Oberrothorn – Leichter 3000er bei Zermatt

Auf dem Bild sieht man einen Wegweiser der am Gipfel des Oberrothorns steht. Der Name und die Gipfelhöhe sind auf einem Schild am oberen Ende zu lesen. Nach links zeigen zwei gelbe Wegweiser mit weiß-rot-weißen Markeirungen die Ziele und Zeiten an. Im Hintergrund erheben sich mehrere vergletscherte 4000er: Matterhorn, Dent Blanche, Obergabelhorn und Zinalrothorn. Links unten erkennt man die Station der Seilbahn am Unterrothorn. Der Himmel ist stahlblau, es ist keine Wolke zu sehen. Ein echter Traumtag im Juli!
Giganten – Matterhorn, Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn

Wanderklassiker im Angesicht der 4000er

Mit Zermatt verbindet man meistens das allgegenwärtige Matterhorn und hochalpine Bergtouren auf 4000er. Aber auch in Sachen Bergwandergipfel ist das Mattertal eine sehr interessante Adresse. Wer gerne Leichte 3000er besteigt, findet hier viele Ziele. Der wohl einfachste und gleichzeitig einer der höchsten leichten 3000er, nicht nur im Wallis, sondern im gesamten Alpenraum ist das Oberrothorn.

Das Oberrothorn ist ein eher eintöniger Gipfel, besonders nach Westen und Süden hin. Nach Norden und Osten zeigt der Berg aber durchaus ein wilderes Gesicht, so von der Täschhütte oder der Pfulwe, einem anderen leichten 3000er rund um Zermatt. Der Name Oberrothorn ist sehr passend und kommt von den roten Gesteinen. Die Farbe wiederum ist ein Hinweis auf einen hohen Eisengehalt der Gesteine.

Vom Gipfel der Pfulwe geht der Blick nach Westen und Südwesten. Links im Bild steht das Matterhorn quasi allein auf weiter Flur. In der rechten Bildhälfte dominiert das Oberrothorn, weil die höheren Berge im Hintergrund in dichte Wolken gehüllt sind. Man erkennt gut die Flanke, die vom Gipfel nach links abdacht, über die der Aufstieg verläuft. Links unterhalb des Gipfel ist auch das Unterrothorn mit seiner Station erkennbar. Links im Vordergrund ist eine große Moräne zu sehen, die der Findelgletscher zurückgelassen hat. Der Himmel ist stark bewölkt, mit vielen dichteren Schleierwolken und vielen Quellwolken, die manche Gipfel zum Teil einhüllen.
Verschieden – Matterhorn und Oberrothorn von der Pfulwe

Die nahe Seilbahn verhilft zu einem kurzen Anstieg. Daher gehört der Berg leider auch zu den eher überlaufenen Gipfeln. Es empfiehlt sich also eine Besteigung außerhalb der Saison, also im September (oder vielleicht Oktober) und möglichst an einem Wochentag. Wer dann noch auf der hier vorgeschlagenen Variante vom Unterrothorn über den Ritzengrat absteigt, kommt in den Genuss einer besonders schönen Rundtour. Der Grat lässt sich selbstverständlich auch im Aufstieg begehen, aber ihr habt in diesem Fall stets das verbaute Unterrothorn im Blick. Im Abstieg hingegen wandert ihr direkt auf die beeindruckenden 4000er zwischen Weisshorn und Dent Blanche zu. Ein echter Genuss, den ihr euch allerdings im Stehen gönnen solltet und nicht beim Wandern!

Auf dem Bild sieht man eine Bergwanderin, die am Gipfel des Unterrothorns entspannt. Hinter ihr steht ihr Rucksack auf einer geschieferten Felsplatte, die den Vordergrund der rechten Bildhälfte komplett ausfüllt. Im Hintergrund erheben sich die vergletscherten Gipfel der Walliser Alpen von der flachen Cima di Jazzi links, über die Gipfel des Monte Rosa zum Liskamm rechts. Über der Wanderin ist ein Gipfelsignal zu erkennen. Der Himmel ist stahlblau und wolkenlos an diesem sonnigen Tag im Hochsommer.
Entspannen – Blick vom Unterrothorn auf Cima di Jazzi, Monte Rosa und Liskamm

Erinnerungen, Erlebnisse und Geschichten

Als Kind hatte ich bei meinem Vater gezeichnete Panoramen von Zermatt und Umgebung gesehen. Darin waren auch Wege zum Oberrothorn und zum Mettelhorn eingezeichnet. Zwei Berge über 3400 m – da wollte ich natürlich eines Tages hoch.

