Chrüz – Schneeschuhgipfel im Prättigau

Auf dem Bild sieht man eine Schneeschuhwanderin, die im Winter vom Chrüz über den Nordwestgrat abgestiegen ist und den steilsten Abschnitt schon hinter sich hat. Die breite Spur ist im Vordergrund zu sehen und im Hag über der Wanderin. Rechts über der Wanderin sieht man die ebenmäßige Pyramide des Chrüz. Links im Hintergrund sind noch die Gipfel der Madrisagruppe zu sehen. Der Himmel ist blau und es hat nur wenige Schleierwolken. Es ist ein wunderschöner Wintertag.
Gipfelüberschreitung – Abstieg vom Chrüz zum Stelserberg

Schneeschuhtour & Gipfelüberschreitung mit dem ÖV in Graubünden

Das Chrüz (Kreuz) ist ein bekannter und oft bestiegener Gipfel für Skitourengänger und Schneeschuhwanderer im Prättigau. Das Prättigau ist ein ca. 40 Km langes Tal in Graubünden, das am Silvrettagletscher beginnt und bei Landquart ins Rheintal mündet. Bekanntester Ort ist Klosters, Teil der bekannten Destination Klosters Davos.

Der Anstieg zum Chrüz ab St. Antönien über Aschüel und die Alp Valpun ist etwas weitläufig und zieht sich mehr als erwartet. Dafür gibt es bis auf wenige Ausnahmen keine steilen Passagen. Bei vernünftiger Routenwahl (vorhandene Spuren nutzen!) sind die Anstiege kaum lawinengefährdet. Der Abstieg über den Nordwestgrat ist vor allem zu Beginn ziemlich steil. Die Perspektive auf dem Bild täuscht: Der Grat ist tatsächlich steiler als es auf dem Bild den Anschein hat.

Auf dem Bild sieht man eine Schneeschuhwanderin, die vom Chrüz über den Nordwestgrat absteigt. Sie wird in wenigen Augenblicken unten sein. Die optische Perspektive auf dem Bild täuscht: Der Grat ist steiler, als er im Bild aussieht. Die rechte Seite des Grates liegt in der Sonne und man sieht oben rechts ein paar Bäume. Die linke Gratseite liegt im Schatten. Links schaut im Hintergrund noch das Rätschenhorn hervor. Der Himmel ist blau und es hat nur wenige Schleierwolken.
Fast unten – Abstieg vom Chrüz über den Nordwestgrat

Wenn ihr euch nicht absolut sicher seid oder ihr nur wenig Erfahrung im Schneeschuhwandern habt, solltet ihr vielleicht besser am Anstiegsweg zurückkehren. Außerdem solltet in keinem Fall aus dem Sattel durch die nördliche Mulde absteigen. Auch dann nicht, wenn es dort Spuren hat. Laut SAC-Skitourenführer gab es hier bereits mehrere Lawinenunfälle!

Mit dem ÖV in die Berge

Die Tour ist gleichzeitig ein perfektes Beispiel, für eine lohnende Überschreitung mit Unterstützung des ÖV. Wer das Auto in St. Antönien hat, muss passen und wieder zum Ausgangspunkt zurück. Wer mit dem ÖV unterwegs ist, kann vom Chrüz über einen aussichtsreichen Kamm zum Stelserberg absteigen. Vom Stelserberg bringt euch der Kleinbus wieder ins Tal.

Auf dem Bild geht der Blick über den Stelserberg zu den Gipfeln im Rätikon, vom Vilan links bis zum Seekopf rechts. Der höchste Gipfel in der rechten Bildhälfte ist die Schesaplana, die Königin des Rätikons. Im Vordergrund zieht der leicht bewaldete Rücken zu den Alphütten Stelserberg hinab. Rechts im Vordergrund sind viele Spuren von Skiern und Schneeschuhen zu erkennen. Der Himmel ist blau und mit dünnen Schleierwolken bedeckt. Um das Schesaplana-Massiv hat es wenige kleine Wolken.
Abstieg – Blick über den Stelserberg auf den Rätikon mit der Schesaplana, rechts

Die Anreise mit dem ÖV lohnt sich hier doppelt: An Sonntagen im Winter ist die Kantonsstraße von Klosters talabwärts bis Landquart regelmäßig eine einzige Autoschlange. Auf der A13 Richtung Zürich und St. Gallen geht es dann weiter mit Staus. Da braucht es viel Zeit und Geduld. Ganz ehrlich: Das Auto würde ich spätestens in Landquart am Bahnhof stehen lassen. Oder noch früher.

