Üntschenspitze – Wanderung bei Schoppernau

Auf dem Bild geht der Blick vom Anstieg zum Steinmandl bei Schoppernau Richtung Süden zur Üntschenspitze. Man sieht die breite und steile Nordflanke, in deren Gräben noch Schneefelder liegen. Links sieht man die Güntlespitze, unter deren Gipfel noch viel Schnee liegt. Rechts sieht man noch die Hochkünzelspitze und Schöneberg im Lechquellengebirge. Der Himmel ist blau, es hat Schleierwolken und ein paar ganz kleine Schönwetterwölkchen.
Steil – Üntschenspitze von Norden

Leichte & aussichtsreiche Wanderung zur Üntschenspitze im Bregenzerwald

Die 2135 m hohe Üntschenspitze zählt gemeinsam mit dem benachbarten Heiterberg-Massiv zu den südwestlichsten Gipfeln der Allgäuer Alpen. Der Gipfel liegt im Bregenzerwald in Vorarlberg, im Dreieck zwischen Schoppernau, der Hochtannberg-Region und Baad im Kleinwalsertal. Die Üntschenspitze wird im Volksmund auch Üntscheler genannt und ist ein Wahrzeichen von Schoppernau. Der Gipfel ist aus Flysch aufgebaut, einem weichen Sedimentgestein mit einer reichhaltigen Flora, die am Wanderweg oberhalb der Vorderüntschenalpe stets präsent ist.

Die Üntschenspitze präsentiert sich aus Westen/Nordwesten als perfekte Pyramide. Hier ließe sich die gleiche Geschichte erzählen wie beim Niesen im Berner Oberland: Wenn ein Kind einen Berg malen soll, könnte dieser ähnlich aussehen wie die Üntschenspitze auf dem folgenden Bild.

Perfekt – Üntschenspitze von Au im Bregenzerwald

Dieter Seibert, der 2024 verstorbene Autor des letzten AVF Allgäuer Alpen (16. Auflage, 2004) bezeichnete die Üntschenspitze als »Prototyp eines Grasbergs von eleganter Form , mit extremen bis zu 1000 m hohen Steilgras- und Lawinenhängen.« Gleichzeitig verlieh der Autor dem Berg das Prädikat »Idealer Aussichtsbalkon«. Dem kann man uneingeschränkt zustimmen. Man findet wohl kaum einen Berg, der einen schöneren und unmittelbareren Tiefblick auf den hinteren Bregenzerwald zwischen Au und Schoppernau bietet – die Üntschenspitze steht genau in der Talachse. Und auch die Fernsicht kann sich sehen lassen: Hoher Riffler, Tödi und Bodensee sind die Blickgrenzen.

Seeblick – Bodensee zwischen Kanisfluh & Niedere von der Üntschenspitze

Schoppernau im Bregenzerwald

Die Üntschenspitze gehört zum Ortsbild von Schoppernau (und von Au), wie die Kanisfluh zu Mellau. Schoppernau hat ein abwechslungsreiches Tourengebiet. Es reicht von einfachen Wanderungen am Diedamskopf bis zu anspruchsvollen Gipfeln wie dem Zitterklapfen. Nimmt man noch die Touren rund um Schröcken dazu, wird die Auswahl noch größer und die Tourenpalette anspruchsvoller. Der Diedamskopf eignet sich perfekt für einen ersten Überblick über die Region.

Im Frühling sind die großen Gipfel im Lechquellengebirge südlich von Schoppernau noch nicht begehbar. Hingegen gibt es zwischen Diedamskopf & Üntschenspitze mit Falzer Kopf & Steinmandl zwei weitere Gipfel mit südseitigen Anstiegen, die schon früh im Jahr schneefrei sind. Auf dem Steinmandl war ich tags zuvor. Hier lag in der Mulde unter dem Gipfel noch viel Schnee, der aber immer problemlos zu queren oder umgehen war. Von Schoppernau zum Steinmandl je nach Ausgangspunkt und Route 3-3½ Std., 1030 Hm, T2.

Der Ehrlichkeit halber zum ÖV: der erste Bus ist kurz vor halb neun in Hopfreben. Im Herbst quasi optimal, im Sommer bei warmem Wetter eigentlich schon zu spät, wie ich finde. Wer von Warth anreist, kann zumindest an Schultagen schon um sieben Uhr starten.

Falls ihr von Schoppernau zur Üntschenspitze möchtet, solltet ihr mit insgesamt ca. 2½ Std. bis und ab Hopfreben und mit 150 Hm zusätzlich rechnen. Ab Schoppernau ist der Anstieg über die Pisialpe vermutlich etwas kürzer, weil direkter.

