Breiter Spitz & Zeinisjoch – Zwischen Vorarlberg & Tirol

Von einem Vorgipfel blicken wir über einen Sattel zum Breiten Spitz. Unter uns ist der Weg zum Gipfel sichtbar und hinter ihm erheben sich die Gipfel der Westsilvretta und noch weiter hinten rechts die Rätikongipfel. Es ist ein Traumtag im Juli mit blauem Himmel und wenigen dekorativen Schleierwolken.
Ziel in Sicht – Nur ein Sattel trennt uns noch vom Gipfel

Bergwandern auf der Europäischen Wasserscheide

Das Zeinisjoch ist ein besonderer Ort. Der Bergsteigerpfarrer Battlogg (1836-1900) aus Gaschurn schrieb im Jahr 1877: »In keiner Wohnung der Sterblichen fühle ich mich so wohl wie am Fenster des Zeinishauses.« Das will viel heißen, denn im Montafon gibt es unzählige Plätze, zu denen dieses Etikett ebenso gut passen könnte. Bedingt durch die vielen Eingriffe in die Landschaft ist es heutzutage vielleicht nicht mehr ganz so schön wie damals.

Rückblick von der Kammhöhe auf den Kops-Stausee, der milchig-türkis schimmert und das Zeinisjoch. Darüber erheben sich Fluhspitzen, Schrottenkopf und Fädnerspitze. Im Hintergrund zwei Dreitausender der Samnaungruppe: Vesulspitze und Bürkelkopf. Der blaue Julihimmel wird von Schleierwolken verziert. Im Vordergrund liegen große Gneisplatten neben dem Bergweg.
Rückblick – Kops-Stausee und Zeinisjoch mit Schrottenkopf, Fädnerspitze und Samnaungruppe

Auf der Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol gelegen, ist das Zeinisjoch ein alter Übergang aus dem Montafon ins Paznaun. Gleichzeitig befinden wir uns auf der Europäischen Wasserscheide Rhein/Donau. Richtung Westen fließen die Bäche ins Montafon zur Ill und weiter in den Rhein. Nach Osten Richtung Paznaun fließen die Wasser in die Trisanna und weiter über den Inn zur Donau. Am Zeinisjoch gibt es eine äußerst seltene orografische Besonderheit: eine Bifurkation. Am eigentlichen Zeinisjoch, 1842 m, das sich ca. 1,5 km östlich vom Zeinisjochhaus direkt auf der Landesgrenze Vorarlberg/Tirol befindet, gabelt sich der kleine Quellbach und seine Wasser fließen in zwei Richtungen. Nach Ost und West.

Wer aus dem Montafon über die Silvretta-Hochalpenstraße herauf kommt, bleibt vermutlich oft auf der deutlich spektakuläreren Bielerhöhe hängen. Diese gewaltige Bergszenerie kann das Zeinisjoch nicht bieten. Damit sich einem die Landschaft ringsum so richtig erschließt, muss man schon ein wenig hinaufsteigen. Eine perfekte Idee dafür ist die leichte Wanderung zum Breiten Spitz.

Breiter Spitz – Niedrigster Gipfel der Vallülagruppe

In der Silvretta ist der Breite Spitz, auf manchen Karten auch Breitspitze, eine sehr kleine Nummer. Selbst in der kleinen und bezogen auf die gesamte Silvretta niedrigen Vallülagruppe ist er der kleinste Gipfel. Das macht aber gar nichts, denn die Tiefblicke vom Gipfelkreuz ins innere Montafon (Partenen, Gaschurn) sind durchaus sensationell. Zudem bietet sich der Gipfel für Rundtouren und Überschreitungen an.

Von der Versalspitze geht der Blick in die Silvretta. Links erhebt sich die Vallüla, darunter ist der Breite Spitz zu erkennen. Auf den Nordseiten der Berge liegt Ende Juni noch viel Schnee. Am Horizont stehen die Gipfel im Silvretta-Hauptkamm zwischen Augstenberg, Piz Buin und Großlitzner. Rechts sind der Vermunt-Stausee und Silvrettastraße zu sehen. Der blaue Himmel wird von einigen Schönwetterwolken verziert.
Kleiner Gipfel – Links duckt sich unter der Vallüla der Breite Spitz, rechts Vermunt-Stausee und Silvrettastraße

Der Name Breiter Spitz bedarf keiner Erklärung. Oder doch? Kann ein Spitz gleichzeitig auch breit sein? Die Beantwortung dieser Frage könnte zu einem spannenden philosophischen Thema werden.