Das erste Mal war ich im September 1989 am Oberrothorn. Eine Zeit der Veränderungen. Ich war als Reiseleiter mit dem Glacier Express unterwegs. Die Reisbüro-Kette, bei der ich meine Ausbildung absolvierte, war zugleich Veranstalter mit eigenem Programm. Unter anderem spezielle Angebote für Zeitungsabonnenten wie die Fahrt mit dem Glacier Express. Das alles in drei Tagen, ein echter Stress und letztlich nicht viel preiswerter als wenn man eine ganze Woche gebuchte hätte. Als Mitarbeiter wurde mir angeboten, mitzufahren. Dafür sollte ich während der Fahrt den Reisenden ein wenig die Landschaft, Berge und Orte erklären und organisatorische Aufgaben übernehmen. Natürlich hatte ich Lust dazu, als Azubi hätte ich mir so einen Trip nicht leisten können. Und mit dem Glacier Express wollte ich schon lange mal fahren.

Auf dem Bild sieht man vom Gornergrat hinüber zum Oberrothorn. Es ist in der Bildmitte erkennbar und aus dieser Perspektive lediglich eine überdimensionale Schuttkuppe. Es wird von den Hauptgipfeln der Mischabel (Dom, Täschhorn) deutlich überragt. Links davon der Alphubel, ein weiterer bedeutender 4000er der Walliser Alpen. Links unterhalb vom Oberrothorn erkennt man das Unterrothorn mit er Bergstation. Unterhalb der Rothörner ist Pistengelände zu erkennen. Links im Hintergrund ist das Bietschhorn in den Berner Alpen zu sehen. Der Himmel ist blau, es hat keine Wolken.
Schuttkuppe – Oberrothorn unter den Gipfeln der Mischabel

In Zermatt hatte ich einen freien Tag zur Verfügung. Die meisten Reisegäste fuhren mit der Zahnradbahn auf den Gornergrat. Danach stand mir der Sinn überhaupt nicht. Mein Ziel war das Oberrothorn. Von meinem Hotel stieg ich nach dem Frühstück ziemlich genau 1600 Hm zum Gipfel. By fair means, ohne Bahn. Das Ganze erst noch ohne Verpflegung, denn ich hatte vergessen, einzukaufen. Eine Tafel Schokolade am Gipfel musste reichen.

Am Gipfel war nicht allzu viel los, obwohl es ein Sonntag war. Ich kam mit einem anderen Einzelgänger ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er Chemiker aus Jena war und einen Forschungsauftrag an der Uni Basel hatte. Er war also ganz »offiziell« im Westen. Wir sprachen über unsere »unterschiedlichen Welten« und er erzählte mir, dass bei seiner Tante ein großes Bild vom Matterhorn hing und er sich sein ganzes Leben gewünscht hatte, einmal das Matterhorn in echt zu sehen. Als er nach Basel kam, fuhr er gleich am ersten Wochenende nach Zermatt, um sich diesen Wunsch zu erfüllen. Er erzählte mir auch von »seinen Gebirgen« in Osteuropa, der Hohen Tatra, den Karpaten und dem Rila-Gebirge in Bulgarien. Gemeinsam stiegen wir vom Gipfel zum Berghaus Fluhalp ab und genehmigten uns auf der Terrasse einen großen Salatteller vom offenen Buffet. Danach trennten sich unsere Wege wieder. Für mich eine der interessantesten Begegnungen in den Bergen. Bis heute.

Das Bild zeigt eine Bergwanderin auf dem Bergwanderweg zum Oberrothorn. Von diesem sind mehrere Kehren zu sehen, weiter unten andere Bergwanderer. Im Hintergrund erhebt sich links von der Bildmitte das Matterhorn, weiter rechts spitzen noch Dent Blanche und Obergabelhorn hervor. Dazwischen sieht man im Mittelgrund das Unterrothorn mit seinen Gipfelbauten. Nach rechts zieht der zum Teil begrünte Hang steiler hinauf. Es ist ein sonniger Traumtag, der Himmel ist blau und es hat keine Wolken.
Bergwanderweg – Anstieg zum Oberrothorn

Bergwandern im Angesicht der 4000er-Giganten

Viele Bergwanderinnen & Bergwanderer fahren mit der Bahn bis auf’s Unterrothorn. Damit wird der Berg zur Halbtagestour degradiert. Das wäre schade, denn der Weg vom Blauherd zur Furggji bietet schöne Ausblicke auf die gewaltigen Gletscherberge zwischen Stockhorn und Strahlhorn.

