Bergwandern im Frühling

Auf dem Bild sieht man im Vordergrund eine Blumenwiese am Gipfel des Haut Crêt Nord in den Freiburger Voralpen in der Westschweiz. Besonders auffällig sind die gelben Löwenzahn-Blumen. Im Hintergrund erhaben sich die Gipfel über dem Jaunbachtal, links die Schopfenspitzgruppe, rechts die Gastlosen. Genau über der Gipfelwiese erkennt man die kleine Pyramide des Bäderhorns am Jaunpass. Am Himmel hat es schon sehr viele Quellwolken. Sie decken die Sonne an vielen Stellen ab. Die Wiese im Vordergrund liegt aber noch ganz in der Sonne. Es ist ein typischer Frühlingstag in den Bergen.
Blumen & Quellwolken – Frühling in den Bergen

Die besten Tipps zum Bergwandern

Die kalte Jahreszeit ist (fast) vorbei, die Tage werden wieder länger, es wird wieder wärmer. Wie jedes Jahr freue ich mich auf die ersten Touren im Frühling. Geht es euch auch so?

Ich bin sehr gerne auf Wintertouren unterwegs. Aber ist es immer wieder schön zu erleben, wenn die Hänge ausapern, die ersten Blumen blühen und die Wiesen grün werden. Und ja, man muss auch nicht mehr so viel an Ausrüstung mitschleppen.

Vielleicht fragt ihr euch, warum hier nur Bilder aus den Voralpen sind. Ganz einfach: Im Frühjahr liegt in den Hochalpen meist noch zu viel Schnee, als dass man dort schon Bergwanderungen unternehmen könnte. Die Hochalpen sind im Frühjahr das Reich der Skitourengänger.

Auf dem Bild sieht man eine Wiese auf einem Bergkamm, auf der viele Krokusse blühen. Fast alle sind lila. Ein Teil der Krokusse liegt im Schatten. Im Mittelgrund erkennt man noch zwei Nadelbäume. Im Hintergrund sieht man rechts die schneebedeckten Gipfel der Daumengruppe in den Allgäuer Alpen. Der Himmel ist blau und mit Schleierwolken verziert.
Farbtupfer – Krokusse im Allgäu

Ab wann kann man im Frühling Bergwandern?

Ab wann ihr wieder schneefrei wandern oder bergwandern könnt, ist von Jahr zu Jahr verschieden. Das hängt in erster Linie von den Schneefällen des vergangenen Winters ab. Dann spielen auch Sonnenscheindauer und die allgemeine Witterung eine große Rolle.

Der Mai von früher scheint der April von heute zu sein und der März fühlt sich heutzutage oft so an, wie früher einmal der April war. Was will ich damit sagen? Viele Touren, die in den 1980er-Jahren in der Regel ab Mai gemacht wurden, sind heute oft schon im April begehbar. Und im März kann man oft Touren machen, die seinerzeit eher im April üblich waren.

Auf der einen Seite gibt es extrem schneearme Winter wie in 2006/2007: Wir waren seinerzeit am 22. April am Fellhorn. Auf den Südhängen lag so gut wie kein Schnee mehr, wir mussten keine Schneefelder queren. Oder aber die vergangenen beiden Jahre, die ebenfalls sehr schneearm waren. Nach meiner Einschätzung war es 2006/2007 noch extremer. Fairerweise dürfte man es nicht so pauschal formulieren. In verschiedenen Regionen können die Schneehöhen unterschiedlich sein. Aber der Trend zu kürzeren und wärmeren Wintern in den Alpen ist ein belegter Fakt.

An einem Traumtag im April geht der Blick vom Fellhorn weit nach Norden hinaus. Links die Hörnergruppe und die Nagelfluhkette, ganz rechts der Grünten. Dazwischen breitet sich das Illertal aus, in dem weiter hinten Sonthofen erkennbar ist. In der Ferne ist die bayerisch-schwäbische Ebene zu ahnen. Den Vordergrund füllt der Grat vom Fellhorn zum Schlappoldkopf in der Bildmitte. Auf der Grathöhe liegen noch einige Schneefelder. Nur in den Hängen rechts vom Grat hat es noch größere Schneefelder. Für April liegt außergewöhnlich wenig Schnee. Die Berge im Hintergrund sind fast komplett schneefrei. Der blaue Himmel ist nur im Hintergrund mit Schleierwolken verziert.
Schneearmer Winter – Blick vom Fellhorn im April 2007

Natürlich ist dies nicht in jedem Jahr exakt gleich und es gibt durchaus Jahre, in denen es nach schneereichen Wintern so ähnlich aussieht wie früher einmal. Dabei muss der Winter an sich nicht einmal besonders schneereich gewesen sein. So kann ein niederschlagsreicher März dazu beitragen, dass der Schnee länger liegen bleibt, als man dachte. Oder die aktuellen Niederschläge im April 2024, die im Allgäu Schnee bis in Täler bringen.

