Laaser Spitze – Bergtour von Stallwies im Martelltal

Mystisch – Laaser Spitze von der Schluderspitze

Wanderung auf einen leichten 3000er zwischen Martelltal & Vinschgau

Das Martelltal in den Ortler-Alpen ist eines der längsten Seitentäler des Vinschgaus. Es verläuft von den großen Gletschern unter der Zufallspitze in nordnordöstlicher Richtung und mündet bei Morter in den Vinschgau. Das Martelltal ist besonders als das höchste Anbaugebiet für Erdbeeren in Europa bekannt. Mehr Infos bei der Bürgergenossenschaft Martell.

Nicht nur für Obstfreunde, auch für ambitionierte Bergwanderinnen & Bergwanderer ist das Martelltal ein Paradies. Wer hier auf einen Gipfel steigen möchte, hat kaum eine andere Möglichkeit, als einen 3000er zu machen. Bis auf wenige Ausnahmen überschreiten fast alle Berge im Martelltal die »magische Grenze«. Im Gegensatz zu anderen Regionen, gibt es hier nicht nur anspruchsvolle 3000er, sondern mindestens ein Dutzend leichte 3000er.

Auf der Westseite des Martelltals, im Laas-Marteller-Kamm, reihen sich die leichten 3000er wie auf einer Perlenkette aneinander: Laaser Spitze (Orgelspitze) – Schluderspitze – Lyfispitze – Äußere Pederspitze – Mittlere Pederspitze – Kalvenwand – Plattenspitze – Hintere Schöntaufspitze – Madritschspitze.

Für Einsteiger & Anfänger ist die Kalvenwand der einzige 3000er im Laas-Marteller-Kamm, bei dem die konditionellen Anforderungen noch als moderat zu bezeichnen sind. Bei allen anderen Gipfeln sind mindestens 1200 Hm zu überwinden, meistens noch einiges mehr.

Herbstlich – Laaser Spitze, rechts vom Vinschger Höhenweg bei Tanas

Laaser Spitze – Orgelspitze

Der vielleicht attraktivste Gipfel im Laas-Marteller-Kamm ist die Laaser Spitze. Der 3305 m hohe Berg steht sehr exponiert fast direkt über dem Vinschgau und fällt daher besonders ins Auge. Die Laaser Spitze ist von fast allen Orten zwischen Burgeis/Mals im Vinschgauer Oberland und Naturns zu sehen. Am Vinschger Höhenweg begleitet sie Wanderinnen & Wanderer zeitweise bereits auf der zweiten Etappe von Planeil nach Matsch. Auf den Etappen 4-6 ist sie fast ständig präsent. Sehr schön sieht man sie auf dem Anstieg von St. Martin im Kofel zur Vermoispitze. Die Webcam in St. Martin im Kofel zeigt euch die eindrucksvolle Nordseite der Laaser Spitze.

Vom oberen und mittleren Vinschgau aus gesehen, bildet die Laaser Spitze ein großes Trapez mit zwei Gipfelpunkten. Der rechte Erhebung bildet eine Art Vorgipfel im Südwestgrat und ist mit 3282 m nur gerade mal gut 20 m niedriger. Von hier bricht der Grat sehr steil zur Schluderscharte, 2987 m, ab. Auf dem folgenden Bild verdeckt der Vorgipfel die Sicht auf den Laaser Ferner ein wenig. Dieses Bild war für mich das Highlight der außergewöhnlichen Rundsicht. Ähnlich wie auf der Plattenspitze oder den beiden Pederspitzen, hätte ich den Gletscher und seine Umrahmung stundenlang schauen können. Zwar ist man auf den Pederspitzen deutlich näher dran, aber auch von der Laaser Spitze bleibt dieser Blick für mich unvergesslich. Deshalb habe ich das Bild nicht beschriftet.

Unvergesslich – Bergwelt um den Laaser Ferner von der Laaser Spitze

Die Laaser Spitze ist auch unter dem Namen Orgelspitze, der sich von sagenhaften Spukgestalten (»Orken«) ableitet, bekannt. Im Martelltal ist dieser Name auch heute noch üblich. So bspw. auf der Homepage von Stallwies oder auf der Webcam am Ebenen Jöchl. Sie zeigt die aktuellen Verhältnisse in der Südflanke, durch die der Anstieg führt. Der Anstieg zur Laaser Spitze überschreitet bei aperen Verhältnissen nirgends den Schwierigkeitsgrad T3 der SAC-Wanderskala. Am Gipfelaufbau ist Trittsicherheit erforderlich.