Mit der nötigen Trittsicherheit ist das Oberrothorn ein einfacher und je nach Routenwahl und Varianten gemütlicher bis anstrengender Gipfel. Probleme sind allenfalls bei Nässe und Schnee zu erwarten. Trotz eines guten Weges bis zum Gipfel und der nahen Zivilisation darf aber nicht vergessen werden, dass ihr euch hier deutlich über der 3000-Meter-Grenze bewegt. Daher solltet ihr auch im Hochsommer auf die entsprechende Ausrüstung & Bekleidung achten! Beim Abstieg über den Ritzengrat ist ebenfalls Trittsicherheit erforderlich, eine kurze Drahtseilstelle ist harmlos. Natürlich könnt ihr auch vom Unterrothorn mit der Bahn ins Tal schweben, aber der Ritzengrat ist sicher einer der schönsten Wege rund um Zermatt.

Oberrrothorn

Von der Bergstation Blauherd, 2571 m, folgt ihr zunächst dem beschilderten Pistenweg, der die Südflanke des Unterrothorns (Rote Wäng) quert. Auf ca. 2780 m Höhe stößt von rechts der Anstieg vom Berghaus Fluhalp (auf alten Karten Berggasthaus Flue genannt) dazu. Gemeinsam geht es in nördlicher Richtung hinauf zur Furggji, 2981 m, dem Sattel zwischen Unter- und Oberrothorn.

Das Bild zeigt einen Wegweiser auf er Furggji, der in drei Richtungen zeigt. Es sind die typischen Schweizer Wanderwegweiser in gelb, deren Spitzen bei Bergwanderwegen weiß-rot-weiß sind. Unterhalb des Wegweisers steht ein großer Stein auf dem »Oberrothorn 3414 MÜM« steht und ein Richtungspfeil nach rechts. Den Hintergrund füllt ein Hang aus Schutt, einzelner Felsbrocken, Rasenpolstern und Alpenblumen.
Eindeutig – Wegweiser zum Oberrothorn

Der weitere Anstieg führt zunächst nur leicht steigend in die breite und oberhalb des Wanderweges sehr steile Südflanke hinein. In bequem angelegten Kehren gewinnt der Pfad in dieser Flanke rasch an Höhe, passiert eine etwas unangenehme schuttbedeckte Platte und gelangt so auf die weniger steile Südostseite des Berges. In Kehren erreicht ihr auf etwa 3320 m den Südkamm, von wo aus Wegspuren auf verschiedenen Varianten rasch zum Gipfel des Oberrothorns, 3414 m, leiten.

Die Szenerie könnte kaum großartiger sein – abgesehen vom Montblanc stehen ringsum die höchsten Gipfel der Alpen: Monte Rosa, Weisshorn, Mischabelgruppe und der berühmteste Berg der Alpen, das Matterhorn. Selbst die Dent Blanche schaut hinter dem Obergabelhorn noch hervor.

Auf dem Bild sieht man vom Gipfel des Oberrothorns hinüber zu den mächtigen 4000ern der Mischabelgruppe (Täschhorn, knapp links dahinter verdeckt der Dom) und zum Alphubel. Rechts vom Alphubel sind noch einige bedeutende Gletscherflächen zu sehen. Ansonsten sind die steilen Südflanken der Berge fast kahl. Den Vordergrund in der rechten Bildhälfte füllen drei Steinmänner aus. Der Himmel ist blau, es hat keine Wolken.
Mächtig – Mischabel und Alphubel vom Oberrothorn

Für den Abstieg gibt es bis zur Furggji keine Alternative. Vom Sattel erreicht ihr über den breiten Pistenhang das aussichtsreiche, aber leider völlig verbaute Unterrothorn, 3103 m. Trotzdem ist die Rundsicht von hier oben wunderschön, vor allem nach Westen. Dazu gibt’s Tiefblicke auf Zermatt.

Über den Ritzengrat nach Zermatt

Links (westlich) neben der Bergstation Unterrothorn beginnt der am Gipfel nicht ausgeschilderte Abstieg über den Ritzengrat. Er bietet wunderschöne Ausblicke auf die Kette zwischen Weisshorn und Zinalrothorn. Zunächst kurz steil hinab, anschließend geht’s meist in leichtem Auf und Ab auf der Grathöhe entlang. Der Weg ist breit und nirgends ausgesetzt, ab und zu geht’s auch durch einfaches Blockgelände. Bei P. 2899 m senkt sich der Grat steiler ab und in einer kurzen Schuttrinne bei P. 2763 m hilft ein Drahtseil nach unten. Anschließend ist dieser wunderschöne Abschnitt leider viel zu schnell vorbei.

