Bergwandern in Südtirol

Auf dem Bild blickt man von Südwesten zum Burgstall, einem der beiden Schlern-Gipfel rechts. Links darunter erheben sich die beiden Zacken der Euringerspitze und Santnerspitze. Links im Hintergrund sind Ortsteile von Kastelruth zu sehen. Am Horizont erkennt man die noch schneebedeckten Gipfel der Zillertaler Alpen. Der Himmel ist blau und nur über den Zillertaler Alpen hat es Wolkenfelder.
Südtiroler Symbolberg – Am Schlern, Burgstall mit Euringerspitze & Santnerspitze

Sehnsuchtsziel auf der Alpensüdseite

Wer träumt nicht von Bergwanderungen in Südtirol? Beeindruckende Gipfel, dazu Sonne & blauer Himmel, gutes Essen & Trinken. Klingt perfekt, oder? Und nicht zu vergessen die Südtiroler: Die Menschen in Südtirol strahlen die Sonne und das gute Wetter förmlich aus. Das alles mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Mir würde spontan keine Region in den Alpen einfallen, in der die Menschen insgesamt (!) so freundlich und aufgeschlossen sind.

Auch das Niveau der Unterkünfte ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Verglichen mit den Nachbarländern Österreich und Schweiz, kann man in Südtirol noch immer relativ preiswert Urlaub machen. Auch wenn hier die Preise wie überall in den letzten Jahren angezogen haben. Aber das gilt ja mehr oder weniger für alle Bereiche des täglichen Lebens.

Essen & Trinken kann man in Südtirol auch sehr gut. Darüber zu schreiben ist nicht mein Thema. Das überlasse ich gerne anderen, die mehr davon verstehen.

Mehr Südtirol im Leben

Schon früher war ich gerne in den Bergen von Südtirol unterwegs. Aber nicht regelmäßig, sondern eher selten. Vor einigen Jahren schrieb ich mehrere Wanderführer. Zuerst vier Bücher über Schweizer Berge. Das bedeutete in der Zeit mehr oder weniger, ständig in der Schweiz unterwegs zu sein. Dann hatte ich zwei Buchaufträge für Südtirol in der Tasche: »Vergessene Pfade in Südtirol« und »Vinschger Höhenweg«. Meine Partnerin, die schon immer gerne nach Südtirol ging, freute sich darüber. Und ich mich auch, denn so hatte ich einen guten Grund, mich mal wieder mit Bergen außerhalb der Schweiz zu befassen.

Von der Lyfispitze im Martelltal geht der Blick nach Nordosten. Links ist die Orgelspitze zu sehen, dahinter die Gipfel der Ötztaler Alpen. Auf der rechten Seite schaut das Hasenöhrl gerade noch so über en Wolken heraus, die von Süden die Gipfel einhüllen. Zwischen unserem Standpunkt und dem Hasenöhrl erstreckt sich das Martelltal, das ebenfalls von dichten Wolken verdeckt wird. In der Bildmitte erkennt man im Hintergrund noch den Vinschgau. Der Himmel ist klar und wird von einigen Schleierwolken verziert. An den Südhängen der Berge hängen zudem Quellwolken.
Alpin – Blick von der Lyfispitze Richtung Vinschgau

In Südtirol findet ihr fast alles, was die Alpen zu bieten haben. Von der einfachen Talwanderung über Waalwege bis hin zu anspruchsvollen Bergwanderungen, leichten 3000ern und alpinen Gipfeltouren ist alles geboten. Das Ganze noch garniert mit den vielen anderen schönen Annehmlichkeiten, die ich bereits erwähnte …

Gerade in Südtirol gibt es leider auch ein paar gehypte Highlights, die extrem überlaufen sind: Meran, Seiser Alm, Pragser Wildsee, Drei Zinnen, um nur ein paar zu nennen. Andererseits schützen solche Magnete die anderen Berggruppen und Plätze besser als es Reglementierungen oder Betretungsverbote jemals könnten. So formulierte es Richard Goedeke im Alpenvereinsführer Sextener Dolomiten schon vor über 40 Jahren. Ihr habt die Wahl …