Wo kann man im Frühling in den Alpen wandern?

Viele beliebte und klassische Ziele, um im Frühling zu wandern, liegen auf der Alpensüdseite. So im Tessin in der Schweiz, in Südtirol und im Trentino oder am Gardasee.

Auf dem Bild geht der Blick von der Cima Monticello, einem Berg im südlichen Mendelkamm über einen Vorgipfel hinweg Richtung Süden zu den Bergen des Trentino. Genau in der Bildmitte erkennt man das dicht besiedelte Etschtal zwischen Mezzocorona und Trento. Links darüber die Vizentiner Alpen mit der Marzola und der Vigolana. Weiter rechts anschließend die Gipfel des Monte Bondone, die Paganella und ganz rechts die Gardaseeberge. Fast alle Berge sind in den Gipfelregionen noch schneebedeckt. Der Himmel ist blau und mit Schleierwolken verziert.
Alpensüdseite – Trentiner Bergwelt von der Cima Monticello im Frühling

Aber auch auf der Alpennordseite gibt es schöne Ziele für Wanderungen im Frühling: im Allgäu, in Vorarlberg oder in der Schweiz. Die Voralpen zwischen Bodensee und Genfersee bieten viele tolle Touren für den Frühling.

Für das Allgäu habe ich euch eine Sammlung leichter Wanderberge für das Frühjahr zusammengestellt, aufgeteilt in West und Ost. Hier findet ihr sicher eine passende Tour. Die Wanderungen sind auch für Anfänger geeignet.

Sehr schön sind die Wanderungen auf der Südseite der Allgäuer Nagelfluhkette. Hier kann ich euch besonders den Steineberg empfehlen. Auch am Fellhorn kann man oft schon ab April unterwegs sein, zumindest auf der Südseite.

Sehr leichte Wanderungen für Anfänger findet ihr am Pfänder, dem höchsten Berg am Bodensee. Noch mehr Wanderungen mit Seeblick gewünscht? Dann solltet ihr unbedingt dem Walensee in der Ostschweiz einen Besuch abstatten.

Bergwetter und Gefahren im Frühling

Die klaren Tage wie im Winter sind nun vorbei. Selbstverständlich hat es auch im Frühjahr klare Tage mit Fernsicht – aber eben auch sehr diesige. Die bessere Sicht ist ein gutes Argument, früh aufzubrechen. Es ist auch wieder früher hell und morgens nicht mehr so kalt. Das Aufstehen fällt daher leichter als im Winter.

Gewitter

Im Frühjahr hat es wieder Quellwolken, von denen es nun wieder mehr gibt als im Winter. Die Wolken müssen nicht unbedingt ein Gewitter ankündigen. Die Wolken auf dem Beitragsbild waren zum Zeitpunkt der Aufnahme noch harmlos, aber man konnte sehen, dass etwas kommen würde. Nachmittags regnete und gewitterte es dann tatsächlich.

Auf dem Bild geht der Blick vom Euschelspass über das Jaunbachtal hinweg zu den Bergen der Freiburger Voralpen in der Westschweiz. Man erkennt links die Türme der Gastlosenkette, rechts die Hochmatt. Die Berge tragen noch einige, eher kleinere Schneefelder. Die niedrigeren Berge im Mittelgrund sind grün und stark bewaldet. Im Vordergrund breitet sich eine Wiese mit Löwenzahn aus. Der Himmel ist bereits stark bewölkt, nur an wenigen Stellen scheint die Sonne hindurch. Die Wolken lassen erkennen, dass sich bald Gewitter bilden werden.
Wetterküche – Gewitterbildung in den Voralpen

Ich kann dazu von einem Urlaub Mitte Mai in Gruyères in der Romandie, der französischen Schweiz, berichten: An jedem Tag waren Gewitter angekündigt, manchmal schon für die Mittagszeit. Wir waren fast jeden Tag auf Tour, sind aber nie nass geworden – wir waren immer sehr früh unterwegs. Selbst auf so genannten »kleinen Gipfeln« saßen wir schon zwischen 8 und 9 Uhr oben und konnten in Ruhe anschauen, wie sich alles entwickelte … und bevor es dann losging, waren wir wieder zurück. Das Bild oben ist an so einem Tag entstanden. Nicht einmal eine Stunde später regnete und gewitterte es tatsächlich.

