Kreuzspitze – Leichter 3000er in den Ötztaler Alpen

Auf dem Bild sieht man rechts den Gipfelkopf der Kreuzspitze mit ihrem riesigen Gipfelkreuz. Dort oben am höchsten Punkt sitzen zwei Bergwanderer und genießen den Traumtag. Der Gipfelkopf ist aus rötlichen Gneisen aufgebaut und fällt auf der linken Seite sehr steil ab. Im Hintergrund erkennt man einige Berge rund um den Gepatschferner mit der flachen Weißseespitze. Die unteren Hänge sind mittlerweile gänzlich unvergletschert und bieten ein eher trostloses Bild. Der Himmel ist tiefblau und wolkenlos.
Mega – Traumtag auf der Kreuzspitze

Der zweithöchste Wanderberg in Österreich

Noch bis Anfang dieses Jahrtausends galt die Kreuzspitze als höchster Wanderberg in Österreich und bis in die 1990er-Jahre sogar als höchster Wanderberg in den Ostalpen. Mittlerweile ist sie in Österreich »nur« noch die Nummer zwei. Der Schrankogel auf der anderen Seite des Ötztals hat ihr die Spitzenposition abgelaufen. Der zweithöchste Berg der Stubaier Alpen ist mit 3497 m gerade mal 42 Meter höher als die Kreuzspitze. Vergleicht man jedoch die Anforderungen der beiden Gipfel, liegen diese beim Schrankogel um einiges höher. Selbst der einfachste Anstieg von Südwesten wartet mit einfachen Kletterstellen auf. Beim Anstieg zur Kreuzspitze gibt es das nicht. Die Hände braucht es maximal zum Abstützen oder zum Halten des Gleichgewichts. Wenn man unter dem Begriff »wandern« also tatsächlich ein »wandern ohne klettern« versteht, dann ist die Kreuzspitze weiterhin die »echte« Nummer eins. In den gesamten Ostalpen dürfte mittlerweile der Monte Vioz in der südlichen Ortlergruppe der höchste Wanderberg sein.

Auf dem Bild sieht man genau von Norden, von der Breslauer Hütte, zur Kreuzspitze. Die zum Teil schneebedeckte Nordflanke des Berges liegt im Schatten. In den Karen unter dem Gipfel liegt ein mittelgroßer Gletscher, darunter sind Geröllhänge und rötliche Felsen zu erkennen. Rechts ist im Hintergrund noch der Sennkogel zu erkennen, dessen Gesteine im Gegensatz zur Kreuzspitze hell in der Nachmittagssonne leuchten. Der Himmel ist blau nur ganz rechst ist eine kleine Wolke zu sehen.
Nordansicht – Kreuzspitze von der Breslauer Hütte

Ganz gleich wie man zu diesem Thema steht – die Kreuzspitze ist ein toller Aussichtsberg. Nur selten kommt man bei einer Bergwanderung auf einen Gipfel in dieser Höhe und von diesem Format. Sie ist die höchste Erhebung im nach ihr benannten Kreuzkamm, der sich im Hauslabjoch vom Ötztaler Hauptkamm löst, von dort in nordöstlicher Richtung bis zur Talleitspitze zieht, dem letzten Gipfel des Kammes, und von dort nach Vent absinkt. Die Bedeutung der Kreuzspitze erschließt sich besonders gut von der gegenüberliegenden Seite des Rofentals: Als breite Felsschneide dominiert sie den nach ihr benannten Kamm eindrucksvoll.

Das Bild zeigt den Kreuzkamm von der Mittleren Guslarspitze. In der Bildmitte erhebt sich die Kreuzspitze, der höchste Gipfel im gleichnamigen Kamm. Links erkennt man die fast gleich hohe Talleitspitze, rechts die etwas niedrigeren Gipfel Kreuzkogel und Sennkogel. Ganz rechts spitzt noch der Similaun hervor. Durch das Gegenlicht sind in den felsigen Flanken der Gipfel kaum Felsstrukturen erkennbar. In den Mulden liegen kleinere Gletscher. Den Bildvordergrund füllen Gneisblöcke auf der Mittleren Guslarspitze, dem Standpunkt er Aufnahme. Der Himmel ist zum Teil mit Schleierwolken überzogen.
Kreuzspitze – Höchster Gipfel im Kreuzkamm

