Wandern im Naturpark Texelgruppe

Auf dem Bild geht der Blick über den Schwarzsee hinauf zum Schwarzkopf, der sich im See spiegelt. Der ist der höchst gelegene See der Spronser Seen, die mitten im Naturpark Texelgruppe liegen. Der Berg dacht sich nach links sanfter ab, der Grat nach rechts zeigt sich etwas schroffer. Auf dem Gipfel ist das Gipfelkreuz sichtbar. Die Landschaft besteht aus Gneisen und Schiefern, die typisch für die Texelgruppe ist. An manchen Stellen, wie rechts im Vordergrund, liegen kleinere Schneeflecken. Der Himmel ist blau, rechts ziehen Wolkenfetzen über den Grat.
Naturpark Texelgruppe – Schwarzsee & Schwarzkopf

Bergparadies in Südtirol zwischen Meran, Schnalstal und Passeiertal

Bereits von der Kurpromenade in Meran sind sie zu sehen und damit sehr oft Hintergrund vieler Urlaubsfotos – die Berge der Texelgruppe. Würdet ihr mich nach den schönsten Bergen in Südtirol befragen, wäre meine Antwort: Texelgruppe und Rieserfernergruppe. Das ist vermutlich eher seltener der Fall, denn für viele sind die schönsten Berge in Südtirol die Dolomiten. Aber ich habe ja bereits in verschiedenen Beiträgen erwähnt, dass ich Berge aus kristallinen Gesteinen besonders schön finde.

Naturpark Texelgruppe

Der Naturpark Texelgruppe ist einer von sieben Naturparks in Südtirol. Er wurde 1976 als zweiter Naturpark gegründet und ist der flächenmäßig größte. Die Grenzen des Naturparks sind nicht 1:1 mit der Texelgruppe identisch. Teil des Naturparks sind auch die Täler und Gipfel zwischen Pfossental und Finailspitze im Schnalstal. Hingegen liegen die Siedlungs- und Höfegebiete am Rand der Texelgruppe außerhalb des Naturparks und es somit keine Einschränkungen für Landwirtschaft oder Tourismus gibt. Dies ist eine Voraussetzung für die Akzeptanz eines Schutzgebietes in der Bevölkerung.

Das landschaftliche Bild im Naturpark Texelgruppe scheint nur auf den ersten Blick einheitlich zu sein. Dringt man in das Herz des Naturparks ein, zeigt sich eine nicht unbedingt erwartete geologische Vielfalt.

Auf dem Bild geht der Blick von der Sefiarspitze bei Pfelders Richtung Südwesten zu den zentralen Bergen im Naturpark Texelgruppe. Man sieht von links nach rechts Tschigat, Lazinser Rötelspitze, Lodner, Hohe Weiße und ganz rechts die mächtige Hochwilde. Die Gipfel von Lodner und Hoher Weiße bestehen aus sehr hellem Marmorgestein. Daher fallen sie besonders ins Auge. Auch unter dem Gipfel der Hochwilde am rechten Bildrand ist ein Schichtpaket des Marmors noch sichtbar. Im Vordergrund erkenn man in der Tiefe das Faltschnaltal. Der Himmel ist an diesem klaren Tag im Oktober blau und fast wolkenlos.
Berge aus Marmor – Zentrale Texelgruppe von der Sefiarspitze

Zwar bestehen viele Gipfel aus eher dunklen Gesteinen wie Gneisen und Schiefer. Gerade deshalb fallen Lodner und Hohe Weiße im Zentrum der Texelgruppe besonders auf: Sie sind größtenteils aus Marmor aufgebaut.

Die Texelgruppe ist eine Untergruppe im Südosten der Ötztaler Alpen, die eine der größten und bedeutendsten Berggruppen der Ostalpen sind. Das Eisjöchl trennt die Texelgruppe vom Hauptkamm der Ötztaler Alpen. Namengeber ist nicht der höchste Gipfel, das Roteck, sondern die etwas niedrigere Texelspitze.

Auf dem Bild blickt man von der Hochfläche des Atzboden im Schnalstal über das Pfossental hinweg zur Texelspitze, der Namengeberin des Naturparks Texelgruppe. Im Herbst treten die Grate und Rinnen des Gipfels sehr plastisch hervor. Die grasigen Hänge sind dort ebenso gelb-braun wie auf dem Atzboden im Vordergrund. Links im Hintergrund sieht man noch die Hochwilde über dem Eisjöchl. Der Himmel ist blau und es hat Schleierwolken, die den Himmel wunderschön verzieren.
Herbe Welt – Texelspitze vom Atzboden

Besonders auf der Südseite fällt die Texelgruppe sehr steil in den unteren Vinschgau ab. Die Höhenunterschiede sind außerordentlich: Bei einer Horizontaldistanz von 5 Km überragt die 3080 m hohe Lahnbachspitze Naturns um über 2500 Hm – ein enormer Wert!