Highlight – Hochkünzelgrat & Zitterklapfengruppe von der Üntschenspitze

Erinnerungen, Erlebnisse und Geschichten

Das erste Mal war ich vor fast 30 Jahren auf der Üntschenspitze. Es war Anfang Juni 1997. Ein wunderschöner Tag mit vielen Fotos, vor allem von der Hochkünzelspitze, damals noch als Dias. Natürlich wollte ich schon längst digitale Bilder haben. Es sollte in jedem Fall wieder ein Tag wie damals im Juni werden. Damit war aber klar, dass die Überschreitung der Üntschenspitze nach Schoppernau wahrscheinlich noch nicht möglich sein würde. Auf der Nordseite unter dem Häfnerjoch lag noch alles unter einer dicken Schneeschicht begraben. Kein Wunder, schließlich war es gerade erst Anfang Mai. Am Tag vorher stieg ich von Schoppernau zum Steinmandl und konnte mich live davon überzeugen, dass in der Mulde zwischen Üntschenspitze & Güntlespitze noch zu viel Schnee liegt, wie das Beitragsbild ganz oben zeigt.

Egal, die Überschreitung hole ich mal im Herbst nach, an diesem Tag waren mir die Bilder entschieden wichtiger. Im Wetterbericht war von Sonne und vielen Schleierwolken die Rede. Und es wurde wie erhofft der perfekte Tag zum Fotografieren: Die noch schneebedeckten Gipfel im Lechquellengebirge und in den Allgäuer Alpen, dazu blauer Himmel, verziert mit vielen Schleierwolken, die manchmal fast schon etwas zu dicht waren. In diesem Beitrag gibt es daher ausschließlich Bilder von der Systemkamera. Lediglich die Aufnahme der Üntschenspitze von Au im Winter ist mit dem Smartphone aufgenommen.

Die Üntschenspitze wird oft mit der benachbarten Güntlespitze kombiniert. Sie erlaubt einen Blick ins Kleinwalsertal. Bei meiner ersten Tour habe ich auch die Güntlespitze noch besucht. Den Übergang habe ich als einfach in Erinnerung. Dieses Mal blieb ich lieber vier Stunden am Gipfel der Üntschenspitze.

Wanderung von Hopfreben auf die Üntschenspitze

Von Bad Hopfreben (Hinterhopfreben), 1007m, an der Kapelle vorbei den Wegweisern folgend hinauf zum Waldrand und in einer langen Rechtskehre auf dem breiten Forstweg bis zur Vereinigung mit dem Anstieg, der von Vorderhopfreben linkerhand dazu stößt. Hierher auch von Vorderhopfreben, ca. 15-20 Min. zusätzlich.

Mit weiteren fünf Kehren erreicht der Fahrweg das schön gelegene Üntschenbergvorsäß, 1249 m, mit Aussicht zur Hochkünzelspitze. Weiterhin auf dem Forstweg geht’s problemlos zur Vorderüntschenalpe, 1759 m. Nun liegt bereits der größte Teil des Anstiegs hinter uns.

Grasig – Üntschenspitze vom Anstiegsweg

Direkt bei den Alphütten beginnt ein schöner Wanderweg. Er führt zunächst eher gemütlich über Alpweiden, auf denen im Frühling ein Meer von Krokussen blüht, später dann aber immer steiler hinauf ins Häfnerjoch, 1979 m. Der Wegweiser steht nicht genau am tiefsten Sattel und der Übergang via Pisialpe nach Schoppernau befindet sich noch etwas weiter östlich. Vom Häfnerjoch zeigt sich der Grat zur Üntschenspitze sehr schön. Der Gipfel selbst ist nicht sichtbar.

Auf dem Bild geht der Blick vom Häfnerjoch zum Grat, der zur Üntschenspitze verläuft. Er ist zum Teil noch schneebedeckt, ebenso wie in der rechten Flanke (Nordseite) noch Schneefelder liegen. Der Gipfel selbst ist nicht zu sehen. Der Himmel ist blau, aber es hat sehr dichte Schleierwolken.
Schlussetappe – Grat zur Üntschenspitze vom Häfnerjoch

Vom Häfnerjoch links haltend zunächst auf dem bereiten Grat bis zu einer felsigeren Passage. Hier bleibt der Weg nicht am Grat, sondern wendet sich nach links in die steile Südflanke, um einen kleinen Schrofenkopf zu umgehen. Diese Passage ist ein wenig ausgesetzt und verlangt zumindest Trittsicherheit. Sehr merkwürdig, dass auf der OSM-Karte bei Bergfex ausgerechnet diese Passage mit T2 bewertet wird, der Anstieg ansonsten mit T3. Tatsächlich wäre dieser Abschnitt der einzige, der vielleicht ein T3 rechtfertigen würde. Man könnte übrigens auch direkt am Grat bleiben, was allerdings noch etwas ausgesetzter ist.

