Einfache Wanderung in der Bernina von der Diavolezza zum Munt Pers
Die Berninagruppe in der Grenzregion zwischen Graubünden und dem Veltlin, kurz Bernina, ist die höchste Berggruppe der Ostalpen. Walther Flaig bezeichnete die Bernina einst als »Festsaal der Alpen«. Mit dem Piz Bernina steht hier der einzige 4000er der Ostalpen und auch der zweithöchste Gipfel, der Piz Zupò verpasst die magische Zahl um gerade mal fünf Meter. Piz Roseg, Piz Scerscen, Piz Argient und Bellavista knacken ebenfalls die 3900-Meter-Marke. Der Piz Palü kommt hingegen aufgrund der Abschmelzung seiner Schneekappe »nur« noch auf 3899 m. Nimmt man noch die 3870 m hohe Crast‘ Agüzza dazu, stehen neun der zehn höchsten Gipfel der Ostalpen in der Bernina! In den Ostalpen ist der Ortler mit 3905 m der einzige Gipfel über 3900 m, außerhalb der Bernina. Zum Vergleich: Der Großglockner 3798 m ist hoch, die Wildspitze 3768 m.

Die oben genannten Gipfel der Bernina sind allesamt anspruchsvolle Hochtouren und kommen für Bergwanderinnen & Bergwanderer nicht infrage. Oder nur mit Bergführer. Das gilt auch für den Piz Palü.
Hingegen gibt es in den Nordkämmen der Bernina, die vom Hauptkamm in Richtung Engadin ziehen, mehrere leichte 3000er. Der bekannteste ist der Munt Pers. Er ist von der Bergstation Diavolezza auf einem markierten Bergweg einfach erreichbar. Das Panorama vom Munt Pers über die Gletscherwelt der zentralen Bernina zwischen Piz Morteratsch & Piz Cambrena ist außergewöhnlich schön!
Munt Pers – Normalweg & Senda dal Diavel
Ruhig geht es am Munt Pers sicher nicht zu – dazu ist die Station der Diavolezza dann doch zu nahe. Es sei denn, man kommt am frühen Morgen oder erst am späten Nachmittag oder Abend. Dann ist man vielleicht sogar allein und kann in aller Ruhe die hochalpine Szenerie über den Gletschern der Bernina genießen.
Falls ihr die Mindestanforderungen an die Ausrüstung erfüllt, könnt auf diesem Gipfel hochalpines Flair erleben. Im Blockgelände bedeutet das Bergschuhe und keine Turnschuhe! Auf folgendem Bild kann man den Anstieg von der Diavolezza in etwa nachvollziehen.

Der Munt Pers bietet sich auch als Akklimatisationstour für Hochtouren in der Bernina an. Hier oben lässt es sich wunderbar von höheren Zielen träumen. Selbstverständlich kann man auch mit der Bahn zur Diavolezza fahren, aber es lohnt sich, den Weg zumindest in einer Richtung gemacht zu haben, denn auch er bietet einige landschaftlich sehr schöne Abschnitte. Ohne die Seilbahn zur Diavolezza wäre der Munt Pers (der verlorene Berg) vermutlich ein eher einsamer Berg.
Der Anstieg ist durchgehend als Bergweg markiert. Er ist auch für Kinder geeignet, sofern sie trittsicher und einigermaßen berggewohnt sind. Die Webcam auf der Diavolezza zeigt euch die aktuellen Verhältnisse.
Vor einiger Zeit wurde auch der Anstieg über den Nordostgrat zum Munt Pers, die Senda dal Diavel, blau-weiß markiert. Diese Route kenne ich nicht. Geht man von verschiedenen Schilderungen im Internet aus, dürfte die Tour trotz Markierungen mit T5 zu bewerten sein, denn es hat Passagen im II. Grad – also deutlich jenseits davon, was man noch als Bergwanderung bezeichnen darf. Von mehreren Tourengängern wird ein Kletterhelm empfohlen. Mehr unter Senda dal Diavel bei hikr.org.