Auf dem Bild geht der Blick vom Anstieg zum Orenknott hinüber auf den eindrucksvollen Kamm vom Tschigat über Spronser Rötelspitze zur Mutspitze. Die Gipfel fallen auf hier sichtbaren Südseite sehr steil ab. Unterhalb der felsigen Gipfelpartien breiten sich steile Bergwälder aus. Von links oben zieht der Südostgrat der Zielspitze herab und verdeckt einen Teil der Berge. Der Himmel ist blau, aber es hat viele Wolken, die zum Teil größere Schatten werfen.
Eindrucksvoll – Tschigat, Rötelspitze und Mutspitze vom Anstieg zum Orenknott

Naturparkhaus in Naturns

In jedem Südtiroler Naturpark gibt es ein Naturparkhaus, das über die Besonderheiten der vielfältigen Lebensräume informiert. Das erste Naturparkhaus der Texelgruppe in Naturns stammt aus dem Jahr 1984. Bei Moos in Passeier gibt es zusätzlich die Naturparkinfo im Bunker Mooseum.

Im März 2024 wurde das neue Naturparkhaus eröffnet. Es widmet sich dem Schwerpunkt Wasser. Zu Beginn zeigt ein 8-minütiger Film auf einer Großleinwand eindrucksvolle Bilder aus dem Naturpark. Sehr interessant ist die multimediale Ausstellung über die einzigartige Kultur der Waale in Südtirol. An der Süd- und Ostseite der Texelgruppe gibt es verschiedene Waalwege, die zu den beliebtesten Wanderungen im Meraner Land und im Vinschgau zählen.

Auf dem Bild sieht man den Partschinser Waalweg, der hier gerade eine Kurve beschreibt. Der Waal fließt rechts vom Weg, links davon steht ein Holgeländer zur Sicherheit. Die Sonne scheint durch die frisch begrünten Bäume. Die Szene wirkt sehr idyllisch.
Idyllisch – Partschinser Waalweg

Meraner Höhenweg

Der beliebte Höhenweg umrundet die gesamte Texelgruppe. Die Runde wird mit etwa 35 Std. Gehzeit veranschlagt. Sie führt am Eisjöchl bei der Stettiner Hütte auf eine Höhe von über 2800 m und ist daher nur in den Sommermonaten begehbar. Vor allem in der Hochsaison solltet ihr eure Unterkünfte zeitig reservieren, denn der Weg ist wie bereits erwähnt, sehr beliebt.

      Auf dem Bild geht der Blick zurück zur 1000-Stufen-Schlucht am Meraner Höhenweg. Im Hintergrund erkennt man die Leiter und künstlichen Stufen auf der Ostseite der Schlucht. Sie führen unterhalb einer Felswand in die Tiefe. Für Bergwanderer ist dies ein spektakuläres Erlebnis. Die Schlucht ist nicht nur felsig, mache Hänge sind grasbewachsen und es hat auch viel, zum Teil allein stehende Bäume. Der Himmel ist blau, es hat kaum Wolken.
      Spektakulär – 1000-Stufen-Schlucht am Meraner Höhenweg

      Dank des guten Angebots der Öffis sind alle Etappen auch einzeln begehbar. Sehr beliebt ist der Abschnitt zwischen der Bergstation Giggelberg der Texelbahn bei Partschins und der Bergstation der Seilbahn Unterstell bei Naturns. Auch der Weg von Unterstell nach Katharinaberg und die Etappe zwischen Leiteralm und Giggelberg werden gerne als Tagestour gemacht.

      Wandergipfel im Naturpark Texelgruppe

      Viele Gipfel der Texelgruppe sind für Bergwanderinnen & Bergwanderer nicht geeignet. Zu anspruchsvoll, zu mühsam, vor allem im Inneren und im Westteil der Gruppe. Etwas anders sieht es auf den Gipfeln über dem Passeiertal aus: Hier gibt es einige Berge mit markierten Anstiegen im Bereich T2-T3. Die höheren Berge der Texelgruppe sind hingegen meist nur als Zweittagestouren erreichbar und nur für konditionelle Größen als Tagestour.

