Wandern am Walensee – Quinten, Betlis und Weesen

Auf dem Bild geht der Blick oberhalb von Weesen hinab auf den Walensee. Er liegt wie ein Fjord zwischen den Bergen der Churfirsten, mit dem Leistchamm links und den Glarner Alpen, Flumserberg und Mürtschenstock rechts. Hinter dem östlichen Ende des Sees erkennt man noch die Alviergruppe und den Rätikon. Im Vordergrund hat es Büsche und Bäume, zwischen denen ein paar Häuser von Weesen zu erkennen sind. Der Himmel ist blau, aber es hat viele Wolken in verschiedenen Formen. Die Wolken wergen zum Teil große Schatten auf die Landschaft. Der Föhn sorgt für eine spezielle Stimmung.
Walensee – Fjord in der Ostschweiz

Schönste Wanderung am Walensee

Mit solchen Aussagen bin ich eher zurückhaltend. Schließlich ist so eine Einschätzung Geschmacksache. Aber hier würde ich mich tatsächlich ein wenig aus dem Fenster lehnen und die Wanderung von Walenstadtberg nach Quinten und über Betlis nach Weesen als schönste Wanderung am Walensee bezeichnen. Und ich weiß wovon ich spreche – ich kenne auch die Wege am Südufer und auf den Alpterrassen nördlich über dem See. Dort oben ist es zwar aussichtsreicher, aber das fast schon mediterrane Ambiente direkt am Walenseeufer zwischen Josenhaab und Quinten ist sehr speziell.

Diese besondere Wanderung möchte ich euch heute in Wort und Bild näher vorstellen. Den Weg bin ich mehrfach gegangen, meistens im Frühling. Das hat einen einfachen Grund: Der Weg ist rasch schneefrei und in den steilen Hängen unter den Churfirsten ist es meist angenehm warm. Das Wetter am Walensee ist oft vom Föhn beeinflusst und der See ist vor kalten Nordwinden geschützt. Nicht ohne Grund hat es in Quinten Weinreben. Im Sommer wäre es mir hier definitiv zu warm! Der Walensee gehört zu meinen Lieblingsplätzen im gesamten Alpenraum. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie viele Tage ich dort schon verbracht habe.

Auf dem Bild geht der Blick vom Hirzli, einem Gipfel in den Glarner Alpen, Richtung Osten zum Walensee. Man sieht ihn genau hinter einem Vorgipfel des Hirzli, etwas rechts von der Bildmitte. Der Walensee wird von den Bergen der Speergruppe links, den Churfirsten und der Alviergruppe im Hintergrund eingerahmt. Dahinter erkennt man noch einige Gipfel im Rätikon und rechts die Ausläufer des Flumserbergs. Während es im Tal bereits grün ist, sind die Berge in den Gipfelregionen noch verschneit. Das sieht man auch an dem kleinen Vorgipfel im Vordergrund. Der Himmel ist blau und es hat wenige Schleierwolken. Es ist ein wunderschöner Frühlingstag!
Überblick – Walensee & Bergumrahmung vom Hirzli

Walensee – Fjord in der Ostschweiz

Der Walensee liegt in der Ostschweiz, größtenteils im Kanton St. Gallen, zu einem kleineren Teil im Kanton Glarus. Zwischen den Churfirsten auf der Nordseite und den Glarner Alpen südlich, erstreckt er sich in west-östlicher Richtung. Das Beitragsbild illustriert den fjordartigen Charakter ebenso anschaulich wie die Aufnahme oberhalb vom Hirzli.

Wer auf der Schweizer Autobahn A3 oder mit dem Zug von Zürich in Richtung Chur unterwegs ist, passiert den Walensee und genießt von den Orten am Südufer wundervolle Blicke auf den See und die steil darüber aufragenden Churfirsten. Der Walensee ist 15,5 Km lang, 2 Km breit und maximal 150 m tief.

Die bedeutendsten Orte am Walensee sind Walenstadt am östlichen Ende es Sees und Weesen auf der Westseite. Am Südufer hat es mehrere kleine Dörfer. Am Nordufer gibt es zwei Orte: Das autofreie Quinten ist nur per pedes oder mit dem Schiff erreichbar, Betlis ist mit Weesen durch eine Straße verbunden.