Erinnerungen, Erlebnisse und Geschichten

In einem Buch oder einer Zeitschrift hatte ich zu Beginn der 1990er-Jahre von der Kreuzspitze gelesen. Ein Berg deutlich über 3400 Meter hoch und dazu noch einfach zu besteigen. Perfekt für mich. Da wollte, ja da musste ich unbedingt hoch. Eine Tour mit 1560 Höhenmetern und einer Gehzeit von etwa 4½ bis 5 Stunden war für mich schon immer eine Tagestour. Zum Übernachten im Hotel oder Gasthaus hatte ich damals als Student kein Geld. Mein Auto war preiswerter und ich war unabhängig. Die Tour zur Kreuzspitze war nicht das einzige Mal, dass ich im Auto übernachtet habe und am nächsten morgen noch vor Sonnenaufgang losgezogen bin.

Am späten Nachmittag fuhr ich nach Vent im Ötztal. Irgendwann zwischen 22 und 23 Uhr war ich dort. Es war natürlich längst stockfinster. Gut so, denn so musste ich den Parkplatz in Vent nicht bezahlen. Damals gab es noch keine Automaten, sondern nur ein kleines Häuschen, in dem tagsüber jemand kassierte. Wer nachts oder früh morgens eintraf, musste nicht zahlen, ebenso wenn man nach der Tour erst spät abends wieder am Parkplatz ankam. Als Student wollte ich solche Gebühren vermeiden – logisch. Heute sehe ich das etwas anders und verstehe, wenn Gebühren für Parkplätze erhoben werden. Mit aktuell 6 Euro pro Tag (Stand: Sommer 2023) geht das in Vent völlig in Ordnung.

Vom Südostgrat der Kreuzspitze sieht man nach Norden zur Wildspitze, dem höchsten Gipfel der Ötztaler Alpen, in der Bildmitte und zur Talleitspitze links im Mittelgrund. Aufgrund des Gletscherschwundes sind auf den fast keine Gletscher mehr zu sehen, nur an der Wildspitze hat es noch ein paar Firnflecken. Zwischen dem Aufnahmestandpunkt und der Talleitspitze breitet sich ein Tal aus, das mit Gneisblöcken und Schutt gefüllt ist. Die Gesteine sind überwiegend rötlich-braun, was auf einen hohen Eisengehalt schließen lässt. Der Himmel ist tiefblau und wolkenlos.
Gipfel über Vent – Wildspitze und Talleitspitze

Am nächsten Morgen war ich schon um 5 Uhr unterwegs. Und am Abend richtig happy, einen neuen Höchstpunkt erreicht zu haben. Der aber im nächsten Jahr bereits wieder Geschichte war.

Schon seit längerem wollte ich wieder auf die Kreuzspitze. In den letzten Jahren war ich viel im Ötztal unterwegs, habe dort mehrfach Urlaub gemacht und dabei einige 3000er bestiegen. Leichte 3000er, aber auch Gletschertouren mit Bergführer. Für den Montolando-Blog wollte ich nun unbedingt einen Beitrag über die Kreuzspitze haben.

Auch dieses Mal startete ich früh, zwar nicht ganz so für wie damals, aber bereits kurz nach 6 Uhr. Trotz der großen Höhendifferenz und dem langen Hüttenweg auf dem Fahrweg, konnte ich die Tour genießen. Besonders die letzten Höhenmeter über den Gratrücken zum Gipfelkreuz habe ich wieder in bester Erinnerung. Als ob die Höhenluft wie eine Droge wirkte.

Auf dem Bild sieht man von der im Text erwähnten Grathöhe den Südostgrat, der zum Gipfel der Kreuzspitze führt. Am Grat ist der Steig mit seinen Kehren erkennbar und auch mehrere Markierungen sind zu sehen. Der Grat erscheint in der Perspektiver flacher, als er in Wirklichkeit ist. Die Gesteine sind zum Teil hellgrau, größtenteils aber braun-rötlich gefärbt, was auf einen großen Eisengehalt hindeutet. Der Himmel ist tiefblau und wolkenlos.
Endspurt – Am Südostgrat der Kreuzspitze

Kurz nach mir erreichten zwei Jungs den Gipfel. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählten, dass sie heute morgen gegen 3 Uhr von ihrem Wohnort in der Nähe von Oberstaufen im Allgäu aufgebrochen seien. Das erinnerte mich an meinen ersten Besuch von 1992. Wenn man jung ist, dann macht man so etwas. Die beiden dürften heute etwa im gleichen Alter sein, wie ich damals. Es war ein wunderschöner Spätsommertag in klarer Luft ohne Wolken, mit Fernsicht bis zur Bernina. Die großartige Rundsicht an diesem sensationellen Tag kommentierte einer der beiden Jungs schlicht: »Mega!« Genau so würde ich das auch ausdrücken. Wenn ich etwas ganz toll oder super finde, heißt es auch bei mir einfach »Mega« …

