Upikopf – Leichter 3000er im Vinschgau

Auf dem Bild sieht man eine Bergwanderin am Gipfelsteinmann des Upikopfes. Sie lächelt, denn sie hat soeben den anstrengenden Aufstieg hinter sich gebracht. Im breiten Gipfelsteinmann steckt eine Stange. Im Vordergrund liegen wie auf dem gesamten Gipfelplateau große Gneisblöcke in unterschiedlichen Farben, von hellgrau über dunkelgrau bis braun und rötlich. Im Hintergrund erkennt man am Horizont links die Berge der Sesvenna-Gruppe und darüber noch ein paar Gipfel der Silvretta. Rechts von der Wanderin sieht man noch die höchsten Gipfel der Samnaungruppe, Stammerspitz und Muttler. Der blaue Himmel nimmt fast die Hälfte des Bildes ein. Am Horizont hat es zum Teil dichtere Schleierwolken.
Gipfelfreuden – Am Upikopf

Im Südwesten der Ötztaler Alpen

Umzingelt von einigen wilden Gesellen und dazu auch noch ein wenig niedriger als diese, ist der Upikopf ein wunderschöner und einsamer Dreitausender im Matscher Tal. Er ist ideal für erfahrene Bergwanderinnen & Bergwanderer, die einsame und ruhige Ziele zu schätzen wissen. Seine Höhe übertrifft immerhin so bedeutende Gipfel, wie den Hohen Riffler im Verwall oder die Wilde Kreuzspitze in den Pfunderer Bergen. Oft wird der Upikopf auf Wanderkarten als Upiakopf bezeichnet, ebenso wie der Upisee in manchen Wanderkarten Upiasee heißt. Sogar einen »Opikopf« habe ich mal auf einer Karte gefunden … Einheimische, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, sprachen jedoch stets vom Upikopf und vom Upisee. So ungewöhnlich der Name ist, so lohnend ist die Tour zu diesem abgelegenen und stillen Gipfel.

Die Tour ist konditionell anspruchsvoll und für den Anstieg auf den meist sehr einsamen Gipfel solltet ihr absolut trittsicher sein. Außerdem braucht es unbedingt den Blick für die nächste Markierung, denn oberhalb vom Upisee ist der Steig nur wenig ausgeprägt und nicht immer gut erkennbar. Bei schlechter Sicht, ist die Tour daher nicht zu empfehlen. Da es sich um einen süd- bis südwestseitigen Anstieg handelt, ist der Gipfel in der Regel von Juli bis Oktober machbar. Allerdings kann ein früher Wintereinbruch im Oktober dies verhindern. Der Steig ist bis zum Gipfel rot-weiß markiert und trägt bis zum Upisee die Nummer 9. Der Gipfelanstieg ab Upisee hat keine Nummer.

Auf dem Bild sieht man im Mittelgrund der linken Bildhälfte den Upisee, der in einer Hochmulde liegt. Der See liegt nachmittags noch in der Sonne, die steilen Felshänge, die südlich und westlich des Sees emporsteigen, liegen bereits im Schatten. Im Vordergrund liegt eine alpine Weide, auf der viele Steine liegen. In der rechten Bildhälfte wird der See von einem Rasenhang eingefasst. Der See führt im frühen Herbst wenig Wasser, was man an den freien Steinflächen über dem Seespiegel erkennen kann. Der Himmel ist blau, ist aber mit vielen Schleierwolken bedeckt.
Einsam & still – Am Upisee

Falls ihr nicht unbedingt auf einem Gipfel stehen müsst, aber trotzdem eine stille Bergwanderung ab Glieshof unternehmen möchtet, ist der einsame Upisee ein sehr lohnendes Ziel. Die Rundsicht vom See ist zwar sehr eingeschränkt, aber die Abgeschiedenheit und die Stille sind einfach wunderbar. Höchstens an Wochenenden im Hochsommer oder Herbst könnte es sein, dass noch andere dieselbe Idee hatten … meist aber werdet ihr allein sein. Die Wanderung dauert insgesamt 3¾ Std., bei 730 Hm, T2.

In den Planeiler Bergen

Der Upikopf gehört zu den Planeiler Bergen, einer wenig populären Untergruppe der Ötztaler Alpen. Im gleichnamigen Alpenvereinsführer werden diese Berge so genannt und dabei sehr stiefmüttlerlich behandelt. Gerade mal zwölf Seiten widmet der AV-Führer, 14. Auflage 2006, diesem weiträumigen und interessanten Gebiet. Ganz anders dagegen der 1990 erstmals erschienene Wanderführer über den Vinschgau von Karl-Heinz Rochlitz. In seinem wunderbaren Werk beschreibt der Autor viele Gipfel und gibt Tipps für weitere potentielle Unternehmungen. Gleichzeitig zählt er die Region zu den »vergessenen Bergen«.