Bei Walenstadt mündet die Seez in den Walensee. Sie entspringt im Weisstannental zwischen Pizol und den Flumserbergen. Unterhalb des Kerenzerberges erreicht der von 1807 – 1811 angelegte Escherkanal aus dem Glarnerland den Walensee. Als Linthkanal verlässt er den See bei Weesen, um sich bei Niederurnen-Ziegelbrücke wieder mit der ursprünglichen Linth, die von Süden aus dem Glarnerland kommt, zu vereinigen. Von hier fließt der Kanal durch die Linthebene in Richtung Zürichsee.

Auf dem Bild geht der Blick hinab auf den Walensee und die Ortschaft Amden, die sich links oberhalb des Sees auf einer Terrasse ausbreitet. Über dem Dorf erkennt man den Leistchamm, den westlichsten Gipfel der Churfirstenkette. Er bricht nach rechts mit steilen Wänden zum Walensee ab. Hinter dem Walensee erkennt man in der Bildmitte die Alviergruppe und rechts die noch schneebedeckten Gipfel über dem Flumserberg. Der Himmel ist blau, aber es hat viele Quellwolken, die zum Teil große Schatten werfen.
Sonnenterrasse – Amden über dem Walensee

Auf der Nordseite breiten sich über dem Walensee unterschiedlich große Terrassen aus. Bekannt ist vor allem Amden oberhalb von Weesen. Das weit verstreute Dorf liegt in ausgesprochen sonniger Lage und ist Ausgangspunkt für viele schöne Gipfeltouren wie Leistchamm, Gulmen, Speer, Mattstock und Chapf. Zur Gemeinde gehören auch Betlis und Fly, die beide am Walenseeufer liegen. Ein schöner, teilweise steiler Weg verbindet Amden mit Betlis.

Auf der anderen Seite liegt oberhalb von Walenstadt das kleinere und weniger bekannte Dorf Walenstadtberg. Es ist Ausgangspunkt der Wanderung nach Quinten.

Eine schöne »Radiowanderung«

Die Wanderung von Walenstadtberg nach Quinten und weiter über Seeren nach Betlis und Weesen, darf man ohne Übertreibung zu den schönsten Wanderungen der Schweiz zählen. Sie wird gerne etwas abschätzig als »Radiowanderung« bezeichnet. Ab 1961 wurden von der damaligen Schweizerischen Arbeits­gemeinschaft für Wanderwege (SAW), ­heute Schweizer Wanderwege, so genannte Radiowanderungen auf Radio Beromünster initiiert. Bis zu 1500 Wanderer sollen an Sonntagen daran teilgenommen haben. Ist also die Rede von einer »Radiowanderung«, meint dies eine Wanderung, die keine besonderen Anforderungen stellt und die eher überlaufen ist.

Einsam ist es auf diesem Weg tatsächlich nicht. Aber wie auf anderen Wanderwegen auch, sind die meisten erst gegen später unterwegs. Wer also früh startet oder werktags außerhalb der Ferien geht, kann auch auf diesem Weg durchaus Ruhe und Stille finden. Ich bin den Weg mal im Dezember gegangen. Meist war ich allein und habe unterwegs fast niemand getroffen.

Die Tour ist an einem Tag machbar, sofern ihr ein wenig Kondition mitbringt. Ihr könnt es aber auch gemütlicher angehen lassen und in Quinten oder Quinten-Au übernachten. Die Wanderung lässt sich auch mit einer Schifffahrt auf dem Walensee verbinden.

Auf dem Bild sieht man zwei rote Ruhebänke, die am Weg von Walenstadtberg nach Quinten stehen. Auf der Wiese liegt etwas Neuschnee. Zwischen den Bäumen erkennt man in der Bildmitte den Walensee, mit der Ortschaft Murg am südlichen Ufer. Über dem See und im Hintergrund erheben sich die Gipfel der Glarner Alpen, die noch schneebedeckt sind. Rechts im Hintergrund steht unter einer Felswand eine Alphütte. Der Himmel ist blau und mit vielen Schleierwolken bedeckt.
Rastplatz – Walensee & Glarner Alpen vom Weg nach Quinten