Martin-Busch-Hütte

Der erste Teil des Anstiegs von Vent, 1895 m, zur Martin-Busch-Hütte führt über einen breiten und monotonen Fahrweg, der nur wenig Abwechslung bietet. Dieser Abschnitt ließe sich natürlich auch mit einem Mountainbike zurücklegen. Mein Tipp: Sehr früh aufbrechen, dann könnt ihr den größten Teil davon im Schatten zurücklegen.

Der monotone Anstieg gibt Gelegenheit, über die Auswirkungen des Klimawandels nachzudenken. Beim Anblick der Similaun-Nordwand wird dieser sichtbar wie kaum irgendwo sonst. Früher war dort eine Eiswand. Und heute? Nur noch Felsen. Eis gibt’s auch dort nur noch im Winter.

Ihr passiert die schmucke Almhütte Niedertal und bald danach warnt eine Tafel vor Steinschlag. Hier könntet ihr auch über eine Brücke die Talseite wechseln. Dieser Steig führt von dort über eine zweite Brücke auf den Fahrweg zurück. Dort steht eine weitere Tafel für alle, die von der Hütte kommen. Der kleine Umweg kostet zusätzlich 100 Hm. Und auf dem Rückweg nochmals dasselbe. Ich habe niemanden gesehen, der das gemacht hätte. Auf der Martin-Busch-Hütte, 2501m, auch Neue Samoarhütte genannt, habt ihr den größten Teil der Distanz bereits geschafft. In Sachen Höhenmeter allerdings noch nicht mal die Hälfte …

Kreuzspitze

Es gibt im Alpenraum nur sehr wenige Gipfel in dieser Höhe, auf die ein vergleichbar guter Steig führt, wie auf die Kreuzspitze. Trittischerheit und alpine Erfahrung im Blockgelände sind dennoch Voraussetzung. Die Tour führt in große Höhen, was eine gute Akklimatisation erfordert! Trotz Steig handelt es sich um eine anspruchsvolle und alpine Bergwanderung. Als Tagestour erfordert sie zudem eine sehr gute Kondition. Das spürt ihr vor allem im Blockgelände auf den obersten 400 Höhenmetern.

Der weitere Anstieg führt zunächst moderat über einen Rasenhang empor. Bald wird es steiler, aber der gut angelegte Steig erreicht problemlos die Stufe »Auf den Sömen«, die rechterhand von zwei kleinen Mini-Seen geschmückt wird. Etwas weiter oben könnt ihr links zum Brizzisee, 2920 m, auch Samoarsee genannt, abzweigen. Es gibt aber keine Markierung oder Bezeichnung. Nun wird es langsam alpiner und über steilere Stufen erreicht der Steig ein riesiges Blockfeld. Dieses wird gequert. Es ist die mühsamste Passage der ganzen Tour, ist aber bereits nach gut zehn Minuten schon wieder vorbei.

Auf dem Bild breitet sich ein riesiges Blockfeld aus Gneisen aus. Dieses Blockfeld muss auf dem Anstieg zur Kreuzspitze nach rechts oben gequert werden. Links ist im Vordergrund eine rot-weiß-rote Markierung zu erkennen. Die Steine sind teils grau, teils braun-rötlich gefärbt, was auf einen hohen Eisengehalt schließen lässt. Die Kreuzspitze erhebt sich rechts oberhalb, links ist der kleinere Kreuzkogel zu erkennen. Der Himmel ist tiefblau und wolkenlos.
Mühsam – Blockfeld unter der Kreuzspitze

Anschließend führt der Steig nochmals steil hinauf zur Grathöhe am Südostgrat der Kreuzspitze. Hier seht ihr zum ersten Mal zur Wildspitze und zur markanten Talleitspitze hinüber. In vielen Kehren geht’s nun über den Grat zum Gipfelplateau und mit wenigen Schritten zum Gipfel der Kreuzspitze, 3455 m. In älteren Karten, auf manchen sogar heute noch, misst der Gipfel 3457 m. Das große Kreuz wurde zum 100. Todestag von Franz Senn erstellt, dem »Gletscherpfarrer« und Erschließer von Vent und den Ötztaler Alpen.