Erinnerungen, Erlebnisse und Geschichten

Das erste Mal waren wir Ende der 1980-er-Jahre in St. Antönien. Wir wollten damals unbedingt auf das Rätschenhorn, die südlichste der bekannten Rätikon-Fluhen. Für diesen Tag waren Gewitter angesagt. Es hätte kürzere Touren gegeben, bei denen wir den Gipfel sicher vor dem Gewitter erreicht hätten. Aber nein, es musste das Rätschenhorn sein. Wir waren schon am Beginn der Gafier Platten, als das Gewitter über uns hinweg zog. Das Donnern aus den umliegenden Wänden ist mir noch heute in Erinnerung. Wir schauten, dass wir schleunigst wieder hinab kamen. Das Rätschenhorn habe ich zwischenzeitlich nachgeholt, einmal im Herbst und einmal im Frühsommer.

Auf dem Bild sieht man vom Vorgipfel Chlei Chrüz Richtung Osten zum Rätschenhorn. Es zeigt aus diesem Blickwinkel seine pralle Westwand. Der Gipfel selbst ist oben flach, mit einem breiten Gipfeldach. Darunter erheben sich schneebedeckte Vorgipfel, die in steile Tobel abstürzen. Rechts sind im Hintergrund noch die Plattenhörner und der Piz Linard in der Silvretta zu sehen. Um diese Gipfel ziehen ein paar Wolken. Der Himmel ist mit dichten Schleierwolken bedeckt und wirkt daher milchig.
Breitseite – Rätschenhorn & Silvretta vom Chlei Chrüz

Knapp zehn Jahre später war ich wieder in St. Antönien. Im Spätherbst stieg ich vom Ort durch die gigantischen Lawinenverbauungen zum Chüenihorn. Ganz allein saß ich am Gipfel in der Sonne.

Das Chrüz stand schon vor über 20 Jahren auf meinem Zettel. Mein Plan war ein Anstieg ab Pany über den Alpbüel, einen kleinen Vorgipfel. Bis dorthin ging alles problemlos. Aber der Grat zum Gipfel war besonders im unteren Bereich verwechtet und das schreckte mich ab. So blieb ich am Alpbüel und stellte fest: Am 02.02.2002 stand ich auf einem Berg mit 2022 m Höhe. Okay, 2222 m wären perfekt gewesen. Aber immerhin, zwar das eigentliche Ziel nicht erreicht, dafür ein magisches Tourendatum mit magischer Gipfelhöhe. An dem Tag hatte ich vergessen, Schokolade mitzunehmen (unglaublich!). Abends am Bahnhof Landquart musste es dann ein Schokoladeneis sein. Im Februar …

Bündnerschiefer & Prättigauer Schieferberge

Das Chrüz ist zwar per se ein niedriger Berg, bildet aber mit seinen weit ausladenden Graten ein eigenes kleines Massiv. Die Schartenhöhe von fast exakt 600 Hm macht das Chrüz zu einem sehr selbständigen und gleichzeitig bedeutenden prominenten Berg. So harmlos Südwestgrat und Nordwestgrat von oben aussehen – sie stürzen mit steilen Flanken ins Schaftobel ab. Es mündet weiter unten wie einige andere kleine Tobel in das breite Buchner Tobel. Die Karte von Swisstopo zeichnet rund um das Chrüz mehrere Tobellandschaften.

Auf dem Bild geht der Blick im Winter von Furna über das Prättigau hinweg zu den Gipfeln der Silvretta rechts und des Rätikons links. Besonders markant zeigen sich das Rätschenhorn genau in der Bildmitte und die Pyramide des Chrüz links. Im Vordergrund und am linken Bildrand hat es Bäume. Die Täler liegen morgens um diese Zeit noch im Schatten, ebenso wie die Häuser von Furna, die zwischen einigen Bäumen zu erkennen sind. Die Sonnenstrahlen fallen von rechts ins Bild. Der Himmel ist blau und es hat nur wenige Schleierwolken.
Morgenstimmung – Blick von Furna auf Silvretta & Rätikon mit dem Chrüz, links

Warum ist das ausgerechnet hier so? Es liegt an den relativ weichen Gesteinen: Die südlichen Rätikon-Gipfel zwischen Prättigau und dem Hauptkamm bestehen aus Bündnerschiefer, die zu den Sedimenten (Ablagerungsgesteine) zählen. Die Bezeichnung Bündnerschiefer steht nicht für ein einzelnes Gestein, sondern für einen charakteristischen Gesteinsverbund. Sie kommen besonders häufig in Graubünden vor.

