Endkopf – Wanderung von Graun am Reschensee

Auf dem Bild geht der Blick vom Grauner Berg Richtung Süden, zum Endkopf, der von hier mit seiner Form an einen Tafelberg erinnert. Die in der Gipfelregion flache Kuppe bricht nach vorne und rechts mit steilen Felswänden ab, unter denen sich große Schutthalden ausbreiten. Rechts vom Gipfel sieht man am Horizont Ortler und Königspitze, links wird der Endkopf vom Habicher Kopf überragt. Der Himmel ist blau, es hat Schleierwolken. Ein wunderschöner Tag im Herbst.
Tafelberg – Endkopf vom Grauner Berg, rechts der Ortler

Wanderung auf den Tafelberg im Vinschgau

Erreicht man über den Reschenpass von Norden das Dorf Reschen, fällt im Hintergrund ein Berg besonders auf: Der Endkopf gleicht von hier einem Tafelberg par excellence. Eine flache und breite Kuppe, die mit steilen Felswänden zum Reschensee abbricht. Aber auch von Norden (Beitragsbild) offenbart sich der tafelartige Charakter des Berges.

Nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Form fällt der Endkopf auf, auch geologisch unterscheidet sich der Berg sehr deutlich von den umliegenden Bergen im Vinschgauer Oberland. Während die meisten Gipfel in der Region aus kristallinen Gesteinen wie Gneisen aufgebaut sind, besteht der Endkopf ebenso wie sein kleinerer Nachbar, das Pleisköpfl, aus Kalkgestein. Fast könnte man meinen, der Endkopf habe sich aus den Nördlichen Kalkalpen hierher verlaufen.

Auf dem Bild geht der Blick hinauf zum Endkopf, der auf dieser Seite mit einer steilen Felswand aus Kalk abbricht. Darunter breiten sich Schutthalden und Latschenhänge aus. Der Himmel ist blau und wolkenlos.
Kalk – Endkopf von Westen

Neben dem üblichen Namen Endkopf, findet sich auf den Karten mit »Jaggl« eine zweite Bezeichnung. Der Name könnte auf eine Person namens Jakob hindeuten, die hier oben Alprechte hatte. Bei Wikipedia findet sich gleichzeitig der Hinweis, dass die Beweidung der Bergwiesen auf dem Gipfelplateau Ende Juli rund um den Jakobstag (Jakobi, 25. Juli) einsetzte. Der Name Endkopf bedarf hingegen als Abschluss einer Bergkette keiner weiteren Erläuterung.

Der Endkopf lässt sich von Graun am Reschensee wunderbar und ohne großen Aufwand überschreiten. Graun liegt auch am Vinschger Höhenweg, auf der ersten Etappe zwischen Reschen und Planeil.

Von Graun zweigt in nordöstlicher Richtung das Langtauferer Tal, eines der längsten Seitentäler im Vinschgauer Oberland ab. Es ist ein noch ursprüngliches Tal mit vielen Tourenmöglichkeiten: Einfache Wanderungen wie von Melag zur Weißkugelhütte, eine stattliche Anzahl einfacher Gipfeltouren, ein halbes Dutzend leichte 3000er und Hochtouren rund um die Weißkugel, den zweithöchsten Gipfel der Ötztaler Alpen. Die Höhenunterschiede sind jedoch nicht zu vernachlässigen – sie liegen meist (deutlich) über 1000 Hm. Vielfach sind es deshalb unbekannte & stille, ja sogar einsame Touren auf diese Berge.