Auf dem Bild sieht man im Vordergrund einen Abschnitt des Weges, der über den Ritzengrat führt. Der Grat besteht hier aus schiefrigen Platten, die zusammengebacken sind. Im Intergrund sind die vergletscherten 4000er Weisshorn und Zinalrothorn links mit ihren Trabanten zu erkennen. Der Himmel ist stahlblau und nur am Weisshorn hängt eine kleine Schönwetterwolke an diesem sonnigen Tag.
Aussichtsreich – Unterwegs am Ritzengrat

Über Grashänge erreicht ihr in Kehren den Europaweg und bald darauf die oft fotografierte Alpsiedlung Tufteren, 2215 m (bei Swisstopo mittlerweile »Tuftra«). Ab hier folgt ihr dem markierten Weg hinab durch den Wald bis Tiefenmatten, eine Waldlichtung bei P. 1872 m. Hier könnt ihr entscheiden, ob ihr direkt zum Bahnhof Zermatt möchtet. In diesem Fall zweigt ihr rechts ab. Wenn ihr eher die Kirche zum Ziel habt, bleibt ihr links und gelangt so zur Talstation der Sunnegga-Bahn und ins Zentrum von Zermatt.

Abstiegsvariante über Findeln

Von der Furggji lässt es sich auch gut via Berggasthaus Flue, Stellisee und Findeln nach Zermatt absteigen. Zugegeben – im oberen Teil müsst ihr dabei die negativen Erscheinungen des Wintersports ertragen, dafür genießt ihr ab Findeln wieder sehr schöne Wanderwege. Und der Blick von Findeln zum Matterhorn, gehört definitv zum Schönsten, was Zermatt zu bieten hat. Zeitbedarf ca. 3 Std. ab Furggji bis Zermatt, T 2.

Ausgangspunkt
Zermatt, Endbahnhof der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Bahnverbindung ab Visp via Stalden und Täsch (140). Oder mit dem Auto bis Täsch, dort gebührenpflichtige Parkplätze. Seilbahn von Zermatt zur Station Blauherd (2290).

Endpunkt
Zermatt, Bahnhof der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Fahrt von hier nach Täsch oder weiter nach Visp.

Zeiten & Höhenmeter
Blauherd – Furggji 1¼ Std.
Furggji – Oberrothorn 1¼ Std.
840 Hm
Oberrothorn – Unterrothorn 1 Std.
Unterrothorn – Tufteren – Zermatt 2½ Std.
1800 Hm

Anforderungen & Jahreszeit
T3-, Trittsicherheit
Juni bis September, evtl. noch im Oktober, je nach Schneelage

Rotten Verlag, Wanderkarte 7 Zermatt, 1:25 000. Basiert auf Swisstopo. Die beste Karte mit Zeitangaben bei den Wanderwegen. Topp!

Swisstopo 33, 3306 T Zermatt – Saas Fee (wasserfest, Vergrößerung der 50er-Karte).

Swisstopo-App für Smartphone und Tablet

Infos und Blattschnitte bei Swisstopo.

Bauer, Marianne & Waeber, Michael: Walliser Alpen, Gebietsführer für Wanderer, Bergsteiger und Kletterer, Bergverlag Rother, München, 14. Auflage 2012. Seit vielen Jahren das Standardwerk. Der Führer ist nicht nur für Hochalpinisten geschrieben und enthält unzählige Bergwandergipfel, Höhenwege und vieles mehr. Bei der Fülle an Informationen erstaunlich preiswert. Topp!

Bahnzhaf, Bernhard Rudolf / Biner, Hermann / Burgener, Beat: Alpinführer Walliser Alpen 4-5, Vom Theodulpass zum Simplon, SAC-Verlag, Bern 2009. Beschreibt alle sicheren und lohnenden Routen auf die Gipfel zwischen Zermatt und Simplonpass, darunter auch viele Bergwanderungen.

ÖV

Zermatt ist nicht mit dem Auto erreichbar, nur mit der Bahn von Visp via Täsch (140). Autos müssen spätestens in Täsch abgestellt werden, hier hat es gebührenpflichtige Parkplätze. Nach Täsch führt eine gut ausgebaute Straße von Visp über Stalden.

Die Schweiz hat das beste System des öffentlichen Verkehrs – zumindest im Alpenraum. Ich habe selbst ein Halbtax-Abo (»Schweizer Bahncard«). Das Halbtax ist nicht nur in den Zügen, sondern auch in Bussen und vielen Bergbahnen gültig. Wer mehrere Tage im Berner Oberland unterwegs ist, sollte gut nachrechnen – das Halbtax-Abo kann sich hier sehr schnell amortisieren! Zugegeben: Die Bahntickets sind nicht gerade preiswert, Parkplätze und Parkhäuser aber auch nicht.

Infos zu Preisen und Verbindungen:

Schweizerische Bundesbahnen SBB

Matterhorn Gotthard Bahn

Bergbahnen Zermatt

Fahrplanauskunft ÖV Schweiz

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