In der Regel sind Gewitter im Frühjahr nicht so heftig wie im Sommer und meist schnell wieder vorbei. Aber es ist nie angenehm, auf einer Bergwanderung in ein Gewitter zu kommen.

Schneefelder

Gefrorene Schneefelder zählen zu den größten Gefahrenquellen. Auf Südhängen werden die Schneefelder im Lauf des Tages meistens weich und können dann gut begangen werden. Das gilt eingeschränkt auch für ostseitige Schneefelder.

Auf dem Bild sieht man ein Schneefeld, das sich im Frühjahr noch in einer Schuttrinne hält. Es sind verschiedene Wegspuren zu erkennen, die das Schneefeld überqueren. An linken und rechten Bildrand ist der Weg zu erkennen. Die Rinne sieht auf dem Bild nicht besonders steil aus. Dieser Eindruck entsteht durch die optische Verzerrung.
Gefahrenquelle – Schneefeld im Frühjahr

Ganz anders hingegen sieht es bei den Expositionen Nord und West (morgens) aus. Hier können euch harte und vereiste Schneefelder in echte Schwierigkeiten bringen. Daher würde ich euch empfehlen, Krampen oder noch besser Grödel mitzuführen. Nach dem Motto: Maximale Sicherheit bei minimalem Gewicht. Mehr zu den Steighilfen lest ihr im Beitrag Ausrüstung & Bekleidung beim Bergwandern.

Ihr solltet im Frühjahr unbedingt auch die erhöhte Gefahr von Gleitschneelawinen beachten. Mitunter rutschen ganze Schollen ab. Anfang April kam es am Bärenkopf im Karwendel in der Nähe des Achensees zu einem tödlichen Lawinenunfall, verursacht durch eine Gleitschneelawine.

Auf dem Bild geht der Blick vom Gulmen bei Wildhaus im Alpstein in der Ostschweiz Richtung Süden. Rechts im Bild sieht man den Gipfelsteinmann leicht erhöht. Links davon nimmt eine Wechte einen großen Teil des Bildes ein. Sie zu betreten kann lebensgefährlich sein! Links von der Wechte sieht man das grüne Rheintal bei Buchs und in Liechtenstein. Darüber erheben sich die noch schneebedeckten Berge im Rätikon. Nach rechts schließen sich die Bündner Berge und die Alviergruppe an. Der Himmel ist blau und mit wenigen dünnen Schleierwolken verziert.
Nicht betreten – Wechte am Gulmen im Alpstein

Föhn

Auch der Föhn mit seinen starken Winden ist im Frühjahr ein Thema. Ein Föhnsturm mit Wettersturz kann zu einer sehr ernsten und bedrohlichen Situation führen. Im Beitrag Bergwandern im Herbst erfahrt ihr mehr über dieses Wetterphänomen.

Auf dem Bild geht der Blick vom Anstieg zum Bürgenstock Richtung Osten über den Vierwaldstättersee. Genau in der Bildmitte ist die Engstelle des Vierwaldstättersees zwischen Ober und Unter Nas zu sehen. Darüber sieht man Vitznauer Stock, Rigi Hochflue und Großer Mythen und weiter rechts noch der Fronalpstock. Das Glärnischmassiv dahinter steckt in Föhnwolken. In der linken Bildhälfte erhebt sich die grüne Kuppe der Rigi Scheidegg. Von rechts und von unten ragen Äste und Zweig von Bäumen ins Bild. Der Himmel ist mit vielen Föhnwolken überzogen und zeigt sich nur wenig blau, trotzdem ist es sonnig.
Föhn – Frühling am Vierwaldstättersee

Welche Kleidung & Ausrüstung braucht ihr im Frühling?

Warme Kleidung, wenn morgens die Sonne scheint und Temperaturen über 20° angekündigt sind? Aber sicher. Lasst euch nicht täuschen: Auch wenn es im Tal bereits warm ist und es sich vielleicht schon ein wenig nach Sommer anfühlt, ist dies auf den Bergen noch längst nicht so.