Unbekannt – Bergwelt über der Grauner Alm vom Endkopf

Der Kirchturm von Graun im Reschensee

Graun am Reschensee, wurde vor allem durch den im Wasser stehenden Kirchturm von Alt-Graun weltbekannt. Für viele vermutlich nicht mehr als ein schönes Fotosujet, verbirgt hinter diesem Bild ein menschliches Drama. Die Rede ist von der Aufstauung des Reschensees und der damit verbundenen Überflutung der Dörfer Graun und Reschen. 1950 wurden dafür 163 Häuser (manche Quellen sprechen sogar von 177) gesprengt und das Gebiet des heutigen Stausees geflutet. Dabei wurde der alte Reschensee mit dem Grauner See vereinigt. Neben Graun sowie Teilen von Reschen verschwanden die Weiler Arlund, Piz, Gorf und Stockerhöfe im Stausee. Die Bewohner wurden zuvor zwangsenteignet und zur Aus- oder Umsiedlung gezwungen.

Auf dem Bild geht der Blick vom Endkopf hinab auf den Reschensee. Im See ist der im Wasser stehende Kirchturm von Graun erkennbar. Man sieht auch die Orte Graun rechts und Reschen im Hintergrund.
Tiefblick – Reschensee & Turm von Graun vom Endkopf

Was allerdings kaum bekannt wurde, ist die Tatsache, dass vor allem Schweizer Stromgesellschaften dafür sorgten, dass das Projekt Wirklichkeit wurde. Der Schweizer Journalist Jürg Frischknecht schrieb im Juni 2010 einen Artikel über die Aufstauung des Reschensees, in dem er die wahren Hintergründe darlegte: Im Jahr 1946 hatte die Schweizer Regierung ein ähnliches Projekt im Rheinwald, der obersten Talstufe des Hinterrheins auf der Nordseite von Splügenpass und San Bernardino, ad acta gelegt.

Nun suchten die Schweizer Stromkonzerne ein alternatives Projekt und fanden es im Vinschgau. Der für das Stauseeprojekt am Reschen verantwortliche italienische Staatskonzern Montecatini kam aus finanziellen Gründen mit dem bereits seit längerem geplanten Projekt nicht voran.

Ab 1947 überwies ein Konsortium Schweizer Kraftwerksgesellschaften der Montecatini einen Teil des notwendigen Kapitals. Das Konsortium bestand überwiegend aus Gesellschaften, die das Stauseeprojekt im Rheinwald geplant hatten. Die Verträge zwischen dem Schweizer Konsortium und der Montecatini schrieben plangenau vor, wie und mit welcher Geschwindigkeit gebaut werden sollte. Die Schweizer waren demnach die wahren Taktgeber des Projekts und weniger der italienische Staat. Sie finanzierten das Projekt, um in den Genuss von günstigem Strom zu kommen. Mehr dazu unter www.reschensee.it.

Mittlerweile ragt der Kirchturm in vielen Jahren oftmals eher aus einer Schlammgrube heraus. In den letzten beiden Jahren 2024 und 2025 war der See jedoch meist gut mit Wasser gefüllt und es bot sich das bekannte Bild vom Kirchturm im Wasser.

Auf dem Bild geht der Blick vom Endkopf Richtung Süden. Im Vordergrund sieht man das Gipfelkreuz, dahinter in der Tiefe das Vinschgauer Oberland mit dem Haidersee. Am Horizont erheben sich die Berge der Ortlergruppe und rechts die Sesvennagruppe. Links unten sieht man in der Tiefe die Hütten der Grauner Alm. Der Himmel ist blau, über den Bergen hat es einige Quellwolken.
Sonnig – Gipfelkreuz am Endkopf mit Ortlergruppe & Sesvennagruppe

Wanderung von Graun zum Endkopf

Von der Haltestelle Abzweigung Malsau, 1601 m, kurz der Straße entlang, bis zur Brücke über den Karlinbach und der Einmündung des Fahrwegs. Hier befindet sich auch ein kleiner Parkplatz. Kurz auf dem Fahrweg, dann links ab und auf einem schönen Waldweg, Weg Nummer 10B, bis zur erneuten Einmündung in den Fahrweg. Diesem folgt die Markierung ein Stück weit bis er wieder in einen Fußweg übergeht. Der Weh quert eine steilen Aschnitt im Wald, kreuzt einen Fahrweg und trifft bei P. 1936 m, nochmals auf einen Fahrweg.