Auf dem Bild sind zwei Männer am Latschander Waalweg zu sehen. Aktuell machen sie Pause. Neben dem Weg ist der Wasserlauf (der Waal) erkennbar. Rechts und links vom Weg sind Rebstöcke, die auf der rechten Seite von Steinmauern gestützt werden. Im Hintergrund ist die im April noch schneebedeckte Orgelspitze zu sehen und rechts oben am Hang ein einzelnes Haus. Der Himmel ist blau und wolkenlos.
Südtiroler Kulturerbe – Unterwegs am Latschander Waalweg

In diesem Beitrag möchte ich euch Infos und Tipps zum Bergwandern in Südtirol geben. In unregelmäßigen Abständen schreibe ich hier über Gipfel, Regionen und Wissenswertes aus Südtirol. Ihr wollt keine Tour in Südtirol verpassen? Dann einfach den Montolando Newsletter abonnieren.

Wanderurlaub in Südtirol – Die beste Jahreszeit

In Südtirol ist es immer warm, es scheint stets die Sonne und es regnet fast nie. So viel zur subjektiven Wahrnehmung. Dass dem nicht immer so ist, habe ich in den zwei Sommern, als ich die beiden Wanderführer schrieb, erfahren. Auch in Südtirol scheint nicht immer die Sonne und es kann mitunter sehr wechselhaft sein. Manch stabiles Italientief hat schon einige Tourenaktivitäten verhindert. Was ich euch damit sagen möchte: Ihr solltet auch in Südtirol schlechtes Wetter einkalkulieren und euch genauso ausrüsten, wie auf den Bergen der Alpennordseite. Nur weil in Meran oder Kaltern die Sonne scheint, muss dies auf den Höhen der Ötztaler Alpen oder der Dolomiten nicht unbedingt genauso sein. Hier gibt’s Tipps zur Ausrüstung & Bekleidung beim Bergwandern.

Auf dem Bild sieht man von der Dreifingerspitze zum Piz da Peres. Der fällt auf der rechten Seite in steilen Schrofen ab, nach vorne und nach links dacht er sich mit sanfteren Grashängen ab. Der Schlussanstieg zum Gipfel ist gut sichtbar. Im Hintergrund sieht man die Gipfel der Plosegruppe, der Stubaier Alpen und der Pfunderer Berge. Der Himmel ist stark bewölkt, nur rechts hinter dem Gipfel ist ein klein wenig blauer Himmel sichtbar.
Nicht nur sonnig – Stark bewölkt am Piz da Peres

Der Wetterbericht für Südtirol wird zweimal täglich aktualisiert: 07:30 und 11:00 Uhr, sonntags einmal um 10:00 Uhr. Außerdem gibt es täglich einmal aktualisierte Vorhersagen für das Bergwetter und die einzelnen Bezirke.

In Südtirol könnt ihr den ganzen Sommer und Herbst zum Bergwandern gehen. In manchen Jahren schon ab April/Mai und noch bis im November. Entscheidend ist dabei die Exposition. Auf südexponierten Hängen sind die Verhältnisse generell länger gut, als auf den schattigen Nordseiten. Südhänge sind oft noch bis weit in den Spätherbst begehbar, während auf den Nordseiten der Schnee schon viel früher liegen bleibt. Dies liegt daran, dass selbst im Oktober die Sonneneinstrahlung auf den Südseiten noch so stark sein kann, dass der Neuschnee innerhalb von wenigen Tagen wieder komplett verschwindet, während auf den Nordseiten die Sonne gar nicht mehr hinkommt. Zu Beginn des Sommers seid ihr auf den Südseiten ebenfalls besser dran, weil diese früher ausapern. Dies kann jedes Jahr anders sein. Eure beste Informationsquelle für die aktuelle Wetter- und Schneelage sind Webcams. Bergbahnen und Tourist-Infos haben in der Regel ebenfalls Webcams auf ihrer Homepage.