Sammler von leichten 3000ern

Es war der erste Urlaubstag im Martelltal und mein Ziel war die Schluderspitze, ein anderer leichter 3000er im Laas-Marteller-Kamm. Zur gleichen Zeit wie ich brachen zwei Bergwanderer aus dem Elsass auf. Ich war einigermaßen erstaunt, denn die Schluderspitze zählt nun nicht zu den populären Gipfeln. Der Anstieg ist zwar nicht schwierig, aber doch mühsamer als zur Laaser Spitze. Das gilt besonders für den letzten Blockhang zum Gipfel – hier hat es nur noch vereinzelte Wegspuren und Markierungen. Zudem sind 1480 Hm zu bewältigen. Also definitiv kein »Modegipfel«.

Unterwegs überholten wir uns immer wieder gegenseitig. Am Gipfel kamen wir ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass die beiden im Urlaub ausschließlich 3000er im Sinn hatten. Niedrigere Gipfel kommen für sie nur als Einlauftour oder bei zweifelhaftem Wetter in Frage.

Seit vielen Jahren fahren die beiden für 10 Tage in eine Region, um dort die leichten 3000er »abzugrasen«. Sie haben in Österreich begonnen und sich langsam aber sicher Richtung Westen vorgearbeitet. Mittlerweile sind sie in ihrer französischen Heimat angekommen.

Gipfeltrio – Zwei Elässer & der Autor auf der Laaser Spitze – © Thomas Weissgerber

Als wir abends wieder den Parkplatz erreichten, verabredeten wir uns für eine gemeinsame Tour zur Laaser Spitze. In dieser Woche begegnete ich den beiden noch zweimal. An einem Tag hatten wir sogar denselben Berg zum Ziel. Auf ihrer Rückfahrt nach Hause machten sie noch einen Mini-Abstecher und kamen auf einen Kaffee vorbei. Seither stehen wir in regelmäßigem Kontakt via E-Mail und ich hoffe, dass wir eines Tages mal wieder eine gemeinsame Tour machen können. Auf einen 3000er, logisch. Dieser Beitrag ist Daniel & Thomas gewidmet.

Wanderung von Stallwies zur Laaser Spitze

Bereits am Ausgangspunkt genießt man eine schöne Rundsicht über die Bergwelt des Martelltals. Am Ende der Straße (Parkplatz, Bushaltestelle) vor dem Stallwieshof, 1931 m, führt die Wegmarkierung Nummer 5 zunächst über einen Fahrweg am Waldrand entlang. In einer Rechtskurve zweigt der Wanderweg links ab und führt in einen lichten Lärchenwald. Eine echte Südtiroler Bilderbuchlandschaft mit den typischen Weidezäunen. Im Oktober dürfte es hier besonders schön sein, wenn sich die Lärchen verfärbt haben und golden, gelb und orange leuchten.

Bilderbuchlandschaft – Lichter Lärchenwald über dem Martelltal

An den nächsten beiden Verzweigung haltet ihr euch beide Mal links. Dazwischen passiert ihr die Alte Stall Quelle. Der Wald bleibt nun zurück und der Steig führt in das Tal der Hinteren Wurmgrube. Das Gelände wird nun steiler, Orientierungsschwierigkeiten gibt es hier keine.

In der Nähe von P. 2929 m, legt sich das Gelände zurück und ihr betretet die Hochfläche unter der Laaser Spitze. Hier ist es zunächst wieder deutlich flacher. Der Steig ist in diesem Bereich nicht so gut ausgeprägt wie weiter unten. Die Laaser Spitze ist im Vorfeld zu sehen. Von links stößt die Wegnummer 5A (Abstiegsvariante) hinzu. Nun geht es mehr oder weniger direkt in der Gipfelfalllinie empor.

Mondlandschaft – Blockfelder unter der Laaser Spitze

Wir wandern durch eine Art Mondlandschaft. Touren in diesem Gelände sind einerseits mitunter etwas mühsam, aber gleichzeitig unendlich faszinierend. Genau das macht Bergtouren auf 3000er so besonders! Hier ist eben alles ein wenig anders als auf Wanderungen in den Voralpen.

Der steinige Schlussabschnitt zum Gipfel ist auch auf dem Beitragsbild gut einzusehen. Hier muss man nicht zwingend den Markierungen folgen, sondern kann sich seinen eigen Weg suchen. Zuletzt einfacher als erwartet durch den plattigen Hang zum Gipfel der Laaser Spitze, 3305 m, mit großem Gipfelkreuz und mehreren mächtigen Steinmännern.