Unterwegs zweigt Weg Nummer 12 Richtung Kapron links ab. Der Anstieg ändert hier seine Richtung: Er führt nunmehr in südwestlicher Richtung in das Tal des Poschenbachs. Das Gelände wird nun etwas offener und man sieht gegenüber die nördlichen Ausläufer des Endkopfs. Am Bach entlang hinauf zu P. 2289 m. Von hier in einem weiten Bogen um den Ausläufer des Hengst und steiler in Kehren hinauf ins Schartl, 2536 m, zwischen Endkopf rechts und Angerlikopf (Hengst) links.

Wegspur – Anstieg von Norden ins Schartl

Auf gutem Weg leicht und problemlos über einen wenig steilen Hang, zuletzt ohne Weg zum Gipfelsteinmann auf dem flachen höchsten Punkt am Endkopf, 2652 m, oder diesen in der Südflanke umgehend, absteigend zum Vorsprung mit dem exponiert stehenden Gipfelkreuz, 2627 m.

Rundsicht vom Endkopf

Ein Blickfang der Rundsicht ist, klar, der Reschensee, der sich mehr als 1100 Hm unter dem Endkopf ausbreitet. Der Turm von Alt-Graun ist von hier mit bloßem Auge zu erkennen. Darüber erhebt sich die Elferspitze, der höchste Gipfel der Rojener Sonnenuhr. Dahinter erkennt man noch viele andere Berge der Sesvennagruppe zwischen Piz Lischana und dem abgelegenen Rojental. Dahinter erkennt man noch einige Gipfel der Silvretta: Piz Buin, Piz Tasna und Fluchthorn.

Auf dem Bild geht der Blick vom Endkopf über den Reschensee hinweg Richtung Nordwesten zu den Gipfeln der Sesvennagruppe, der Silvretta und der Samnaungruppe. Die bedeutendsten Gipfel sind auf dem Bild beschriftet. Es ist ein sehr klarer Tag. Der Himmel ist blau und wolkenlos.
Fernsicht – Sesvennagruppe, Silvretta und Samnaungruppe vom Endkopf

Über dem Reschenpass begrenzen die Gipfel der Samnaungruppe mit Stammerspitz, Piz Mundin und Muttler, unter dem sich der Piz Lad duckt, den Horizont. Weiter rechts erkennt man bei klarem Wetter noch den Hohen Riffler im Verwall.

Im Süden zieht das Vinschgauer Oberland Richtung Mals. Hier liegt der kleine Haidersee. Darüber bauen sich am Horizont die Gipfel der Ortlergruppe auf. Tief unter uns liegt das Vivanatal mit der Grauner Alm. Darüber erhebt sich mächtig der Habicher Kopf. Die weiter links anschließenden Gipfel zählen wie er zu den stillen Bergen. Im Hintergrund zeigen sich mit Weißkugel und Weißseespitze zwei prominente Gletscherberge der Ötztaler Alpen.

Der Blick auf die Bergwelt nördlich des Langtauferer Tals (Nauderer Berge) ist vom höchsten Punkt umfassender. Der Abstecher zum Steinmann lohnt sich auch wegen des schönen Blicks über das Gipfelkreuz hinweg auf das Vinschgauer Oberland!

Grenzkamm – Nauderer Berge vom Endkopf

Abstieg vom Endkopf über die Grauner Alm nach Graun

Vom Endkopf wieder hinab ins Schartl. Nun mit Weg Nummer 10 rechts ab, zunächst durch eine Mulde, die aber schon bald in einen steileren Hang übergeht. Der Weg führt in Kehren rasch durch diesen steilen Abschnitt. Schon bald flacht das Gelände wieder ab und man erreicht den Fahrweg und kurz darauf die Grauner Alm, 2165 m.