  • Warme Jacke, Handschuhe und Mütze – Stellt euch vor, es hat viel Feuchtigkeit und es bilden sich bald Quellwolken, die euren Gipfel einhüllen. Dazu noch ein wenig Wind und schon wird das Ganze sehr ungemütlich. Daher nicht nur eine warme Jacke, sondern auch Mütze und Handschuhe einpacken.
  • Wanderstöcke – Sehr hilfreich auf Altschneefeldern & rutschigem Boden.
  • Krampen oder besser Grödel – Die beste Sicherheitsreserve auf gefrorenen Schneefeldern!
  • Schneegamaschen – Bei viel und weichem Altschnee können sie eine wertvolle Hilfe sein.
  • Sonnenschutz – Auch wenn es noch nicht so warm ist wie im Sommer, aber der Schnee reflektiert die Sonne sehr intensiv! Genauso intensiv ist dann der Sonnenbrand …
  • Stirnlampe – Spätestens nach der Umstellung auf die Sommerzeit sind die Tage wieder lang. Zumindest hat man diesen Eindruck. Bevor die Uhr umgestellt wird, würde ich euch empfehlen, eine Stirnlampe mitzunehmen.

Im Beitrag Ausrüstung & Bekleidung beim Bergwandern erfahrt ihr alles über eure Grundausstattung für Bergwanderungen.

Tourenplanung im Frühjahr

Auf was solltet ihr besonders achten, wenn ihr im Frühjahr eine Bergwanderung machen möchtet? Die Tipps zur Planung & Taktik beim Bergwandern sind eine erste Hilfe. Aber im Frühjahr stellen sich bei der Tourenplanung noch weitere Fragen:

  • Exposition – Ist die geplante Tour bereits machbar? Südseitige Anstiege sind früher schneefrei und meist angenehmer zu gehen. Falls es noch Schneefelder hat, sind diese leichter zu queren, weil der Schnee schneller weich wird. Nordseitige Anstiege hingegen können im Frühjahr noch tief verschneit sein. Touren auf der Nordseite sind mühsamer, schwieriger und oft auch gefährlicher. Dieser Aspekt sollte eine zentrale Grundlage für eure Routenwahl sein!
  • Schneehöhe – Wie viel Schnee liegt vor Ort noch? Nicht überall sind die Schneehöhen gleich. Wie viel Schnee liegt, findet ihr am einfachsten mit einem Blick auf Webcams vor Ort heraus. Im Zweifelsfall ist ein Anruf im Bergführerbüro oder bei der Tourist-Info sinnvoll.
  • Routenwahl – Bin ich der Route gewachsen? Entsprechen die zu erwartenden Schwierigkeiten meinem Können? Dabei spielt wiederum die Exposition eine entscheidende Rolle.
Auf dem Bild geht der Blick von Osten über einen Grat zum Iseler in den Allgäuer Alpen. Die beiden Seiten des Berges sehen im Frühling gegensätzlich aus. Links, auf der Südseite liegen nur noch ein paar ganz kleine Schneefelder. Die Nordflanke auf der rechten Seite, ist hingegen noch schneebedeckt. Zwar schauen viele Felsen aus dem Schnee heraus, aber die Flanke wirkt noch immer winterlich. Am linken Bildrand erkennt man den Weg, der von Süden heraufkommt. Links hinter dem Iseler sieht man die nördlichen Ausläufer der Daumengruppe, rechts das Ostrachtal mit Bad Hindelang. Der Himmel ist blau, es hat ein paar kleine Wolken, die Sicht ist diesig.
Gegensätze – Süd- und Nordseite am Iseler in den Allgäuer Alpen

Das Bild vom Iseler in den Allgäuer Alpen illustriert es anschaulich: Die schneefreie Südseite steht einer größtenteils noch schneebedeckten Nordseite gegenüber. Die Exposition sollte als wichtiges Kriterium in die Tourenwahl einbezogen werden.

Ganz gleich, für welchen Titel ihr euch entscheidet – für Anfängerinnen & Anfänger im Bergwandern sind die drei Bücher gleich empfehlenswert. Sie sind von ausgewiesenen Fachleuten geschrieben, die ihr umfangreiches Wissen weitergeben. Um Missverständnissen vorzubeugen: Eins davon reicht!

Dick, Andreas & Schulte, Dirk: Alpin-Lehrplan 1: Bergwandern – Trekking (Wissen & Praxis), Hrsg. vom Deutschen Alpenverein (DAV), Bergverlag Rother, München, 8. Auflage 2023.

Perwitzschky, Olaf: Bergwandern – Bergsteigen: Basiswissen (Wissen & Praxis), ‎ Bergverlag Rother, München, 3. Auflage 2021.

Volken, Marco et al.: Ausbildung Bergwandern / Alpinwandern – Planung / Technik / Sicherheit, SAC-Verlag, Bern, 2023.

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