Das Zeinisjoch trennt die Silvretta im Süden vom Verwall (Fädnerspitze, Fluhspitzen, Versalspitze) im Norden. Beide Berggruppen zählen zu den Zentralalpen und sind überwiegend aus kristallinen Gesteinen aufgebaut wie Paragneisen, Glimmerschiefer und Amphiboliten. Letztere sind dunkle Gesteine, die mitunter einen düsteren Eindruck hinterlassen. Wer jedoch kristalline Gesteine mag, wie ich zum Beispiel, der wird diese kleine Welt als etwas Großartiges betrachten.

Auf der alpinen Bergwanderung zum Tällispitz könnt ihr so richtig in die Welt der Gneise eintauchen.

Von der Bielerspitze geht der Blick ins Vallülatal und zur Vallüla, die alle anderen Gipfel überragt. Über dem untersten Gratabsatz der Vallüla ist im Mittelgrund der unscheinbare Breite Spitz zu erkennen. Dahinter erheben sich die Gipfel der Verwallgruppe. Den Vordergrund füllen unzählige Gneisblöcke. Der Sommerhimmel ist teils blau, teils bewölkt.
Land der Gneise – Blick von der Bielerspitze zur Vallüla und zum Breiten Spitz im Mittelgrund

Die Vallülagruppe ist die einzige Gruppe der Nord-Silvretta. Sie wird fast auf der ganzen Länge von der Silvretta-Hochalpenstraße eingekreist. Dennoch ist dies noch immer eine eher stille Berggruppe. Außer auf den Breiten Spitz führt lediglich von der Bielerhöhe noch ein markierter Steig auf die Bielerspitze. Die Besteigung der Vallüla ist eine anspruchsvolle Bergtour im Bereich T5. Obwohl zum Teil markiert, handelt es sich definitiv um keine einfache Bergwanderung! Die Ballunspitze bei Galtür dürfte etwas häufiger begangen werden, seit es den Klettersteig zum Gipfel gibt.

Erinnerungen, Erlebnisse und Geschichten

Vor vielen Jahren zelteten wir zu zweit und mit Hund auf dem kleinen Campingplatz neben dem Haus Zeinissee. Am ersten Tag waren wir bei Traumwetter auf der Versalspitze, für den zweiten hatten wir den Breiten Spitz ins Auge gefasst. Leider hielt das Wetter nur einen Tag und wir mussten auf einen zweiten Gipfel verzichten. Den Breiten Spitz holte ich wenige Wochen später nach. Auf dem langen und zum Teil steilen Weg von Partenen, den ich schon immer mal machen wollte. Die Angaben dazu findet ihr weiter unten.

Eine sehr lange Tour über das Zeinisjoch machte ich vor genau zwanzig Jahren, als ich von Partenen auf die Fädnerspitze stieg. Vom Gipfel weglos durch die Nordostflanke hinab und zur Heilbronner Hütte. Von dort folgte noch der lange, fast endlose Abstieg nach Partenen. Mit Gegensteigungen waren das etwa 1900 Höhenmeter. Eine kleine »Monstertour« und wirklich sehr lang …

Mein zweiter Besuch am Breiten Spitz stand unter keinen guten Vorzeichen: Knapp sechs Wochen zuvor musste ich zwei Operationen überstehen und war danach erst einmal ziemlich platt. Hinauf zum Gipfel war es dennoch kein Problem. Aber am Gipfel nicht genügend gegessen und im Rückweg kam der Hungerast. Ein Eis reichte längst nicht aus. Also sind wir noch länger im Kopsstüberl geblieben und haben den besten Kaiserschmarrn aller Zeiten gegessen! Extra für uns ganz frisch gemacht. Der Wirt hatte den Ofen abends nochmals angeworfen. Auf der Terrasse war es windig und kühl und außer uns war niemand mehr da. Es war für mich ein ganz besonderer und runder Tag. Ich war wieder im Leben und konnte wieder auf Berge steigen. Auch wenn er nur ein kleiner Gipfel ist, aber der Breite Spitz hat für mich seitdem eine große Bedeutung.