      Auf dem Bild sieht man von knapp unterhalb des Gipfels zum Kreuz auf der Mutspitze. Der Gipfelaufbau ist grasig, aber mit großen Steinblöcken durchsetzt. Über den Gipfel ziehen Nebelschwaden und auch in der linken Bildhälfte ist der Vinschgau in der Tiefe kaum noch auszumachen. Der Himmel ist nur noch links oben blau, die Nebelschwaden nehmen viel Raum ein.
      Wandergipfel – Mutspitze im Naturpark Texelgruppe

      Der einfachste und deshalb wohl populärste und meist besuchte Gipfel im Naturpark Texelgruppe, ist die Mutspitze oberhalb von Dorf Tirol bei Meran. Wer ein Mindestmaß an Trittsicherheit mitbringt und Kondition für einen knapp dreistündigen Anstieg (ca. 950 Hm), kann den schönen Aussichtsberg besteigen. Die Bewertung auf OSM bei Bergfex mit T1 entspricht aber nicht der Realität! Bei meinen zwei Besuchen hatte ich leider kein Wetterglück, wie das Bild oben zeigt. Schon bald hatten die Wolken alles eingehüllt …

      Weniger bekannt, aber genauso lohnend ist die Matatzspitze, hoch über St. Martin im Passeiertal. Sie wird üblicherweise vom Wanderparkplatz Kratzegg oberhalb Ulfas (Zufahrt von Moos in Passeier) bestiegen. Der Anstieg dauert 2½ Std., bei 660 Hm, T2. Im Abstieg kann man alternativ dem langen Nordostrücken folgen, bis zu einer Waalerhütte. Von hier am Ulfaser Waalweg zurück zur Ulfaser Alm.

      Auf dem Bild geht der Blick von der Matatzspitze in südwestlicher Richtung zu den Bergen der Texelgruppe. Rechts am Bildrand sieht man die Kolbenspitze, den höchsten Berg in diesem Teil der Texelgruppe. Sie ist mit der Matatzspitze durch einen langen Grat verbunden. In der Bildmitte sieht man den langen Kamm zwischen Pfitschkopf und Schwarzkopf. Wie die Kolbenspitze sind auch diese Gipfel ein wenig mit Neuschnee bedeckt. Links am Bildrand erkennt man am Horizont noch die beiden Laugenspitzen. Die Matatzspitze ist ein sehr einfacher und lohnender Aussichtsberg über dem Passeiertal. Der Himmel ist blau und es hat nur wenige Wolken.
      Einblick – Texelgruppe von der Matatzspitze

      Für den Wanderführer Vergessene Pfade in Südtirol machte ich einige Gipfel im Naturpark Texelgruppe, darunter auch drei Berge über 2800 m in der östlichen Texelgruppe: Kolbenspitze, Sefiarspitze, Schwarzkopf. Grundlegende Bergerfahrung und Trittsicherheit sind Voraussetzung, für Schwarzkopf und Kolbenspitze auch eine einwandfreie Kondition.

      Wanderung zu den Spronser Seen

      Sie sind vielleicht das absolute Highlight im Naturpark Texelgruppe: Die zehn Spronser Seen. Verstreut liegen sie in verschiedenen Karen und in unterschiedlichen Höhenlagen. Gleich vorneweg: Einen schnellen Zugang gibt es nicht. Glücklicherweise, möchte man fast sagen.

      Die meisten Tourenbeschreibungen starten auf der Leiteralm, führen von dort via Hochgangscharte zu den Spronser Seen und via Taufenscharte wieder zurück. Ich kenne die Tour nicht, weiß aber, dass der Hochgang sehr anspruchsvoll ist. Zudem sind diese Wege nicht selten überlaufen. Eher weniger logisch, dafür umso stiller, ist der Zugang ab Pfelders via Spronser Joch. Von hier geht’s hinab zu den einzelnen Seen. Wer mit dem Bus nach Pfelders fährt, kann von den Seen zur Bergstation der Seilbahn Hochmuth oder direkt nach Dorf Tirol absteigen.

      In Pfelders, 1628 m, zweigt kurz hinter dem Dorf der markierte Weg Nr. 6 Richtung Spronser Joch links ab. Auf einem schönen Waldweg geht’s zur Faltschnalalm, 1871 m. Der breite Wirtschaftsweg biegt ins Faltschnaltal ein und wird sogleich zum Wanderweg. Die Steigung ist zu Beginn sehr moderat, erst zum Joch hinauf wird es steiler.

      Geologisch gehört die Region zur »Zone der alten Gneise«, kristalline Gesteine, die das Bild der Texelgruppe prägen. Das Faltschnaltal ist lang und der Pfad zieht sich etwas, bis endlich das Faltschnaljöchl, 2417 m, erreicht wird.