Bei diesem weichen und leicht verwitternden Gestein hat das Wasser leichtes Spiel und kann sich tief eingraben. Berge aus Bündnerschiefer werden von der Verwitterung leicht abgetragen. Dass Berge wie das Chrüz perfekt für Ski- oder Schneeschuhtouren geeignet sind, ist also kein Zufall.

Auch auf der anderen Talseite, in der Hochwangkette im Plessurgebirge, gibt es unzählige Möglichkeiten, mit Schneeschuhen Gipfel zu erreichen. Gute Ausgangspunkte sind Furna Hinterberg und das Berghaus Fideriser Heuberg.

Im Gegensatz dazu stehen nördlich der Prättigauer Schieferberge die Südwände der Rätikonfluhen. Der Kontrast der Kalkzinnen über den grünen Schieferbergen könnte kaum größer sein.

Auf dem Bild blickt man beim Abstieg vom Chrüz spätnachmittags Richtung Norden zu den Südwänden von Drusenfluh und Drei Türmen, die von der Nachmittagssonne beschienen werden. Während unter den Wänden alles weiß verschneit ist, liegt in den steilen Wänden nur wenig Schnee. Links ist im Bild noch der markante Einschnitt des Schweizertors zu sehen. Im Vordergrund und in den Bildmitte setzen dicht bewaldete Tobel ein, die zum Teil bereits im Schatten liegen. Der Himmel ist blau, aber mit ganz feinen Schleierwolken bedeckt.
Rätikonfluhen – Südwände von Drusenfluh & Drei Türmen

Chrüz von St. Antönien

Startpunkt ist bei der Kirche in St. Antönien Platz, 1419 m. Das erste Ziel ist der Sattel von Aschüel, der das Chrüz vom Chüenihorn trennt. Zwei Möglichkeiten gibt es bis dahin: Entweder entlang der Straße (ca. 200 m taleinwärts links abzweigen) oder etwas rascher über Oberschwendi, 1461 m. Die beiden Alternativen vereinigen sich beim Berggasthaus Michelshof. Schon bald ist der weite Sattel von Aschüel, 1597 m, erreicht.

Im Bild sieht man links die Hütten der Alp Valpun. Sie ist Etappenziel am Aufstieg von St. Antönien zum Chrüz. Im Vordergrund sind im Schnee viele Spuren, vor allem von Skitourengängern, zu erkennen. Rechts erheben sich über einer Baumreihe die Berge im westlichen Rätikon zwischen Schesaplana ganz rechts und Vilan. Der Himmel ist blau und mit Schleierwolken bedeckt.
Aufstieg – Alp Valpun & Rätikon

Nun steigt ihr in südwestlicher Richtung mehr oder weniger dem Sommerweg folgend zur Alp Valpun 1881 m, über der sich im Hintergrund das Chrüz erhebt. Auch der weitere Anstieg ist bei guter Sicht nicht zu verfehlen. In südlicher Richtung immer am Kamm hinauf zum Vorgipfel Chlei Chrüz, 2102 m. Von hier habt ihr einen schönen Blick auf den letzten Abschnitt.

Vom Chlei Chrüz geht es kurz in einen breiten Sattel hinab. Von hier folgt ihr am sichersten den angelegten Spuren, denn etwa in der Mitte des Kammes hat es rechts eine Passage, die steiler als 30° ist! Daher besser den Spuren folgen. So erreicht ihr das bescheidene Gipfelkreuz am Chrüz, 2196 m.

Auf dem Bild geht der Blick vom Vorgipfel Chlei Chrüz zum Chrüz, das von hier wie ein Trapez aussieht. Der Gipfel ist flach und nach links und rechts sinken die beiden Grate, über die Auf- und Abstieg verlaufen, gleichmäßig ab. Die Hänge und Grate des Gipfels sind von unzähligen Ski- und Schneeschuhspuren durchzogen. Der Himmel ist blau und mit Schleierwolken bedeckt.
Trapez – Chrüz vom Vorgipfel Chlei Chrüz

Die Rundsicht vom Chrüz ist außergewöhnlich schön. Im Norden ist der Rätikon-Hauptkamm aufgestellt: Vom Falknis über die Schesaplana bis zur Sulzfluh und zum Rätschenhorn. Nach Süden und Westen geht der Blick über das Prättigau zum Plessurgebirge und zum Ringelgebirge. Im Südosten zeigen sich noch die Berge der Silvretta. Das Prättigau liegt komplett zu euren Füßen.