Was es sonst noch gibt

Auch wenn ihr weder Lust noch Zeit für eine Gipfeltour habt, lohnt sich ein Abstecher zum Zeinisjoch. Wie beim Silvretta-Stausee auf der Bielerhöhe gibt es auch hier einen Rundweg um den Kops-Stausee. Dieser ist jedoch »intimer«, weil weniger überlaufen. Für den einfachen Spaziergang solltet ihr 1½ Std. einplanen. Gerne auch 2 Std. wenn ihr es gemütlicher angehen wollt.

An einem sonnigen Tag im Juli spiegeln sich die Sonnenstrahlen im Kops-Stausee. Darüber ragen die Gipfel der Verwallgruppe zwischen Fädnerspitze und Fluhspitzen links in den blauen Himmel, der von wenigen Schleierwolken verziert wird.
Licht von oben und unten – Kops-Stausee mit Fädnerspitze und Fluhspitzen links

Noch eine Idee: Wenn ihr mit dem Bus anreist, könnt ihr vom Breiten Spitz über die Obere und Untere Vallülaalpe nach Partenen absteigen und so eine Überschreitung machen. Oder ganz leicht vom Kops-Stausee über Ganifer nach Partenen absteigen.

Gemütliche Wanderung vom Kops-Stausee

Ausgangspunkt ist der Parkplatz beim Kiosk Kopsstüberl, ca. 1820 m. Hier ist auch eine Bushaltestelle, die Endstation der Busse von Partenen im Montafon und Galtür im Paznaun. Von hier zunächst kurz hinab und über die eindrucksvolle Kops-Staumauer, die mit einer Höhe von maximal 122 m zu den größten ihrer Art in Österreich zählt. Nach der Staumauer folgt ihr rechts haltend dem Fahrweg, der nach einer Kehre zum Wanderweg wird. Dieser führt zunächst südlich, später in westlicher Richtung zum Kamm hinauf. Unterwegs schmücken mehrere Seen und Tümpel verschiedener Größe das Landschaftsbild, vor allem im Frühsommer nach der Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen. Der Weg ist problemlos zu gehen, mit angenehmer Steigung und weist nur ganz kurze steilere Abschnitte auf. Von der Kammhöhe seht ihr dann zum Gipfel hinüber. Kurz noch in einen Sattel hinab, wo von links der Anstieg aus dem Oberen Vallülatal dazustößt. Nochmals an einem kleinen Tümpel vorbei, mit schönem Blick zum Gipfelkreuz, erreicht ihr den Breiten Spitz, 2203 m.

Auf der Gipfelhochfläche am Breiten Spitz ragt das Gipfelkreuz in einen blauen, von Schleierwolken verzierten Julihimmel. Den Vordergrund füllt ein Mini-See, der von Gneisplatten umringt wird.
Gipfelidyll – Am Breiten Spitz

Die Fernsicht ist aufgrund der geringen Höhe ein wenig eingeschränkt. Dafür bietet der Gipfel einen spektakulären Tiefblick ins Montafon mit Partenen und Gaschurn und auf die Kehren der Silvretta-Hochalpenstraße mit dem Vermunt-Stausee. Über dem Montafon sind weit draußen noch einige Rätikon-Gipfel (Sulzfluh, Zimba) zu sehen. Beherrschend stehen im Südhalbrund Schattenkopf, Vallüla und Ballunspitze über den stillen Vallülatälern. Zwischen Schattenkopf, Vallüla erkennt ihr bei klarem Wetter der Silvrettakamm, zwischen Vallüla und Ballunspitze die drei Fluchthörner.

Den Abstieg könnt ihr leicht zu einer kleinen Rundtour ausbauen. Bei der oben erwähnten Einmündung haltet ihr Euch rechts. Durch eine schöne Hochmoorlandschaft weiter bis zur nächsten Verzweigung. Hier haltet ihr Euch links, rechts geht’s nach Partenen und zum Vallülasee. Bei der nächsten Verzweigung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder links hinab zum Anstiegsweg oder rechts haltend ins Pistengelände und von dort zum See. Bei schlechter Sicht ist auf dem weitläufigen Plateau Vorsicht geboten.

Eine Hochmoorlandschaft in der Vallülagruppe. Im Vordergrund ein kleiner See, aus dem einige Pflanzen ragen. Den Hintergrund dominiert die Vallüla, der höchste Berg in dieser kleinen Berggruppe. Ihre Nordseite wird im Juli noch von einigen Schneefeldern geschmückt. Am blauen Himmel zeigen sich ein paar Schönwetterwolken.
Hochmoorlandschaft – Blick zur Vallüla

Wenn ihr noch Zeit und Lust habt, könnt ihr von der oben im Text beschriebenen Kammhöhe in gut 1 Std. noch zum Vallülasee wandern.