Nun folgt der wunderschöne Gang knapp unterhalb der Grathöhe geradewegs auf den Gipfel zu. Dabei weitet sich die Rundsicht immer mehr. Am Gipfelaufbau wird es kurzzeitig nochmals etwas steiler, bevor ihr dann über den breiten Grat das Gipfelkreuz auf der Üntschenspitze, 2135 m, erreicht.

Oben – Gipfelkreuz auf der Üntschenspitze mit Zitterklapfen

Rundsicht von der Üntschenspitze

Die Üntschenspitze dürfte zu den schönsten Aussichtsbergen im Bregenzerwald zählen. Eindrucksvoll sind die Bergpersönlichkeiten im Lechquellengebirge zwischen Mohnenfluh & Zitterklapfen, mit der Hochkünzelspitze als Highlight. Vom Rätikon zeigt sich zwischen Schöneberg & Zitterklapfen lediglich der Panüeler Kopf gemeinsam mit dem Ringelspitz. Ein Bild dazu findet ihr weiter oben.

Schneebedeckt – Lechtaler Alpen, Verwall und Lechquellengebirge von der Üntschenspitze

Selbst die Spitzen der Wildgruppe, mit den höchsten Gipfeln des Gebirges, sind im Hintergrund noch sichtbar. Weiter östlich dann viele Gipfel der Lechtaler Alpen (Trittkopf, Valluga, Rüfispitze, Holzgauer Wetterspitze). Am Horizont schauen bedeutende Gipfel im Verwall hervor (Kaltenberg & Pflunspitzen, Saumspitze & Seeköpfe, Hoher Riffler).

Eindrucksvoll – Allgäuer Alpen & Lechtaler Alpen von der Üntschenspitze

Natürlich spielen auch die Gipfel der Allgäuer Alpen (mächtig der nahe Widderstein, Geißhorn, Biberkopf, Hochvogel) von hier oben eine wichtige Rolle. Die vielen Gipfel und Zacken lassen sich kaum zählen. Richtung Norden wird es dann etwas übersichtlicher: Hoher Ifen, Hochgrat und Diedamskopf lassen sich leicht identifizieren. Über die grünen Gipfel des Bregenzerwaldes reicht die Sicht im Nordwesten bis zum Bodensee.

Auf dem Bild geht der Blick Richtung Westen auf die vielgestaltige Bergwelt zwischen Zitterklapfen und Säntis. Die bedeutendsten Gipfel sind auf dem Bild beschriftet. Rechts unten sieht man den Talboden zwischen Au und Schoppernau. Der Himmel ist blau, es hat zum Teil dichte Schleierwolken.
Fernsicht – Bergwelt zwischen Zitterklapfen & Säntis von der Üntschenspitze

Richtung Westen geht der Blick über das Bregenzerwaldgebirge, mit Kanisfluh, Dornbirner First (Mörzelspitze), Klippern, Damülser Berge (Mittagspitze) und vielen anderen Gipfeln. Dahinter am Horizont der Säntis im Alpstein, Churfirsten und Glärnisch (genau hinter dem Annalper Stecken). Fast wie aus einem Flugzeug mutet der Tiefblick auf den Talboden zwischen Au & Schoppernau an.

Ausgangs- und Endpunkt
Hinterhopfreben, Straße von Schoppernau (oder von Warth), kaum Parkplätze. Bushaltestelle, Bus ab Schoppernau/Warth (852).

Zeiten & Höhenmeter
Hopfreben – Vorderüntschenalpe 2 Std.
Vorderüntschenalpe – Üntschenspitze 1 Std.
Üntschenspitze – Vorderüntschenalpe ¾ Std.
Vorderüntschenalpe – Hopfreben 1¼ Std.
1130 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
T2+, etwas Trittsicherheit in einer kurzen Passage
Mai – November, wenn schneefrei

Kümmerly+Frey: 01 Bregenzerwald, 1:35 000, reißfest, inkl. Download Karte für Smartphone.

Mayr, Herbert: Bregenzerwald, Hittisau – Bezau – Au – Damüls, Bergverlag Rother, München, 12. Auflage 2023. Mit vielen schönen Touren zwischen Hochhäderich & Hochtannberg.

Mayerhofer, Rudolf: Die schönsten Bergwanderungen in Vorarlberg, Löwenzahn, Innsbruck, 10. Auflage 2020. Mit Ausschnitten der ÖK (Österreichische Karte). Eine wahre Fundgrube!

Unterwegs keine Möglichkeit.

ÖV

Haltestelle Hinterhopfreben, Bus ab Schoppernau/Warth (852).

Fahrplan Vorarlberg
Fahrplanbuch Vorarlberg zum Download

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