Blockgelände – Gipfelaufschwung an der Laaser Spitze

Rundsicht von der Laaser Spitze

Die Rundsicht von der Laaser Spitze zählt zu den schönsten in ganz Südtirol. Da lege ich mich fest. Die Fernsicht ist phänomenal, die Tiefblicke sind eindrucksvoll.

Man überblickt fast den gesamten Vinschgau, der 2500 Hm tiefer liegt und der nur abschnittsweise durch vorgelagerte Gipfel verdeckt wird. Erst hinter Mals und Burgeis entschwindet er den Blicken Richtung Reschenpass. Sehr schön sind die Strukturen der Landschaft am Vinschger Sonnenberg zu sehen. Im Vordergrund geht der Blick zur Jennwand, die zum Teil aus hellen Marmorgesteinen aufgebaut ist. Auf der anderen Seite des Berges wird der weltbekannte Laaser Marmor abgebaut. Er gilt als der reinste Marmor in Europa!

Fernsicht – Ötztaler Alpen, Texelgruppe und Vinschgau von der Laaser Spitze

Darüber reihen sich unzählige Gipfel der Ötztaler Alpen, mit Weißkugel, Wildspitze, Similaun und der Texelgruppe. Rechts dahinter erkennt man am Horizont die Zillertaler Alpen mit dem Hochfeiler.

Traumtag – Hasenöhrl, Zuftittspitze und Eggenspitzen von der Laaser Spitze

Vom Martelltal sind die untersten Siedlungen bis Ennewasser zu sehen, ansonsten ist der Talboden nur zu erahnen. Darüber erhebt sich der Zufrittkamm, vom Hasenöhrl über die Zufrittspitze zu den Eggenspitzen. Genau im Süden die Gletscherwelt der Venziaspitzen. Weiter rechts beherrschen die Gletscher der südlichen Ortler-Alpen zwischen Monte Vioz und Monte Cevedale die Szenerie.

Panorama – Ortlergruppe von der Laaser Spitze

Highlight der Rundsicht ist der Blick auf den Laaser Ferner und seine Umrahmung. Das Suldener Dreigestirn (Ortler, Monte Zebrù, Königspitze) schaut am Horizont gerade noch herüber.

Tourencharakter
Sehr attraktive und lohnende Bergwanderung auf einen der schönsten Aussichtsgipfel in Südtirol. Die Tour verlangt eine gute Kondition und im Schlussabschnitt Trittsicherheit im blockigen Gelände.

Ausgangs- und Endpunkt
Stallwies, Berggasthof, zum Teile schmale Bergstraße ab Martell, Parkplatz, Bus (258) ab Martell.

Zeiten & Höhenmeter
Stallwies – Laaser Spitze 4 Std.
Laaser Spitze – Stallwies 3 Std.
1380 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
T3, Trittsicherheit am Gipfelaufbau
Juli bis Oktober

Tabacco: 045 Latsch – Martell – Schlanders, 1:25 000. Beste Karte, enthält mehr kotierte Punkte als die Kompass-Karte. Die Karten sind mittlerweile wetter- und reißfest.

Kompass: 069 Schlanders und Umgebung, 1:25 000. Ebenfalls gut geeignet, aber eine Nuance schwächer als Tabacco. Wetter- und reißfest.

Rochlitz, Karl-Heinz: Südtirol für Bergwanderer Band 1 Vinschgau, Athesia-Tappeiner, Bozen, 3. Auflage 2000. Zuletzt unter dem Titel Bergwandern in Südtirol erschienen. Zwar nicht mehr überall aktuell, aber bis heute der beste Gebietswanderführer über den Vinschgau und seine Seitentäler. Mit ausführlichen Wegbeschreibungen und einer exzellenten Bebilderung. Unübertroffen! Leider kaum mehr erhältlich.

Unterwegs keine Möglichkeit.

Berggasthof Stallwies

ÖV

Stallwies wird im Sommer mit dem Bus 258 vier Mal täglich von Martell angefahren. Leider ist der Fahrplan nicht bei Südtirolmobil veröffentlicht. Man findet den Bus nur über die Verbindungssuche.

Fahrpläne in Südtirol

Verbindungen in Südtirol

Der Beitrag hat dir gefallen? Du hast Fragen? Du möchtest Feedback geben? Schreib mir gerne an peter@montolando.com. Ich freue mich über deine Nachricht.