Piz Palü – Das Silberschloss
Formvollendet steht er da mit seinen drei Pfeilern. Der Piz Palü ist eine Berggestalt, die es in dieser Form wohl nirgends mehr gibt. Die Engadiner nennen ihn zu Recht »Silberschloss«. Leider ist auch am Piz Palü die Klimaerwärmung nicht spurlos vorüber gegangen und die einst makellose Nordseite mit den drei Pfeilern apert immer mehr aus. Er ist der einfachste und vermutlich auch der meist bestiegene Hochgipfel der Bernina, sofern man am Normalanstieg von Osten auf- und absteigt.
Da hier so viele Tourengänger unterwegs sind und weil man mit der Seilbahn quasi bis zum Einstieg hinauffahren kann, wird die Tour gerne unterschätzt. Es ist aber quasi eine »andere Welt«, die mit Bergwandern nichts mehr zu tun hat. Auch wenn Hochalpinisten die Normalroute zum Piz Palü gerne als »einfach« einstufen, ist er definitiv kein leichter 3000er!

Trotz Spur und der Tatsache, dass der Berg viel bestiegen wird, muss ganz deutlich gesagt werden: Beim Piz Palü handelt es sich um eine hochalpine Tour, die neben der entsprechenden Ausrüstung (Seil, Pickel, Steigeisen) und dem Wissen, wie man die Ausrüstung einsetzt, auch Erfahrung verlangt. Wenig sinnvoll ist es, morgens mit der ersten Bahn zur Diavolezza zu fahren und erst dann mit dem Aufstieg zu beginnen. Abgesehen davon, dass der Firn spätestens um die Mittagszeit weich und das Steigen mühsamer wird, erhöht sich auch die Gefahr eines Spaltensturzes ganz erheblich!
Eine Übernachtung in der Diavolezza und ein früher Start am nächsten Morgen sind in jedem Fall vorzuziehen. So kann man abends noch dem Munt Pers einen Besuch abstatten und die Route studieren. Wer nicht über die nötige Erfahrung verfügt, sollte sich in jedem Fall einem Bergführer anvertrauen. Die Bergsteigerschule Pontresina hat den Piz Palü im Sommer jede Woche im Programm. Am Seil eines Bergführers kann ich euch das aus eigener Erfahrung nur empfehlen. Die Tour zum Piz Palü ist fantastisch, wie folgendes Bild zeigt.

Wanderung zur Diavolezza
Von Bernina Diavolezza, 2094 m, führt der ausgeschilderte Wanderweg zunächst in südlicher Richtung mehr oder weniger parallel zur Seilbahn. Um einer Felsbarriere auszuweichen, quert er weiter oben nach links zum Lej da Diavolezza, 2572 m. Hier wählt ihr die linke Variante. Ihr gelangt auf eine Gratschulter, den untersten Ausläufer des Saas Queder. Von hier führt der Steig zunächst direkt über dessen Gratrücken, um dann nach rechts in die Flanke zu queren. Ein kurzes Stück wieder in flacherem Gelände nach links, bevor eine weitere Rechtsquerung über ein Schneefeld in den Sattel, 3002 m, unterhalb des Saas Queder leitet. Auch dieser vergleichsweise kleine Gipfel zählt zu den leichten 3000ern und ist von hier aus rasch erreichbar. Vom Sattel kurz hinüber zur Bergstation Diavolezza, 2972 m.

Wanderung von der Diavolezza zum Munt Pers
Der Anstieg von der Diavolezza zum Munt Pers ist gut einzusehen. Der abschnittsweise mit Platten ausgelegte Weg führt an der Westseite des Kammes entlang und steigt dabei zunächst kaum an. Am Fuß des Munt Pers beginnt er in westlicher Richtung die gesamte Südflanke zu queren. Dabei durchschreitet man ein Blockfeld mit deutlich gröberen Blöcken. Hier ist doch eine gewisse Trittsicherheit erforderlich. Zum Schluss führt der Steig in Kehren über den Südhang zum Gipfel des Munt Pers, 3207 m, mit seinen vielen und großen Steinmännern.
Rundsicht vom Munt Pers
Absolutes Highlight der Rundsicht vom Munt Pers, ist zweifellos die hochalpine Kulisse der Bernina, mit steilen Eis- und Felswänden und noch immer mächtigen Gletschern. Erster großer Gipfel in der Runde ist im Südosten der Piz Cambrena. Weiter rechts folgt der Piz Palü mit seinen drei Pfeilern. Es geht weiter über die mehrgipflige Bellavista zum Piz Argient und zur Spitze der Crast‘ Agüzza, die vom übermächtigen Nachbarn fast erdrückt wird: Der gewaltige Piz Bernina ist um einiges höher. Nach rechts sinkt der berühmte Biancograt in die Fourcla Prievlusa ab. Von dort steigt der Grat über den Piz Prievlus zum letzten großen Gipfel an, dem Piz Morteratsch. Was für eine Szenerie!