Auf dem Bild sieht man vom Vinschger Höhenweg oberhalb des Matscher Tals nach Süden auf einen Teil der Planeiler Berge, den Abschnitt zwischen Rabenkopf links und dem flachen Upikopf rechts. Man sieht gut der Anstiegsgrat, der von rechts zum Gipfel führt. Unterhalb des Gipfel sieht man das Upital. Die Gipfel sind alle mit Neuschnee bedeckt. Im Vordergrund sieht man grüne Weiden, mit Holzzäunen zur Begrenzung und einer Alphütte. Es liegen auch viele Steine auf den oberen Wiesen, auf der eingezäunten Wiese sieht man allerdings keine. Man sieht auch den Abschnitt des Vinschger Höhenwegs, der von hier in ein kleines Waldstück führt. Der Himmel ist blau und wolkenlos.
Unbekannt – Planeiler Berge, rechts Upikopf und Upital

Die Ötztaler Alpen sind das am stärksten vergletscherte Gebirge und aufgrund der vielen 3000er zugleich die höchste Massenerhebung der Ostalpen. Der Großglockner ist zwar höher und die Ortler Alpen besitzen fast schon westalpinen Charakter, aber in keiner Berggruppe östlich der Schweizer Grenze gibt es so viele 3000er wie in den Ötztaler Alpen. Die Gletscher liegen jedoch fast alle nördlich der Wasserscheide. Südlich des Hauptkamms ist die Vergletscherung nur noch im Bereich der Weißkugel bedeutend.

So ist dann auch der Charakter der Ötztaler Alpen in Südtirol ein ganz anderer als auf nordtiroler Seite. Bedingt durch das Fehlen der Gletscher, machen die Berge der südlichen Ötztaler Alpen mitunter einen kahlen und öden Eindruck, was durch einen relativ einheitlichen geologischen Aufbau noch verstärkt wird. Die Gipfel erscheinen für Wandererungen und Bergtouren eher wenig attraktiv und die Tourenaktivitäten beschränken sich deshalb auf wenige Brennpunkte. Wer allerdings herbe und kahle Landschaften aus Gneis und Schiefer mag (so wie der Autor von diesem Bergwander-Blog …), hat hier unglaublich viele Möglichkeiten und kann gerade in dieser Ecke der Ötztaler Alpen noch echte Einsamkeit finden!

Auf dem Bild ist man auf den letzten Metern zum Steinmann am Upikopf. Der Steinmann ist gut sichtbar und ragt in den blauen und wolkenlosen Himmel. im Vordergrund erkennt man die Gneise, die in Blöcken und Platten den Gipfel aufbauen. Aus dieser Perspektive sehen die Steine ziemlich einheitlich in Grautönen aus. Im Hintergrund sieht man links mehrere sehr bekannte Gipfel der Ötztaler Alpen. Links Fineilspitze, Similaun und Hochwilde. Die Gipfel am rechten Bildrand hingegen zählen zur völlig unbekannten Mastaungruppe. An den Berggipfeln ziehen einige Quellwolken entlang.
Herbe Bergwelt – Am Upikopf

Auf der Südseite der Ötztaler Alpen sind die Höhenunterschiede sehr eindrucksvoll. Im Matscher Tal sind sie als moderat einzustufen, aber im mittleren und unteren Vinschgau sieht dies ganz anders aus: Die Kette Zerminiger – Vermoispitze erhebt sich etwa 2300 Meter über Schlanders und Latsch! Bei einer Horizontalentfernung von 4-5 Km zwischen Talboden und Gipfel, lässt sich erkennen, wie steil die Berge auf der Alpensüdseite sind. Und noch steiler schwingt sich die südliche Texelgruppe auf: Von Naturns zur Lahnbachspitze sind es über 2500 Hm – das Ganze bei einer Horizontaldistanz von gerade mal 4 Km!

Das Matscher Tal

Ausgangspunkt für den Upikopf ist das ebenso abgelegene und stille wie wunderschöne Matscher Tal am südwestlichen Ende der Ötztaler Alpen. Bis vor einigen Jahren galt es als sehr arm und wurde von Touristen kaum beachtetet. Dies hat sich mittlerweile ein wenig geändert, aber hier finden Wanderer und Naturfreunde noch immer die Ruhe und Ursprünglichkeit, die sie an vielen anderen Orten in den Alpen nicht mehr finden. Matsch und der Glieshof sind Etappenorte am Vinschger Höhenweg, der von Reschen nach Juval führt. Dabei immer am West- und Südabfall der Ötztaler Alpen.