Von Walenstadtberg nach Quinten

Ausgangspunkt ist die Haltestelle Alte Post in Walenstadtberg, 793 m. Zunächst geht’s sehr gemütlich auf einem aussichtsreichen Fahrweg eben am Hang entlang. Der Fahrweg passiert die Häuser von Engen und erreicht leicht fallend die Gastwirtschaft Garadur, 829 m. Sie soll das ganz Jahr bewirtschaftet sein, hat aber keine Homepage. Ab hier nimmt uns ein Wanderweg auf, der rasch in die Tiefe führt. Der Weg ist zum Teil steil, aber immer gut ausgebaut und mit etwas Trittsicherheit gut zu gehen. Eine gesicherte Passage über einen Bach ist harmlos.

Auf dem Bild geht der Blick vom nördlichen Ufer des Walensees bei Quinten Richtung Osten. Über dem tiefblauen See sieht man die Gipfel der Alviergruppe, die zum Teil noch verschneit sind. Darunter erkennt man einige Häuser von Walenstadt. Links im Bild sieht man den Uferstreifen mit Kieselsteinen. Darüber sieht man den bewaldeten Hang, durch den man von Walenstadtberg nach Quinten absteigt. Der Himmel ist blau und es hat nur ein paar ganz kleine Wölkchen.
Mediterranes Flair – Walensee & Alviergruppe

Schon bald erreicht ihr Josenhaab am Ufer des Walensees. Von hier bis Quinten warten am Seeufer einige schöne Rastplätze! Kurz nach Gand passiert der Weg eine Felswand, die mit Geländer gesichert ist. Danach führt der Weg an der Schiffsanlegestelle Quinten Au vorbei und ab hier wieder auf einem Fahrweg nach Quinten, 433 m.

Nun müsst ihr entscheiden, ob ihr weiter Richtung Betlis und Weesen wandern möchtet oder ob ihr die Wanderung für heute mit einer Schifffahrt auf dem Walensee beenden wollt. Ab Quinten fahren die Kursschiffe des Schiffsbetrieb Walensee nach Walenstadt, Murg und Weesen.

Auf dem Bild sieht man den Walensee und an seinem Ufer rechts die Ortschaft Quinten. Hierher kommt man nur zu Fuße oder mit dem Schiff. Rechts oberhalb erkennt man zwischen den Häusern einige Rebstöcke. Im Bild sieht man auch ein Kursschiff von Murg, das in wenigen die Anlegestelle von Quinten erreichen wird. Im Hintergrund sieht man die Gipfel der Glarner Alpen, die noch schneebedeckt sind. Der Himmel ist blau und wolkenlos.
Autofrei – Quinten am Walensee

Von Quinten über Betlis nach Weesen

Etwas oberhalb von Quinten gibt es zwei Möglichkeiten, die nach Betlis führen. Ich kenne beide und würde euch aus zwei Gründen den unteren Weg empfehlen: Er ist aussichtsreicher und mit weniger Höhendifferenz.

Bei der Abzweigung jenseits des Dickenbachs, 462 m, also links halten. Der Weg ist nicht zu verfehlen und führt zunächst ohne Steigungen bis Tscherüti, 461 m. Ab hier steigt er dann an und gelangt zu einer Felswand. Dieser Abschnitt ist auf beiden Seiten gesichert. Es ist aber viel weniger spektakulär, als es vielleicht den Anschein hat.

Das Bild zeigt eine Wanderin am Weg von Quinten nach Betlis. Sie quert gerade eine Passage unterhalb einer Felswand. Der Weg ist hier zwar breit, aber auf beiden Seiten gesichert: Rechts hängt ein Drahtseil an der Felswand, links sichert ein Geländer den Weg, da der Hang dort sehr steil zum Walensee abfällt. Zwischen den Büschen sind der Walensee und im Hintergrund die zum Teil schneebedeckten Gipfel der Glarner Alpen zu sehen. Der Himmel ist mit dichten Schleierwolken bedeckt. Sie lassen die Sonne nur milchig durchscheinen.
Gesichert – Zwischen Quinten & Betlis

Kurz darauf erreicht ihr die Verzweigung Seerenwald, 720 m. Wer von euch sich doch für den anderen Weg entschieden hätte, würde hier von rechts oben dazu stoßen. Gemeinsam geht’s nun auf einem breiteren Wirtschaftsweg weiter bis zur Rinquelle und den drei Seerenbachfällen. Diese stürzen mit einer Kaskadenhöhe von insgesamt 585 m spektakulär in die Tiefe. Der oberste Wasserfall ist von hier nicht sichtbar.