Da rückt alles andere in den Hintergrund. Dabei gibt es noch weitere interessante Berge zu entdecken, die aber vergleichsweise weit entfernt und damit weniger eindrucksvoll sind. Im Nordosten geht der Blick über die Bergwelt in Mittelbünden, mit den Albula-Alpen (Piz Calderas, Piz Ela, Piz Ot, Piz Kesch, Schwarzhorn) und den Plessur-Alpen (Aroser Rothorn) am Horizont. Nördlich der Val Bernina schaut das Horn des Piz Languard hervor. Nicht zu vergessen die Tiefblicke auf die Seen am Berninapass. Sogar ein kleines Stück Oberengadin bei Samedan ist zu sehen.

Im Abstieg könntet ihr alternativ ab P. 2611 m, oberhalb des Lej da Diavolezza, auch Richtung Berninapass wandern und von dort mit den Zügen der Rhätischen Bahn zur Talstation zurückkehren.
Tourencharakter
Leichte Bergtour in hochalpiner Umgebung, ohne Kletterei und nirgends ausgesetzt. Allerdings ist im blockigen Gelände ein Mindestmaß an Trittsicherheit erforderlich.
Ausgangs- und Endpunkt
Station Bernina Diavolezza an der Bahnlinie von Pontresina nach Poschiavo (950). Gut ausgebaute Straße von Pontresina oder von Poschiavo über den Berninapass, Parkplätze bei der Talstation der Seilbahn zur Diavolezza.
Zeiten & Höhenmeter Station Bernina Diavolezza – Bergstation Diavolezza 2½ Std.
Bergstation Diavolezza – Munt Pers 1 Std.
Munt Pers – Bergstation Diavolezza 45 Min.
Bergstation Diavolezza – Station Bernina Diavolezza 1¾ Std.
1120 Hm, 240 Hm ab Diavolezza
Anforderungen & Jahreszeit T2+, Trittsicherheit im Blockgelände
Juli bis September
Swisstopo 25, 2521 St. Moritz – Bernina (perfektes Blatt, ohne Hervorhebung der Wanderwege, aber sehr genau und wunderschön).
Swisstopo 50, 469 T Val Poschiavo (wasserfest, mit Wanderwegen der Schweizer Wanderwege).
Swisstopo-App für Smartphone und Tablet.
Infos und Blattschnitte bei Swisstopo.
Deuble, Peter: Engadin und Mittelbünden, Bruckmann, München, 2008. Vergriffen, nur noch antiquarisch erhältlich.
Deuble, Peter: Leichte 3000er in der Schweiz, Bruckmann, München, 2011. Vergriffen, als E-Book noch erhältlich.
Weiss, Christian: Oberengadin, St. Moritz – Zuoz – Pontresina, Bergverlag Rother, München, 10. Auflage 2022.
Station Bernina Diavolezza bei der Talstation der Seilbahn zur Diavolezza an der Bahnlinie von Pontresina nach Poschiavo (950).
Die Schweiz hat das beste System des öffentlichen Verkehrs – zumindest im Alpenraum. Ich habe selbst ein Halbtax-Abo (»Schweizer Bahncard«). Das Halbtax ist nicht nur in den Zügen, sondern auch in Bussen und vielen Bergbahnen gültig. Die Bahntickets sind nicht gerade preiswert, Parkplätze und Parkhäuser aber auch nicht.
Infos zu Preisen und Verbindungen:
graubünden invia (Verkehrsverbund)
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