Auf dem Bild blickt man vom Piz Minschuns hinüber zum Ortler, dem höchsten Berg in Südtirol. Der Gipfel ist wie die Berge rechts davon, noch stark vergletschert. Die Schneeflächen leuchten makellos weiß, was darauf hindeutet, dass es vor ein paar Tagen auf den höheren Gipfel Neuschnee gab. Es ist ein sehr klarer Tag, auch wenn am Himmel Schleierwolken zu sehen sind. Im Vordergrund liegen viele dunkle Gneisplatten. Rechst davon ist ein Weg erkennbar.
Wanderherbst in Südtirol – Blick zum »König« Ortler

Bergwanderwege in Südtirol – Markiert, aber nicht klassifiziert

In Südtirol sind mittlerweile (fast) alle Wanderwege einheitlich rot-weiß markiert und meistens mit einer Wegnummer versehen. Die Qualität der Markierungen ist aber nicht überall gleich. Besonders die bekannten Gipfel sind teils schon »übermarkiert«, weniger begangene Pfade und Steige oft sparsamer markiert. Auf manchen Pfaden sind die Markierungen verblasst und bisweilen kaum erkennbar. Manche Schilder sind hingegen fast schon als Kunstwerke zu bezeichnen und neben den Nummern teilweise noch mit Symbolen versehen.

Das Bild zeigt einen Wegweiser in der Rieserfernergruppe zwischen Rein und den Kofler Seen. Die Schilder weisen in drei verschiedene Richtungen. Neben den Zielen sind die Gehzeiten angegeben. Die Spitzen den Schilder sind rot-weiß-rot und beinhalten die Wegnummer. Ganz unten ist noch ein rechteckiges Schild mit der Aufschrift »A-HARTDEGEN-WEG«. Alle Angaben auf den Schildern sind auf deutsch und italienisch. Der Himmel ist blau und im Hintergrund ist noch ein Berg zu sehen.
Einheitlich beschildert – Bergwanderwege in Südtirol

Bergwanderwege in Südtirol sind nicht klassifiziert, wie ihr das vielleicht aus anderen Alpenländern kennt. Sie sind alle rot-weiß markiert. Eine dreifarbige Einteilung nach Schwierigkeiten wie in der Schweiz oder in Vorarlberg gibt es nicht. Daher ist es sinnvoll, wenn Ihr euch vorab informiert, welche Schwierigkeiten euch auf der geplanten Tour erwarten. Wie ihr eine Bergwanderung vernünftig plant, erfahrt ihr im Beitrag Planung & Taktik beim Bergwandern. Bei Montolando sind alle Touren nach der Wanderskala des Schweizer Alpenclubs SAC bewertet. Mir persönlich ist eine Bewertung wie »leicht-mittel-schwer« zu dürftig, solange nicht klar definiert ist, was unter jeder Stufe zu verstehen ist. Die Wanderskala des SAC hat klare Kriterien definiert. Mehr zu dieser Thematik lest ihr im Beitrag Schwierigkeitsbewertung beim Bergwandern.

Auf dem Bild steigt eine Bergwanderin über einen Weg aus geschichteten Steinplatten steil nach oben. Links sind im Hintergrund noch eine Bergkette ohne besondere Gipfelbildung und ein Nadelbaum zu sehen.
Auch mal felsig – Bergwanderwege in Südtirol

Mobil in Südtirol – Bergwandern mit den Öffis

In manchen Tälern Südtirols ist der ÖV sehr gut ausgebaut. Das ermöglicht interessante und abwechslungsreiche Überschreitungen. Besonders die Umgebung von Sterzing und das Ahrntal möchte ich hier erwähnen. Hier ist das Angebot wirklich topp! In anderen Tälern ist es leider weniger gut. So kann man die Enzianhütte im Martelltal erst kurz vor 9:00 Uhr erreichen. Für Touren im Sommer sind diese Zeiten meiner Ansicht nach zu spät. In vielen Ferienorten werden vermehrt Wanderbusse angeboten. Infos zu den Verbindungen und Preisen, dazu die aktuellen Fahrpläne, um euch euer persönliches Fahrplanheft als PDF zusammenzustellen. Zugegeben: Viele Unterkünfte in Südtirol sind auf abgelegenen Höfen und haben keinen Busanschluss. Aber der nächste Bahnhof ist selten weit entfernt und mit dem Auto schnell erreichbar. Eure Bergwanderung mit den Öffis startet dann eben dort.