Auf dem Bild sieht man in das Matscher Tal. In der linken Bildhälfte stehen im Vordergrund einige Häuser von Matsch, auch rechts sind im Talgrund einige verstreute Höfe zu sehen. Die Vegetation an den unteren Hängen, die das Tal auf beiden Seiten begrenzen, sind sehr unterschiedlich. Während rechts (=nordseitig) dichter Nadelwald fast alles bedeckt, ist die linke Seite (=südseitig) von steilen Alpweiden geprägt, die von Waldflächen unterbrochen werden. Markant Gipfel sind auf beiden Seiten nicht auszumachen. Nur im Talhintergrund erheben sich in er Ferne ein paar Gipfel, die ein wenig mit Neuschnee bedeckt sind. Der Himmel ist blau und wolkenlos.
Abgeschieden – Matscher Tal

Das Dorf Matsch ist eine Fraktion der Gemeinde Mals, mit romanischer Kirche am Ortseingang. Auf zwei Hügeln unterhalb des Dorfes liegen die Ruinen der beiden der Burgen Ober- und Untermatsch, die im Mittelalter Stammsitz der Matscher Vögte waren. Als die Vögte auf die Churburg bei Schluderns umzogen, verfielen die beiden Burgen. Bei Obermatsch steht außerdem die noch gut erhaltene Burgkapelle St. Martin. Wer die beiden Ruinen und die Kapelle besichtigen möchte, erreicht sie von Matsch mit Wegnummer 20, am Mühlhof und den Höfen von Muntaditsch und Kurtatsch vorbei, in ca. 1 Std. Gehzeit.

Upisee

Beim Glieshof, 1824 m, startet die Tour zunächst auf einem breiten Fahrweg mit der Nummer 9. Er führt zu Beginn teilweise steil um ein Eck herum ins Upital hinein. Mit nun mäßiger Steigung geht’s weiter zur Upialm, 2225 m. Hier ist der Fahrweg zu Ende und ein schöner Wanderweg führt auf eine steile Schrofenstufe zu, die das Tal abzuriegeln scheint. Der Weg umgeht die Stufe auf ihrer linken Seite und ihr wandert über einen Rücken hinauf zum Upisee, 2552 m. Er liegt in einer stillen Mulde und träumt vor sich hin. Allein dieser einsame See ist eine Wanderung wert!

Auf dem Bild sieht man eine Bergwanderin, die zum Upikopf steigt. Sie befindet sich am Südwestgrat im Blockgelände. Die Gneisblöcke haben unterschiedliche Farben, von hellgrau über dunkelgrau bis braun und rötlich. In der klinken Bildhälfte ist der Upisee zu erkennen. Darüber erheben sich Litznerspitze und Remsspitze, die ebenso aus grauen und braunroten Gneisen aufgebaut sind. Im Hintergrund erkennt man am Horizont links die Ortlergruppe und rechts die Berge der Sesvenna-Gruppe. Der Himmel ist blau. Am Horizont hat es in der Bildmitte ein paar Quellwolken über den Gipfeln und rechts wenige dünne Schleierwolken.
Blockgelände – Unterwegs zum Upikopf

Upikopf

Links oberhalb des Sees führen die Markierungen zunächst in östlicher, dann in nordöstlicher Richtungüber einen grasigen Rücken und weiter in das Hochtal zwischen Upikopf und Hochalt hinein. Auf einer flacheren Stufe hält sich der Pfad dann mehr links und verläuft in Richtung des Südwestgrats unseres Gipfels zu. In vielen Kehren steigt ihr über einen teilweise sehr steilen und schrofigen Hang zur Grathöhe hinauf. Ab hier wechseln nun flachere mit steileren Passagen, der Grat ist aber immer sehr breit und die Wegspuren sind meist gut erkennbar. Zum Schluss wartet noch ein Blockfeld, über das ihr auf den Gipfelrücken steigt, der euch schließlich zum Kreuz auf dem Upikopf, 3175 m, bringt.

Auf dem Bild sieht man vom Upikopf Richtung Nordwesten zu den Gipfeln der Silvrettagruppe und Samnaungruppe. Die markantesten von links sind Piz Linard, Piz Buin, Fluchthorn, Stammerspitz und Muttler rechts. Im Mittelgrund sinkt der Grat von der Portlesspitze von rechts nach links ab Richtung Spitzige Lun. Im Vordergrund ist eine Blockhalde am Upikopf zu sehen. Die Landschaft wirkt eher kahl und herb. Der Himmel ist blau, aber am Horizont hat es zum Teil dichtere Schleierwolken.
Fernsicht – Silvretta & Samnaun vom Upikopf

Die Rundsicht ist richtig herb und eigenartig, wie man es auf vielen Gipfeln dieser Art erleben kann. Zwar sind alle Gipfel um uns herum zumindest ein bisschen höher, als unser Standpunkt, aber nur im Norden wird die Rundsicht durch den nahen Ramudelkopf ein wenig eingeschränkt. Links davon schaut die Weißkugel hervor. Im Westen zeigen sich viele Schweizer Berge und im Süden stehen die Firngipfel der Ortlergruppe.