Vom Gipfel der Kreuzspitze blickt man in südwestlicher Richtung über die Gipfel des Kreuzkamms hinweg zur Fineilspitze. >In den Nordflanken liegen kleinere Gletscher und der Neuschnee der vergangene Woche ist noch zu sehen. Rechts im Bild erhebt sich die vergletscherte Weißkugel. Dazwischen liegt die flache und breite Senke des Hochjochs. Hinter der Fineilspitze sind die Gipfel der Ortlergruppe zu erkennen, über dem Hochjoch die Bernina. Die braune Färbung der Hochweiden lässt den nahen Herbst erahnen. Der Himmel ist blau und wolkenlos.
Fernsicht – Kreuzkamm, Fineilspitze, Weißkugel mit Ortlergruppe und Bernina

Die Rundsicht lässt keine Wünsche offen. Inmitten der höchsten Gipfel der Ötztaler Alpen steht die Kreuzspitze zwischen Weißkamm, Ramolkamm und Hauptkamm: Wildspitze, Weißkugel, Similaun, Hintere Schwärze und Ramolkogel und viele andere. Auch viele Gipfel der Stubaier Alpen grüßen herüber: Vom Zuckerhütl über den Schrankogel zum Breiten Grieskogel. Die hohen Berge verhindern andererseits die ganz große Fernsicht, nur an einigen Stellen reicht der Blick weiter: Bernina, Ortlergruppe, Presanella und Brenta in Südwesten, Dolomiten (Antelao, Marmolada, Rosengarten, Pala) und Zillertaler Alpen im Südosten.

Vom Gipfel der Kreuzspitze sieht man in südlicher Richtung zu den höheren Gipfeln Hintere Schwärze, links und Similaun, rechts von der Bildmitte. Beide sind vergletschert und in den Nordflanken ist noch der Neuschnee der vergangene Woche zu sehen. In der rechten Bildhälfte sieht man den Niederjochbach, der durch das gleichnamige Tal fließt. Auf einer Stufe zwischen dem Niedertal und der Kreuzspitze erkennt man den Brizzisee. Ganz rechts sind über dem Niederjoch mehrere Gipfel der Ortlergruppe zu erkennen. Der Himmel ist blau und wolkenlos.
Aussicht mit Seeblick – Hintere Schwärze, Similaun und Brizzisee

Für den Abstieg gibt es keine Alternative, lediglich ein kurzer Abstecher zum Brizzisee (Samoarsee) bietet sich an.

Ausgangs- und Endpunkt
Vent im gleichnamigen Seitental des Ötztals. Erreichbar ab Sölden mit dem Bus oder Pkw.

Zeiten & Höhenmeter
Vent – Martin-Busch-Hütte 2½ Std.
Martin-Busch-Hütte – Kreuzspitze 2½ Std.
Kreuzspitze – Martin-Busch-Hütte 1¾ Std.
Martin-Busch-Hütte – Vent 2 Std.
1560 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
T3+, Trittsicherheit und Gewandheit im Blockgelände erforderlich
Juli bis September, Öffnungszeiten Martin-Busch-Hütte beachten!

Alpenvereinskarte: 31/1 Ötztaler Alpen – Gurgl, 1:25 000. Beste und schönste Karte. Einzige AV-Karte, die den kompletten Anstieg zur Kreuzspitze enthält.

freytag & berndt: 251 Ötztal – Pitztal – Kaunertal – Wildspitze, 1:50 000. Kleiner Maßstab, sehr schönes Kartenbild.

Kümmerly+Frey: 6 Ötztal, 1:50 000. Ebenfalls kleiner Maßstab, dafür reißfest, inkl. Download Karte für Smartphone.

Zahel, Mark: Ötztal, Oetz – Umhausen – Längenfeld – Sölden – Vent – Obergrugl, Bergverlag Rother, München, 2. Auflage 2022. Enthält die Tour zur Kreuzspitze und weitere Touren rund um Vent. Sehr empfehlenswert!

ÖV

Vent ist ab Sölden mit dem Bus erreichbar (Linie 330). Im gesamten Ötztal ist der ÖV gut bis sehr gut ausgebaut. Mittlerweile passt auch der Anschluss an den ersten Bus morgens ab den Dörfern talabwärts (Längenfeld, Umhausen, Oetz: Linie 320). Leider ist ein Start mit ÖV erst um 7:35 Uhr möglich.

Linienverkehr Ötztal

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