Um euch die Auswahl und Planung von Bergwanderungen mit Öffis in Südtirol zu erleichtern, hat der Alpenverein Südtirol AVS eine Liste mit Sommertouren mit Bus & Bahn zusammengestellt.

Mit der Mobilcard könnt ihr alle öffentlichen Verkehrsmittel innerhalb Südtirols nutzen, einschließlich Regional- und Regionalexpresszüge bis Trento sowie das PostAuto Schweiz zwischen Mals und Müstair.

Tipp: Bei vielen Vermietern in Südtirol ist eine Mobilcard (»Vorteilscard«, »Südtirol Guest Pass«) im Preis inbegriffen. Die Karten haben in jeder Region eine eigene Bezeichnung: »VinschgauCard«, »Winepass« im Überetsch, »Holidaypass« im Hochpustertal … Bei der Buchung der Unterkunft macht es also Sinn, nicht nur nach den Preisen zu schauen, sondern auch, ob vielleicht dieses wertvolle Extra inkludiert ist.

Orientierung in Südtirol – Zuverlässige Wanderkarten

Eine Bergwanderung ohne Wanderkarte? Für mich undenkbar. Eine Wanderkarte ist Standard beim Bergwandern. Ich bin mit analogen Karten aus Papier aufgewachsen. Und ich benutze sie noch heute. Ihr wollt keine analogen Wanderkarten? Okay, dann würde ich euch wenigstens zu einer App raten. Infos und Links dazu findet ihr unten. Und bitte auch keine »Panoramawanderkarten«, weder als Luftbild noch als gezeichnetes Panorama. Sie sind schön zum Anschauen und zum Inspirieren. Als Wanderkarten sind sie ungeeignet, weil sie Entfernungen und Gelände nicht korrekt wiedergeben. Nochmals: Zum Anschauen ja, zum Wandern nein.

Das Bild zeigt eine rot-weiße Wegmarkierung auf einem Stein (Gneis). Am oberen Ende der Markierung blühen sechs Gänseblümchen, die sich in den Ritzen des Steins angesiedelt haben. Der Gneis ist teils grau, teils rötlich verwittert.
Markierter Blumenstrauß – Bergwanderweg in Südtirol

Für Südtirol gibt es zwei Anbieter, die das ganze Land komplett abdecken und dazu die benachbarten Provinzen im Trentino, der Lombardei und im Veneto. Beide sehe ich etwa auf Augenhöhe. Daneben gibt es mehrere kleine Anbieter, die nur einzelne Bereiche abdecken. Früher hatte auch Freytag & Berndt Karten für ganz Südtirol im Angebot. Mittlerweile umfasst deren Sortiment nur noch wenige Blätter.

Der italienische Hersteller Tabacco bietet schon seit Jahren zuverlässige Karten im Maßstab 1:25 000 an. Was bei diesen Karten vor allem positiv auffällt, ist die gegenüber anderen Anbietern deutlich höhere Anzahl an kotierten Punkten ohne Namen. Eine unschätzbare Hilfe zur Orientierung im weglosen Gelände, wo es keine Markierungen oder GPS-Tracks gibt … In meinen Augen die besten Karten von Südtirol.

Auch die Karten von Kompass sind mittlerweile zuverlässig. Was besonders gut gefällt, sind Karten aus reiß- und wetterfestem Material. Wenn Ihr also viel unterwegs seid, wird es euch freuen, wenn die Karten etwas länger halten. Sehr gut ist zudem die große Gebietsabdeckung. Kompass bietet Karten in den Maßstäben 1:25 000 und 1:50 000, selten auch 1:35 000 an. Auf meinen Touren in Südtirol und im Trentino habe ich in den letzten Jahren damit gute Erfahrungen gemacht.

Die Karten von Tabacco kauft ihr günstiger vor Ort in Südtirol, hingegen spielt es bei Kompass keine Rolle. Und wenn ihr keine Lust auf analoge Karten habt, dann gibt es die Tabacco App oder die Kompass App.

Hinweis: Für die Empfehlungen zu den Wanderkarten erhalte ich keine Provisionen. Ich mache das aus Überzeugung.

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