Überschreitung zum Stelserberg

Der Abstieg über den Nordwestgrat ist ziemlich steil. Hier sind Erfahrung im Schneeschuhgehen und Trittsicherheit nötig. Nach etwa 15 Minuten habt ihr die Passage hinter euch. Dann kommt der vielleicht schönste Abschnitt der Tour: Ihr wandert über einen flachen, aussichtsreichen Kamm, stets mit freiem Blick auf den Rätikon und über das Prättigau hinweg zu den Bergen über dem Churer Rheintal. Ein Blick zurück zum Chrüz lohnt sich auch: Ebenmäßiger und schöner als von hier sieht die Pyramide kaum aus. Das Beitragsbild wurde dort aufgenommen.

Von hier (»Gafäll« bei Swisstopo) wäre mit einem Abstieg zur Alp Valpun eine Rückkehr nach St. Antönien denkbar. Auf alle Fälle mit Abstand zur Nordflanke des Chrüz.

Der übliche Abstieg erfolgt nun nochmals über einen leicht bewaldeten Kamm, immer mit Blick auf den Rätikon. Abschließend folgt ihr je nach Schneelage den vorhandenen Spuren oder dem markierten Wanderweg zum Berghaus Mottis, 1484 m, am Stelserberg.

Wenn ihr nun vom Stelserberg noch nach Schiers absteigen möchtet, solltet ihr ab Mottis mit mindestens 1½ Std. rechnen. Der Weg ist markiert und deckt sich teils mit der Straße.

Ausgangspunkt
St. Antönien im gleichnamigen Tal, Bus ab Küblis (90.222). Gut ausgebaute Straße ab Küblis, Parkplätze (gebührenpflichtig).

Endpunkt
Stelserberg, Stels Mottis, Bus nach Schiers (90.212).

Zeiten & Höhenmeter
St. Antönien Platz – Chrüz 2¼ Std.
Chrüz – Stelserberg (Berghaus Mottis) 2 Std.
780 Hm
720 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
WT3, Trittsicherheit und Erfahrung im Schneeschuhgehen, besonders im steilen Abstieg am Nordwestgrat
Dezember bis März, bei guter Schneelage (optimal Januar & Februar)

Swisstopo 50, 248 S Prättigau (wasserfest, in Zusammenarbeit mit dem SAC und Swiss-Ski).

Swisstopo-App für Smartphone und Tablet.

Infos und Blattschnitte bei Swisstopo.

Coulin, David: Schneeschuhtouren Graubünden Nord – Vom Prättigau bis zur Surselva, SAC-Verlag, Bern, 2011. Das Buch bietet weitere Tourenvorschläge in St. Antönien und im Prättigau. Dazu speziell ausgewiesene Einsteigertouren.

Berggasthaus Mottis am Stelserberg

Unterwegs keine Einkehrmöglichkeit.

ÖV

St. Antönien ist das ganze Jahr von Küblis im Prättigau mit dem Bus erreichbar (90.222). Küblis ist von Landquart und Klosters (910) mit der Rhätischen Bahn erreichbar. Vom Stelserberg fährt ein Bus ganzjährig nach Schiers im Prättigau (90.212). Von hier mit der Rhätischen Bahn Richtung Landquart oder Klosters (910).

Die Schweiz hat das beste System des öffentlichen Verkehrs – zumindest im Alpenraum. Ich habe selbst ein Halbtax-Abo (»Schweizer Bahncard«). Das Halbtax ist nicht nur in den Zügen, sondern auch in Bussen und vielen Bergbahnen gültig. Die Bahntickets sind nicht gerade preiswert, Parkplätze und Parkhäuser aber auch nicht.

Infos zu Preisen und Verbindungen:

Schweizerische Bundesbahnen SBB

Rhätische Bahn RhB

PostAuto Schweiz

Fahrplanauskunft ÖV Schweiz

Der Beitrag hat dir gefallen? Du hast Fragen? Du möchtest Feedback geben? Schreib mir gerne an peter@montolando.com. Ich freue mich über deine Nachricht.