Weiterhin mit Nummer 10 teils auf dem Fahrweg, oft aber über schöne Alpweiden zwischen den Lärchen hinab. Besonders an herbstlichen Nachmittagen ist es ein Genuss, über die Lärchenwiesen zu wandern!

Auf dem Bild geht der Blick im Abstieg vom Endkopf nach Graun Richtung Norden. Man erkennt im Hintergrund Piz Lad, Samnaungruppe und Klopaier Spitze. Die Lärchen sind herbstlich verfärbt. Ein wunderschönes Bild. Der Himmel ist blau und wolkenlos.
Herbstlich – Abstieg vom Endkopf nach Graun

Etwa auf 1800 m zweigt der direkte und steile Weg Nummer 10 nach Graun links ab. Ich habe die Abzweigung glatt verpasst oder übersehen und bin daher weiterhin über auf dem Fahrweg (jetzt Nummer 10A) abgestiegen … Dabei passiert man einen offiziellen Parkplatz. Von hier ein kurzes Stück abwärts bis zu einer Brücke und an der Straße noch gut 10 Min. hinab nach Graun, 1501 m.

Tourencharakter
Lohnende und größtenteils einfache Tour auf einen der wunderschönen Aussichtsgipfel im Vinschgauer Oberland, die eine gute Kondition verlangt. Trittsicherheit im steilen Hang vom Schartl zur Grauner Alm erforderlich.

Ausgangs- und Endpunkt
Graun am Reschensee, gebührenpflichter Parkplatz direkt neben der Bushaltestelle. Bus Richtung Langtaufers (276), Haltestelle Abzweigung Malsau. Wer die Überschreitung machen möchte, lässt das Auto in Graun stehen.

Zeiten & Höhenmeter
Haltestelle Abzweigung Malsau – Schartl 2¾ Std.
Schartl – Endkopf 15 Min.
Endkopf – Grauner Alm 45 Min.
Grauner Alm – Graun 1½ Std.
1050 Hm
1150 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
T2+, Trittsicherheit zwischen Schartl und Grauner Alm
Juli bis Oktober

Tabacco: 043 Vinschgauer Oberland, 1:25 000. Beste Wanderkarte. Zudem enthalten die Karten von Tabacco mehr kotierte Punkte als die anderen Karten (abgesehen von Swisstopo) und sind mittlerweile wetter- und reißfest.

Kompass: 041 Obervinschgau, 1:25 000. Ebenfalls geeignet, aber eine Nuance schwächer als Tabacco.

Klier, Henriette & Hirtlreiter, Gerhard: Vinschgau, Reschenpass – Sulden – Martelltal – Schnalstal, Bergverlag Rother, München, 10. Auflage 2022.

Rochlitz, Karl-Heinz: Südtirol für Bergwanderer Band 1 Vinschgau, Athesia-Tappeiner, Bozen, 3. Auflage 2000. Zuletzt unter dem Titel Bergwandern in Südtirol erschienen. Zwar nicht mehr überall aktuell, aber bis heute der beste Gebietswanderführer über den Vinschgau mit ausführlichen Wegbeschreibungen und einer exzellenten Bebilderung. Unübertroffen! Leider kaum mehr erhältlich.

Zur Grauner Alm finden sich unterschiedliche Angaben: Manche Seiten berichten von einer bewirtschafteten Alm, andere schreiben, dass sie nicht bewirtschaftet ist. Auch die Angaben in den Wanderkarten sind unterschiedlich. Am besten ist es, vorher bei der Tourist Info in Graun nachzufragen oder noch besser seinen Proviant dabei zu haben. Bei einer Tour im Herbst (wie bei mir), wird man sowieso kaum Glück haben, eine bewirtschaftete Hütte zu finden …

ÖV

Bus von Graun am Reschensee Richtung Langtaufers (276), Haltestelle Abzweigung Malsau.

Fahrpläne in Südtirol

Verbindungen in Südtirol

Reschensee (Reschen, Graun, Langtaufers, St. Valentin)

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