Für den Abstieg gibt es keine Alternative.

Ausgangs- und Endpunkt
Der Glieshof ist von Mals im Vinschgau auf einer gut ausgebauten Straße erreichbar. Zwischen Matsch und Glieshof zum Teil schmale Straße! Parkplatz beim Glieshof. Busverbindung zum Glieshof gibt es keine, die Busse fahren nur bis Matsch. Von dort mit dem Wandertaxi zum Glieshof.

Zeiten & Höhenmeter
Glieshof – Upisee 2¼ Std.
Upisee – Upikopf 2 Std.
Upikopf – Upisee 1½ Std.
Upisee – Glieshof 1½ Std.
630 Hm Upisee
1350 Hm Upikopf

Anforderungen & Jahreszeit
Upisee T2
Upikopf T3, Trittsicherheit im Blockgelände
Juli bis Oktober

Tabacco: 044 Vinschgau – Mals – Sesvenna, 1:25 000. Die wohl schönste Karte für die Tour, allerdings mit Schwächen. So ist der Auflage von 2003 der Anstieg zum Upikopf komplett falsch eingetragen: durch die Südflanke anstatt über den Südwestgrat.

Gleiches gilt für das Blatt 043 Vinschgauer Oberland in der Auflage von 2012. Hier führt der Steig zwar zunächst auf den Südwestgrat, dann aber etwas unterhalb der Grathöhe durch die steile Südflanke. Das ist nicht nachvollziehbar.

Ob dies mittlerweile korrigiert wurde, kann ich nicht sagen. In jedem Fall korrekt ist der Eintrag bei Open Street Map (OSM). Dort führt die Wegspur tatsächlich über den Kamm zum Gipfel – ohne Querungen in die Fanken.

Kompass: 051 Naturns – Latsch – Schnalstal, 1:25 000. Enthält die Tour ab der Upialm, der Gipfelanstieg ist korrekt eingetragen. Wasser- und reißfest.

Kompass: 52 Vinschgau, 1:50 000. Kleinerer Maßstab. Zumindest in der Online-Version von Kompass ist der Steig korrekt eingetragen.

Deuble, Peter: Vergessene Pfade in Südtirol, Bruckmann, München, 2013. Unterwegs auf wenig begangenen Wegen und Gipfeln. Beschreibt insgesamt 13 Gipfelziele mit Varianten über dem Vinschgau und seinen Seitentälern. Vergriffen, nur noch antiquarisch oder als E-Book erhältlich.

Deuble, Peter: Vinschger Höhenweg, Conrad Stein, Welver, 2013. Der erste Führer über den noch relativ jungen Höhenweg im Vinschgau. Mit einigen Gipfelvarianten wie dem Upikopf.

Klier, Henriette & Hirtlreiter, Gerhard: Vinschgau, Reschenpass – Sulden – Martelltal – Schnalstal, Bergverlag Rother, München, 10. Auflage 2022.

Rochlitz, Karl-Heinz: Südtirol für Bergwanderer Band 1 Vinschgau, Athesia-Tappeiner, Bozen, 3. Auflage 2000. Zuletzt unter dem Titel Bergwandern in Südtirol erschienen. Zwar nicht mehr überall aktuell, aber bis heute der beste Gebietswanderführer über den Vinschgau mit ausführlichen Wegbeschreibungen und einer exzellenten Bebilderung. Unübertroffen! Leider kaum mehr erhältlich.

Rampold, Josef: Vinschgau, Südtiroler Landeskunde Band 1, Athesia, Bozen, 5. Auflage 1997. Das Standardwerk über den Vinschgau wird leider nicht mehr neu aufgelegt, ist aber antiquarisch noch erhältlich. Wer sich intensiver mit dem Vinschgau beschäftigen möchte, für den dieses Buch eine wahre Fundgrube und unbedingt empfehlenswert!

Unterwegs Auf dieser Tour gibt es unterwegs leider keine bewirtschaftete Hütte. Das bedeutet, ihr müsst eure Verpflegung und Getränke komplett dabei haben. Nur am Ausgangspunkt gibt es Einkehrmöglichkeiten.

Glieshof

Inner Glieshof

ÖV

Der Ausgangspunkt beim Glieshof ist auch mit Öffis erreichbar. Von Mals im Vinschgau bis Matsch verkehrt ein Bus (Linie 278). Ab dort könnt ihr mit dem Wandertaxi zum Glieshof nutzen.

Fahrpläne

Verbindungen

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