Steile Wanderung von Partenen

Aus dem inneren Montafon sieht die felsige Westseite des Breiten Spitz sehr wild aus. Das große Gipfelkreuz ist mit bloßem Auge zu erkennen. Wer wollte da nicht hinauf steigen? Es sind allerdings über 1100 Höhnmeter bis zum Gipfel. Im westseitigen Anstieg kann man aber lange im Schatten unterwegs sein – wenn man denn frühzeitig aufbricht … Oberhalb des Golfplatzes geht’s direkt nach dem Einritt in den Wald steil zur Sache. In vielen Kehren zickzackt der gute Weg gleichmäßig höher. Erst kurz vor der Unteren Vallülaalpe legt sich das Gelände merklich zurück, gleichzeitig tut sich die wunderbar abgeschiedene Welt der Vallülatäler auf. Der Weiterweg führt nun gemütlicher am Vallülabach entlang und steigt bei der Oberen wieder Vallülaalpe wieder etwas steiler zur Kammhöhe auf. Hier hat es mehrere kleine Seen. Links haltend führt der Steig problemlos zum Gipfel.

Ausgangs- und Endpunkt
Parkplatz und Bushaltestelle am Kops-Stausee. Erreichbar mit Auto oder Bus ab Galtür oder Partenen via Silvretta-Hochalpenstraße. Alternativ Partenen im Montafon.

Zeit & Höhenmeter
Kops-Stausee – Breiter Spitz 2 Std.
Breiter Spitz – Kops-Stausee 1½ Std.
400 Hm
Partenen – Breiter Spitz 3½ Std.
Breiter Spitz – Partenen 2 Std.
1150 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
T2 ab Kops, T2+ ab Partenen
Mitte/Ende Juni bis zum Wintereinbruch

Alpenvereinskarte: 26 Silvrettagruppe, 1:25 000. Die weitaus schönste und beste Karte. Ein echtes Schmuckstück!

Kümmerly+Frey: 02 Montafon – Silvretta, 1:35 000, reißfest, inkl. Download Karte für Smartphone.

freytag & berndt: 5507 Montafon, 1:25 000.

Kompass: 032 Montafon, 1:25 000.

Mayerhofer, Rudolf: Die schönsten Bergwanderungen in Vorarlberg, Löwenzahn, Innsbruck, 10. Auflage 2020. Mit Ausschnitten der ÖK (Österreichische Karte) und eine wahre Fundgrube!

Flaig, Walther & Günther: Alpenvereinsführer Silvretta, Bergverlag Rother, München, verschiedene Auflagen. Die »alten Flaig-Führer« (AVF) sind längst vergriffen, einige davon sind mittlerweile digital erhältlich (gescannte Bibliotheksausgaben). Teilweise bereits veraltet, aber wunderbar geschrieben. Evtl. noch antiquarisch erhältlich bei Alpen-Antiquariat Ingrid Koch.

Flaig, Walther & Hermine: Alpenpark Montafon – Ein Führer durch das Tal, Russmedia Verlag, Bregenz, 13. Auflage 1998. Eine Fundgrube für alle, die sich für Geschichte, Geologie usw. des Montafons interessieren. Vergriffen, wird meines Wissens nicht mehr neu aufgelegt.  Nur noch antiquarisch erhätlich.

Kopsstüberl (Wunderbarer Kaiserschmarrn)

Alpengasthof Zeinisjoch

Haus Zeinissee (Penison mit kleinem, aber feinem Campingplatz)

ÖV

Das Zeinisjoch ist ab Partenen im Montafon (Linie 650) oder Galtür im Paznaun (Linie 260) mit dem Bus erreichbar.

Vorarlberg
Fahrplan Vorarlberg
Fahrplanbuch Vorarlberg zum Download

Tirol
Fahrplan Tirol
Sommerbus Paznaun

Silvretta-Hochalpenstraße
Für die Benützung der Silvretta-Hochalpenstraße wird eine Mautgebühr verlangt. Die Anfahrt zum Zeinisjoch ab Galtür ist hingegen mautfrei.

Montafon

Paznaun

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