      Auf dem Bild geht der Blick von unterhalb des Spronser Jochs in südlicher Richtung. Im Vordergrund liegt der kleine Schiefersee, der in einer Mulde zwischen Moos und Felsen liegt. In der rechten Bildhälfte erkennt man im Hintergrund noch den Langsee, den größten der Spronser Seen. Links im Hintergrund erhebt sich die Spronser Rötelspitze. Der Himmel ist blau und es ziehen Wolken über die Bergkämme, besonders am Kamm der Naturnser Hochwart, die man in der rechten Bildhälfte noch am Horizont sieht.
      Naturpark – Spronser Seen vom Spronser Joch

      Führte der Weg bis hierher durch Weidegelände, quert er nun deutlich steinigeres Gelände unter dem Schieferspitz ins Spronser Joch, 2581 m. Ein wunderbarer Rast- und Aussichtsplatz und ein schönes Tourenziel. Bereits von hier könnt ihr einen Teil der Spronser Seenplatte überblicken und über den Kamm zwischen Rötelspitze und Mutspitze hinweg ins Etschtal schauen.

      Vom Joch sind Schiefersee (am Weg) und Kesselsee schnell erreichbar. Für einen Abstecher zum Grünsee und Langsee solltet ihr ab Spronser Joch weitere 20-30 Min. einplanen.

      Ausgangs- und Endpunkt
      Pfelders im gleichnamigen Seitental des Passeiertals. Bus ab Meran (240).
      Gut ausgebaute Straße von Moos in Passeier. Pfelders ist »autofrei«. Ohne Unterkunft muss das Auto am großen, gebührenpflichtigen Parkplatz vor dem Ort abgestellt werden.

      Zeiten & Höhenmeter
      Pfelders – Spronser Joch 3 Std.
      Spronser Joch – Pfelders 2 Std.
      960 Hm

      Anforderungen & Jahreszeit
      T2, der Abstieg zu den Spronser Seen erfordert Trittsicherheit
      Juli bis Oktober

      Die wetter- und reißfesten Neuauflagen der Karten von Tabacco haben ein noch besseres und feineres Kartenbild als bislang. Das liegt wohl am neuen Material und Druck. Leider braucht es drei Blätter, wenn ihr den gesamten Naturpark Texelgruppe abdecken wollt. Aber hey, die Karten sind richtig schön!

      Tabacco: 04 Schnalstal – Naturns, 1:25 000. Für die Westseite der Texelgruppe, Pfossental und die Bereiche bis zur Finailspitze.
      Tabacco: 11 Meran und Umgebung, 1:25 000. Für die Südseite der Texelgruppe, Spronser Seen und das untere Passeiertal. Bereits als Neuauflage erschienen, sehr schönes Kartenbild!
      Tabacco: 39 Passeiertal, 1:25 000. Für die Ostseite der Texelgruppe, Pfelders und das obere Passeiertal.

      Wenn ihr die einfache, praktische Variante vorzieht, ist die Karte der Texelgruppe von Kompass die erste Wahl.

      Kompass: 043 Naturpark Texelgruppe, Meraner Höhenweg, 1:25 000. Inhaltlich fast gleichwertig, sehr gut lesbar, wasser- und reißfest.

      Deuble, Peter: Vergessene Pfade in Südtirol, Bruckmann, München, 2013. Unterwegs auf wenig begangenen Wegen und Gipfeln. Beschreibt fünf Gipfelziele im Naturpark Texelgruppe. Vergriffen, nur als E-Book oder antiquarisch erhältlich.

      Hirtlreiter, Gerhard: Meraner Höhenweg, Mit Varianten, Gipfelrouten und Tagestouren, Bergverlag Rother, München, 2. Auflage 2022. Enthält neben dem Meraner Höhenweg viele interessante Touren und Varianten in der Texelgruppe. Sehr empfehlenswert!

      Koch, Giovanna: Südtirol für Bergwanderer Band 2, Texelgruppe, Pfelderer und Ridnauner Berge, Tappeiner, Bozen, 1990. Die Reihe Südtirol für Bergwanderer war topp, leider sind diese Bücher nur noch antiquarisch erhältlich. Zwar nicht mehr ganz aktuell, aber noch immer ein wertvoller Begleiter.

      Naturpark Texelgruppe (mit genialen 360°-Panoramen, als »virtuelle Wanderungen« deklariert)

      Meraner Höhenweg

      Lebensraum Naturpark Texelgruppe

      Naturmuseum Südtirol

      Passeiertal

      Schnalstal

      Naturns

      Südtirolmobil (Fahrpläne, Preise, Mobilcard) – die meisten Wanderungen in der Texelgruppe sind mit Öffis bestens erreichbar.

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