Der Seerenbachfall II, die mittlere Stufe wurde 2006 erstmals vermessen. Seitdem weiß man: Er ist der höchste Wasserfall der Schweiz, der den bekannten Staubachfall bei Lauterbrunnen im Berner Oberland um 8 m übertrifft. Wer möchte, kann nach der Überquerung des Rinbachs einen kurzen Abstecher zum Wasserfall einlegen. Der Weg ist markiert und ihr könnt von dort auf direktem Weg nach Vorderbetlis, 513 m, absteigen. Einen noch besseren Überblick über die Ausmaße des Wasserfalls habt ihr von Betlis oder aber von der anderen Seeseite wie von Obstalden und Filzbach.

Auf dem Bild sieht man einen Ausschnitt des Seerenbachfalls. Er ist der höchste Wasserfall in der Schweiz.
Superlativ – Seerenbachfall, höchster Wasserfall der Schweiz

In Betlis gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Auch von hier könnt ihr mit dem Schiff nach Weesen, Murg oder Walenstadt zurückkehren. Oder aber ihr wandert weiter nach Weesen. Leider hat es auf dieser Etappe nur asphaltierte Wege. Der außerhalb von Weesen gelegene Bahnhof wird seit Ende 2012 nicht mehr bedient. Es bleibt also auch von hier nur das Schiff oder der Bus nach Ziegelbrücke. Von dort mit dem Zug nach Walenstadt.

Ausgangspunkt
Walenstadtberg, Haltestelle Alte Post, Bus ab Walenstadt (80.443 ). Die Anreise mit dem Auto macht keinen Sinn – man müsste wieder zu Fuß von Quinten oder Walenstadt hinauf …

Endpunkt
Quinten am Walensee, autofreier Ort, Schiff nach Murg (3901) oder Walenstadt (3900). Von Murg mit dem Zug nach Walenstadt (900).
Betlis am Walensee, Schiff nach Weesen oder Walenstadt (3900). Alternativ Weesen, Bus nach Ziegelbrücke (80.650), ab hier Zug nach Walenstadt (900).

Zeiten & Höhenmeter
Walenstadtberg – Quinten 2 Std.
40 Hm
400 Hm
Quinten – Betlis 1¾ Std.
280 Hm
250 Hm
Betlis – Weesen 1¼ Std.
30 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
T2, oft mit Geländer gesichert, Trittsicherheit in den steilen Passagen
ganzjährig, wenn kein Schnee liegt

Swisstopo 50, 237 T Walenstadt, als Karte mit eingetragenen Wanderwegen, ist dies die erste Wahl.

Swisstopo 25, 1134 Walensee. Das perfekte Blatt für den Walensee.

Swisstopo-App für Smartphone und Tablet

Infos und Blattschnitte bei Swisstopo.

Wanderkarte Seesommer mit Wandervorschlägen, Flyer zum Download, schöne Übersicht über Wandermöglichkeiten rund um den Walensee. Für die Touren solltet ihr dann aber eine »richtige Karte« dabei haben.

Beerli-Kaufmann, Verena & Werner: Amden – Weesen, Baeschlin, Glarus, 2007. Liebevoll gestalteter, von »Locals« geschriebener Wanderführer. Nicht gerade preiswert, aber mit vielen Tourenvorschlägen und interessanten Hintergrundinfos. Topp!

ÖV

Schiffsbetrieb Walensee AG Fahrplan

Verkehrsverbund Ostwind

Die Schweiz hat das beste System des öffentlichen Verkehrs – zumindest im Alpenraum. Ich habe selbst ein Halbtax-Abo (»Schweizer Bahncard«). Das Halbtax ist nicht nur in den Zügen, sondern auch in Bussen und vielen Bergbahnen gültig. Die Bahntickets sind nicht gerade preiswert, Parkplätze und Parkhäuser aber auch nicht.

Infos zu Preisen und Verbindungen:

Schweizerische Bundesbahnen SBB

PostAuto Schweiz

Fahrplanauskunft ÖV Schweiz

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