die vielen Zäune der Älpler den Zugang zum Gipfel. Letzteren Aspekt sollte man in jedem Fall respektieren!
Wanderung von Erlenbach zum Heitihubel
Vom Bahnhof Erlenbach, 681 m, folgt ihr den Markierungen hinauf ins Dorf und über die Kantonsstraße. Vorbei am Seniorenzentrum Lindenmatte auf einer schmalen Straße hinauf nach Allmenden, 850 m, das aussichtsreich auf einer Terrasse über dem Simmental liegt. Weiter bis zur Wegverzweigung am Waldrand bei P. 925 m. Hier rechts auf der Straße bleiben. Kurz darauf zweigt der Bergwanderweg rechts ab. Zunächst noch im dichten Wald, führt der schöne Weg dann oberhalb eines Tobels durch eine wunderschöne Landschaft. Dies ist einer der schönsten Abschnitte der Wanderung! Über eine Lichtung erreicht der Wanderweg eine Straße. Dieser nach rechts folgen, bis zu einer Alphütte und Ruhebank bei P. 1147. Von hier schöner Blick zu den Bergen über dem Diemtigtal.

Nun stets auf breitem Weg durch die südexponierten Hänge unter dem Heitihubel zu den Hütten von Unders Heiti, 1367 m, und in einem Bogen nach Obers Heiti, 1484 m. Von hier am besten in den Sattel zwischen den beiden Erhebungen des Gipfels und zuletzt über einen Rasenhang zur höchsten Erhebung des Heitihubels, 1556 m.
Rundsicht vom Heitihubel
Lediglich im Nordwesten ist die Rundsicht etwas eingeschränkt. Hier überragt das Trio Nüschlete, Laseberg und Bremeflue den Heitihubel um mehr als 450 Hm. In alle anderen Richtungen ist der Blick frei.

Besonders schön ist die Sicht über den Thunersee zu Sigriswilgrat & Güggisgrat mit dem Niederhorn. Weiter nach rechts die Berge zwischen Wildgärst, Schwarzhorn und Faulhorn. Am Horizont Wetterhorn, Schreckhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau. Vor dem Dreigestirn sieht man Sulegg, Lobhörner und Schwalmere.

Ganz nah präsentiert sich die charakteristische Pyramide des Niesen. In der Fortsetzung die gleichnamige Kette. Über dem Diemtigtal Männliflue & Wiriehorn. Weiter nach rechts Abendberg & Turne, zwei lohnende Gipfel für Schneeschuhtouren.
Über dem Simmental schließen einige Gipfel der Freiburger Alpen die Rundsicht: Gastlosen, Hochmatt, Bäderhorn, Schafberg, Schafharnisch.

Die Giganten der Berner Alpen mit Eiger Mönch und Jungfrau waren durch einen dichten Dunstschleier kaum zu sehen. An diesem Tag hüllte Saharastaub vor allem die höheren Gipfel ein. Ihr könnt das auch im Blogbeitrag Lufttrübungen verschiedener Art manifestierten sich heute in der Schweiz bei MeteoSchweiz nachlesen. Auf dem folgenden Bild ist das gut zu sehen, ebenso auf dem Beitragsbild.

Abstieg & Rundtour via Spittelnacki
Man könnte auf demselben Weg wieder absteigen. Je nach (Schnee-) Verhältnissen, lohnt sich eine nette Rundtour über Spittelnacki (die Alpe heißt tatsächlich so …) und Müllersbode oder Bächenallmi.
Vom Heitihubel über den Nordwestkamm hinab zur Alphütte im Sattel von Matte, ca. 1485 m. Der Wanderweg steigt von hier zum Alpbeizli Matten an. Das wäre ein ziemlicher Umweg. Schneller und bei Schneelage viel bequemer wandert ihr auf der Straße am Hang entlang in die Mulde zu den Hütten von Spittelnacki, 1435 m.

Von hier hatte ich ursprünglich vor, auf dem markierten Wanderweg zur Alphütte, 1372 m, auf Müllersbode zu queren. In dieser Flanke lag jedoch noch verhältnismäßig viel Schnee. Da ich keine Lust auf Schneestapferei und nasse Füße hatte, wählte ich den bei Swisstopo eingezeichneten, aber nicht markierten direkten Abstieg über den teils steilen Rücken von Bächenallmi.
Der Weg zweigt unterhalb der letzten Hütte von Spittelnacki, P. 1428, links ab. Er biegt schon bald wieder nach rechts um und führt gut sichtbar über den aussichtsreichen Rücken hinab zu einer einzelnen Alphütte, ca. 1280 m. Hier ist die Wegspur nicht besonders ausgeprägt. Sich nicht nach rechts verleiten lassen, sondern konsequent am Rücken weiter hinab in den Wald. Dort ist der Weg wieder besser sichtbar. Er quert dann einen Bach. Auf der anderen Seite teilt sich die Spur – beide Alternativen führen weiter unten wieder zusammen. Das Gelände ist in diesem Bereich steil und erfordert Trittsicherheit! Nun immer auf dem guten Weg hinab zur vom Aufstieg bekannten Straße. Kurz auf dieser weiter, bis der Weg nach Erlenbach links abzweigt.
Ausgangs- und Endpunkt
Erlenbach im Simmental, Bahn von Spiez nach Zweisimmen (320). Mit dem Pkw ab Spiez, Parkplätze beim Bahnhof Erlenbach oder bei der Stockhornbahn (jeweils gebührenpflichtig).
Zeiten & Höhenmeter Erlenbach – Unders Heiti 2¼ Std.
Unders Heiti – Heitihubel 30 Min.
Heitihubel – Spittelnacki 30 Min.
Spittelnacki – Erlenbach 1¾ Std.
880 Hm
Anforderungen & Jahreszeit T2
März-April, Oktober-November
Swisstopo 50, 253 T Gantrisch, wasserfest, in Zusammenarbeit mit den Schweizer Wanderwegen.
Swisstopo-App für Smartphone und Tablet.
Infos und Blattschnitte bei Swisstopo.
Ackermann, Ewald & Wandfluh, Albrecht: Schneeschuhtouren Westschweiz – Waadt/Freiburg/Bern West, SAC-Verlag, Bern, 3. Auflage 2013. Falls ihr den Heitihubel mit Schneeschuhen machen möchtet … mit vielen weiteren Schneeschuhtouren zwischen Genfersee & Thunersee.
Unterwegs keine Möglichkeit.
Erlenbach im Simmental liegt an der Bahnlinie von Spiez nach Zweisimmen (320).
Die Schweiz hat das beste System des öffentlichen Verkehrs – zumindest im Alpenraum. Ich habe selbst ein Halbtax-Abo (»Schweizer Bahncard«). Das Halbtax ist nicht nur in den Zügen, sondern auch in Bussen und vielen Bergbahnen gültig. Die Bahntickets sind nicht gerade preiswert, Parkplätze und Parkhäuser aber auch nicht.
Infos zu Preisen und Verbindungen:
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